Zu Gast bei »Petko«

Petko(c)Jörg Peters

Petko(c)Jörg Peters

… Marjan Petkovic?

Er war lange Publikumsliebling und wird immer als Keeper der Aufstiege der Eintracht in den Geschichtsbüchern stehen: Marjan Petković, genannt „Petko“. Anfang des Jahres kündigte der 36-Jährige nach knapp sechs Jahren bei den Löwen seinen Abschied an. Hauptgrund: die Familie, verbunden mit Heimweh. Die heranwachsenden Kinder sollten zur beginnenden Schulzeit nicht bald wieder umziehen müssen – und gleich in der Heimat eingeschult werden. Heimat, das ist für Marjan und seine Frau Valeska das Örtchen Sternberg – zentral gelegen zwischen Heidelberg, Stuttgart und Karlsruhe.

Die Hoffnungen, in der Umgebung noch einmal als Keeper unter Vertrag zu kommen, erfüllten sich bisher für „Petko“ noch nicht – obwohl er immer wieder bewiesen hat, dass er längst nicht zum alten Torwart-Eisen gehört. „In den letzten Wochen war ich beim VfB Stuttgart II, um mich fit zu halten. Falls sich sportlich etwas ergibt, bin ich bereit. Körperlich bin ich in einer sehr guten Verfassung“, sagt der beliebte Keeper, der manchem Torjäger schlaflose Nächte bescherte. Vorerst werden seine zupackenden Hände aber ganz woanders benötigt. Die Familie Petkovic übernahm das Dorfgasthaus Krone in Sternberg, baute es um zur Bed-and-Breakfast-Pension mit zwölf Zimmern und Räumen für Familienfeiern sowie Veranstaltungen. „Da hat natürlich meine Frau Valeska die Hosen an“, gibt „Petko“ liebevoll zu. „Ich helfe jedoch wo ich kann. Aber: In der Küche muss ich noch viel lernen.“  Dazu passt sein Hobby gut: „Weinbau interessiert mich sehr und fasziniert mich.“ Zugegeben, da ist er im Süden deutlich näher dran.

Späte Karrieren ist Marjan durchaus gewohnt – denn auch mit seiner Torwart-Karriere startete der ausgebildete Konstruktionsmechaniker und IT-Administrator erst als 20-Jähriger, bei kleinen Vereinen rund um Heilbronn. Zunächst nebenbei beim Oberligisten FC Union Heilbronn. Seine ausgezeichneten Reflexe blieben nicht lange unbemerkt. „Petko“ wechselte vom VfR Heilbronn zum damaligen Regionalligisten TSG Hoffenheim. Weitere Stationen waren der SV Sandhausen und der FSV Frankfurt, bevor es 2009 nach Braunschweig ging. Der konsequente Zweikampfeinsatz forderte auch seinen Preis. Immer wieder zog sich Marjan Petkovic schlimme Verletzungen zu, kämpfte sich aber auch immer wieder zurück. „Besonders die Aufstiege mit Eintracht haben mich geprägt“, freut sich „Petko“, der bis heute engste Verbindungen in die Löwenstadt hat: „Wir haben viele Freunde gefunden – nicht nur über den Fußball. Und mit denen stehen wir im engen Kontakt.“ Mancher hat inzwischen sogar schon die Gastlichkeit in der „Krone Sternberg“ genießen können – den Keeper als kundigen Wein-Gastronom erleben dürfen. „Sicher kommen auch bald Eintracht-Fans – wenn es gegen Sandhausen geht zum Beispiel. Da wird es ein großes Hallo geben.“

Klar, dass der Keeper alle Spiele der Eintracht gebannt verfolgt. Und in Händen und Füßen kribbelt es dann ganz besonders. In jüngster Zeit hat der „alte Hase“ darum schon verschiedene Trainingseinheiten mit Nachwuchs-Keepern von Vereinen aus der Region gegeben. Der Beginn einer Torwarttrainerkarriere? „Die Trainingseinheiten mit den Torhütern aus der Region haben mir sehr viel Spaß gemacht. Ich befasse mich schon lange mit dem modernen Torwart-Spiel und kann mir sehr gut vorstellen, als Torwart-Trainer zu arbeiten.“

Und einen Schritt dahin hat er schon gemacht: „In Stuttgart, Darmstadt und in Hoffenheim habe ich in den letzten Wochen einige Einblicke bekommen, um welche Philosophie es bei den Bundesligisten in der Kategorie ‚Torwartspiel‘ geht!“ Die Türen stehen für den sympathischen Keeper offen. Wann immer Zeit ist, schaut er sich Spiele in Karlsruhe, Stuttgart und Hoffenheim im Stadion an, „aber besonders freue ich mich auf meinen nächsten Besuch im Eintracht-Stadion!“.

Bis dahin heißt es, weiter in der Pension zuzupacken. Und für die Kinder dazusein. Ist denn da vielleicht ein Nachwuchs-Keeper dabei? „Meine Kids tanzen gerne oder gehen auch zum Turnen. Fußball ist aktuell kein Thema für die beiden …“ Vielleicht noch nicht.

Text Frank Kornath
Foto Jörg Peters

Kategorie:Historie

Facebook