Was machen eigentlich Uwe und Matthias Hain?

So sehen die Brüder heute aus.  © Bastian Lüpke

So sehen die Brüder heute aus. © Bastian Lüpke

Dass das beschauliche Schladen gleich zwei erfolgreiche Bundesliga-Torhüter hervorgebracht hat, ist schon außergewöhnlich. Ihrem Heimatort halten Uwe und Mathias Hain zudem noch heute die Stange. Und auch Fußball bestimmt bei beiden immer noch das Leben. Zusammen bringen es die Brüder auf gut vier Jahrzehnte aktiven Profi-Sport – darunter rund 340 Einsätze für Eintracht Braunschweig.

Wenn Uwe Hain an seine Zeit bei der Eintracht zurückdenkt, dann insbesondere an die Ära unter Branko Zebec in den 70er Jahren. „Das war eine sehr harte aber auch lehrreiche Zeit. Davon habe ich später enorm profitiert“, sagt der 60-Jährige heute über seinen damaligen Trainer. Hinzu kommt: „Wir waren sehr erfolgreich.“

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Hier trainiert Uwe Hain (rechts) mit dem damaligen Eintracht-Keeper Thorsten Stuckmann. Links im Bild Alexander Kunze, der heute Eintrachts Torhüter trainiert. © Jörg Peters

Der Schladener Torwart zog weiter zum Hamburger SV, wo er seine größten Erfolge feierte mit dem Gewinn der Meisterschaft, des Pokals und des Europapokals der Landesmeister. „Taktisch waren wir der Konkurrenz viele Jahre voraus – auch auf der Torhüter-Position. Wenn es  heute heißt, ein moderner Torwart muss mitspielen, dann denke ich an Ernst Happel, der das damals schon von Uli Stein und mir verlangt hat“, sagt Uwe Hain.

Auch sein zweites Engagement bei der Eintracht hat Uwe Hain als vier gute Jahre in Erinnerung. Für ihn folgte noch ein halbes Jahr beim FC St. Pauli und anschließend ein Intermezzo beim VfL Wolfsburg. „Rückblickend war das wohl mein größter Fehler“, sagt der ehrgeizige Sportler heute. Als Einträchtler hatte er in Wolfsburg einen schweren Stand und kam auf wenig Einsätze.

Für ihn begann danach eine neue Epoche: Beim Wolfenbütteler SV hat er die Freude am Trainerposten für sich entdeckt. Zunächst hatte er dort den Spielertrainer gegeben. „Aber das war mir zu viel Stress – erst recht als Torwart“, sagt er. Logische Konsequenz: Er tauschte die Handschuhe vollständig gegen das Traineramt. Über die Sportfreunde Salzgitter wechselte er dann wieder zur Eintracht. „Dort habe ich meine aktive Karriere quasi nochmal durchlebt“, sagt Hain. Er begann als Trainer der A-Jugend, ging dann zur Amateurmannschaft und war später zusätzlich Co-Trainer, Towarttrainer und mehrmals Interimstrainer der Ersten.

Insbesondere die Arbeit bei der Zweiten mit den jungen Spielern war für ihn eine Herzensangelegenheit. „Unser Etat wurde zwar jedes Jahr gekürzt, aber wir hatten eine funktionierende Mannschaft mit gutem Zusammenhalt. Es hat viel Spaß gemacht“, sagt Hain. Lars Fuchs, Samir Naja, Sascha Kirschstein, Justin Eilers, Tobias Rau, Serge Branco und Karim
Bellarabi gehörten beispielsweise zu den Spielern, die aus dieser Mannschaft hervorgegangen sind. Und dann war doch Marc Pfitzner. „Er war erst in Timmerlah, dann in Broitzem, dann bei den Turnern – immer habe ich ihn gefragt, ob er nicht zu uns kommen will“, erinnert sich Hain. Er musste ihn regelrecht überreden. Es hat geklappt: Aus „Pfitze“ ist ein gestandener Bundesliga-Profi geworden.

Alexander Kunze, Uwe Hain (rechts) und der damalige Eintracht-Keeper Thorsten Stuckmann. © Jörg Peters

Auch Mathias Hain, Uwes jüngerer Bruder, ist von Pfitzners Talent beeindruckt. „Wir haben ihn auch beim FC St. Pauli immer wieder im Blick. Wenn wir dort einen Sechser suchen, sage ich immer, es sollte so einer wie Pfitzner sein. Der bringt alles mit für diese Position, spielt immer mannschaftsdienlich“, sagt der Torwarttrainer des Kiezclubs.

Die Karriere von „Matze“ Hain hat einige Parallelen zu der seines Bruders. In der A-Jugend von Eintracht ging es 1988 richtig los. „Dort haben wir den Pokal gewonnen und standen im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Es war eine schöne und erfolgreiche Zeit“, erzählt Mathias Hain. Dass er es in den Kader geschafft hat, empfindet er als großes Glück. „Heute wird dank der enormen Scouting-Arbeit kaum noch ein Talent übersehen. Damals spielten viele Zufälle eine Rolle. Insofern war es pures Glück, dass ich die Chance bekam, Fußball-Profi zu werden.“ Das wurde er dann bei der Eintracht, der er zehn Jahre die Treue hielt.

