Wissenssprünge

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Die 10. Movimentos Festwochen der  Autostadt


Auf Plakaten, in Zeitungen wie dieser – überall umgibt uns Information. Und ab und zu verwandelt sich dieses Wissen in kleine Weisheiten – von Alltagsweisheiten bis zu tiefen Welt-Einsichten. Die Vermittlung von Weisheit kommt dabei oft der Kunst zu, die in ihren Ausdrucksmitteln von Literatur über Malerei bis hin zu Musik, Film und Theater tiefgreifendes Wissen zu vermitteln sucht. Aber auch der Tanz kann solche Ideen vermitteln, wobei er es ungleich schwerer hat als andere Formen der Kunst: Ohne Worte wird allein der Körper zur Information, die das Wissen vermitteln soll. Im 20. Jahrhundert wurde nicht nur die Kunst abstrakter, auch der zeitgenössische Tanz möchte zunehmend tiefgreifende und abstrakte Ideen vermitteln. Nicht nur am Erfolg des oscar-nominierten Dokumentarfilms „Pina“ von Wim Wenders über das legendäre Tanztheater von Pina Bausch ist erkennbar, dass der zeitgenössische Tanz immer mehr Zuspruch findet. So wird  verständlich, weshalb die Autostadt in Wolfsburg die 10. Movimentos Festwochen unter das Oberthema „Weisheit, Wissen, Information“ gestellt hat. Movimentos begann vor zehn Jahren als Festival des zeitgenössischen Tanzes, hat sich inzwischen aber auf viele andere Bereiche wie Lesungen, Matineen und Jazz ausgedehnt. Doch auch 2012 steht der Tanz deutlich im Vordergrund. Über 40 Veranstaltungen finden vom 10. April bis zum 20. Mai statt.
Den Auftakt macht die Movimentos Akademie. Mit Daniel Martins aus Wolfsburg und Florian Bilbao aus Berlin haben zwei bekannte Choreographen mit den Acht- bis 19-Jährigen ein bühnen-
reifes Tanzstück zu dem Märchen „Der Trommler“ erarbeitet. Die Uraufführung findet am 10. April im Theater Wolfsburg statt, am 17. Mai ist es auch im Staatstheater Braunschweig zu sehen.
Das Béjart Ballet Lausanne zeigt darauf drei der wichtigsten Stücke des 2007 verstorbenen Choreographen Maurcie Béjart – in „Le Sacre du Printemps“ explodieren die Tänzer wie eine plötzlich ausbrechende Revolution, ein aktuelles Thema in der Körper-Sprache des Tanzes. Sidi Larbi Cherkaoui zeigt als Deutschlandpremiere sein Stück „Tezuki“, das multimedial tänzelnd vom Leben des Osamu Tezuki erzählt, dem Erfinder des Manga – jener japanischen Zeichenform, die die modernen Bildwelten prägt wie kaum ein anderes Medium. Die Danza Contemporánea de Cuba dagegen setzt die feurige Leidenschaft der Heimat in zeitgenössischen Tanz um; nur selten sind sie außerhalb Kubas zu sehen. Martin Zimmermann und Dimitri de Perrot setzen gleich die Grundlagen der Wahrnehmung kurzzeitig außer Gefecht, indem sie clownesk und surreal den ganzen Raum rotieren lassen. Weitere Veranstaltungen, Termine und Tickets gibt es auf www.movimentos.de.

 

Sebastian Heise
Fotos Thomas Ammerphol, Liu Chen-Hsiang

Kategorie:Tanzen

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