„1999 stand ich vor der Entscheidung, wie ich weiter zweitklassig mit Aussicht auf die Bundesliga spielen konnte“, sagt Hain, der damals mit 27 Jahren am Scheideweg seiner Karriere stand. „Es war für mich eine der schwersten Entscheidungen überhaupt, weil ich die Eintracht nicht verlassen wollte. Doch im Nachhinein betrachtet, habe ich die richtige Entscheidung getroffen.“ Er ging zur SpVgg Greuther Fürth und von dort weiter zu Arminia Bielefeld, wo er Stammtorhüter wurde und in die Bundesliga aufstieg. Zum Ende seiner Zeit bei der Arminia, für die er 243 Pflichtspiele bestritt, kam Mathias Hain 2007 noch mit Benno Möhlmann ins Gespräch, der ihn zurück zur Eintracht holen wollte. Doch Möhlmann trat zurück, Torsten Lieberknecht übernahm. „Ich hatte daraufhin entschieden, meinen Vertrag in Bielefeld zu erfüllen und wollte eigentlich danach mit dem Fußball aufhören“, erzählt der heute 43-Jährige.

Es kam anders: St. Pauli fragte bei ihm an. „Das waren nochmal drei richtig tolle Jahre“, sagt der gebürtige Goslarer. Gekrönt wurde die Zeit durch den Aufstieg in die Bundesliga. Für Hain war es auch eine neue Erfahrung im Profi-Fußball. „Bei Pauli gibt es einfach nicht diese Verbissenheit, die sonst bei fast jedem Klub ausgeprägt ist“, sagt er. Bei anderen Vereinen sei jedes Training ein Überlebenskampf gewesen. Bei Pauli sei man auch schonmal als Mannschaft gemeinsam um die Häuser gezogen. „Dort habe ich gemerkt, Profi-Fußball geht auch mit einer gewissen Gelassenheit.“

„Dann wollte ich eigentlich mal ein Jahr Urlaub machen und mir keine Gedanken über Fußball machen“, erzählt Hain über sein Ende der aktiven Karriere. Der FC St. Pauli aber brauchte einen neuen Torwarttrainer. „Diese Chance war einmalig. Hauptberuflicher Torwarttrainer – für diesen Job gibt es bundesweit nicht allzu oft offene Stellen. Dann noch dazu bei einem solchen Klub“, sagt Hain.

Das Torwartspiel habe sich in den Jahren gar nicht so stark verändert, findet er. „Die Grundlagen sind immer noch die selben. Es ist nur etwas umfangreicher geworden“, sagt Hain, der bis zur B-Jugend Feldspieler war und daher – ähnlich wie sein Bruder – schon früh zu den mitspielenden Torhütern gehörte. Er moniert: „Früher war es selbstverständlich, den Ball zu fangen, wenn man mit beiden Händen dran kommt. Ein gefangener Ball bietet dem Stürmer keine zweite Chance. Heute trauen sich Torhüter das oft nicht zu. Stattdessen wird heute bei selbstverständlichen Paraden ein Riesen-Bohei gemacht.“

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Mathias Hain im Torwarttrikot von Eintracht Braunschweig Ende der 90er Jahre. © Jörg Peters

Auch Uwe Hain kann die Finger nicht vom Fußball lassen. Rund zwölfmal pro Jahr fährt er zu den Spielen der HSV-Altliga-Mannschaft, eine Truppe aus ehemaligen Hamburger Profis- Für das Team hält Hain den Kasten sauber. Außerdem ist er Trainer des Blankenburger FV – rund 20 Autominuten von Schladen entfernt. „Das macht mir Spaß. Die Truppe hat eine ordentliche Trainingsmoral. Im Vereinsumfeld herrscht eine Freundlichkeit, die ich so von vorherigen Vereinen nicht kannte “, sagt Hain. Er will künftig den Jugendbereich mit der Herrenmannschaft besser verzahnen und die Mannschaft stabilisieren.

Außerdem habe er gut zu tun, sein Haus in Schladen, in dem er seit gut 30 Jahren mit seiner Frau wohnt, in Schuss zu halten. Auch sein Bruder Matthias ist trotz Stationen in Fürth, Bielefeld und Hamburg dem Nordharz treu geblieben. „Ich hatte beim Wechsel nach Fürth mit meiner Frau entschieden, dass Schladen unser Lebensmittelpunkt bleiben soll. Das ist noch heute so, auch wenn es manchmal ganz schön stressig ist.“ Schladen sei ein Rückzugsort, wo ihn keiner auf das Thema Fußball anspricht.

Zur Eintracht gehen beide übrigens nur selten. Matthias natürlich zu den Auswärtsspielen seines jetzigen Klubs, auch Uwe nur unregelmäßig, etwa wenn ihn ein ehemaliger Mitspieler fragt. Aber beide betonen: „Es ist schön, alte Bekannte im Eintracht-Stadion zu treffen.“

Text: Bastian Lüpke
Fotos: Jörg Peters & Bastian Lüpke

Kategorie:Allgemein, Fußball

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