Vermisst: Typen und Idole

Steebvortrag (c) Frank Kornath

Steebvortrag (c) Frank Kornath

… Carl Uwe »Charly« Steeb?

Er gehört zu den erfolgreichsten und bekanntesten Tennisspielern der Welt, war Kapitän des Davis-Cup-Teams, gewann den World Team Cup, kämpfte für Deutschland um Medaillen bei Olympia. Sein Sieg gegen den Weltranglisten-Ersten 1988, Mats Wilander, in Göteborg ist Tennisgeschichte. Nach einem 0:2 Satzrückstand gewann Steeb mit 8:10, 1:6, 6:2, 6:4 und 8:6 …

Nach zehn Jahren Profi-Geschäft beendete Carl Uwe Steeb seine Spielerkarriere, war Verbands-Vize-Präsident und Direktor zahlreicher großer Tennis-Turniere. In Braunschweig trat der dreifache Grand-Prix-Sieger und zweifache Davis-Cup-Gewinner als Spieler zwischen 1994 und 1996 an und übernahm 2006 auch das Amt des Turnierdirektors des ATP-Turniers im Bürgerpark. Unter seiner Leitung wurde das Turnier erstmals als bestes Challenger-Turnier ausgezeichnet. „Ein einzigartiges Challenger-Turnier, das zu den Besten der Welt gehört – wenn nicht sogar das Beste der Welt ist“, begründete ATP-Supervisor Roland Herfel.

Daran erinnert sich „Charly“ Steeb natürlich gerne: „Ich habe sehr gute Erinnerungen an meine Braunschweiger Zeit. Das Turnier ist durch die Kombination aus Sport und Entertainment sehr besonders. Es gibt eine professionelle Organisation, und für die Zuschauer ist das Turnier auch immer ein gesellschaftlicher Treffpunkt im Jahr – einer, der gesetzt ist.“ Die Stadt hat er gut kennengelernt. Hier hat er sich rundum wohl gefühlt. „Die Menschen sind sehr offen und gleichzeitig zuverlässig. Ebenso ist die Wirtschaftskraft in Braunschweig enorm und die Unterstützung der ansässigen Unternehmen für eine Veranstaltung in der eigenen Stadt sehr hoch.“

Den Tennishelden von einst verbindet aber noch so viel mehr mit der Löwenstadt. Geboren ist Carl-Uwe Steeb in Aalen, einer Stadt, die mit Eintracht Braunschweig verbunden zu sein scheint, wie aktuell die Ausleihe von Orhan Ademi und Gianluca Korte an den VfR belegen. Und dazu noch der Geburtstag im Meisterjahr der Eintracht, 1967! Aber interessiert das den Tennisspieler eigentlich? „Klar! Die Saison in der 1. Bundesliga war trotz des Abstiegs erfolgreich. Braunschweig hat sich als wirkliche Eintracht präsentiert.“

Dem gelben Filzball jagt Steeb selbst aber nur noch selten hinterher – er hält sich eher mit Radfahren und Yoga fit. Und mit Golf. Wie viele seiner Kollegen. Fitness braucht Steeb auch für seinen aufreibenden Job. Er gehört zum Orga-Team eines der größten geplanten Golf-Events in Deutschland. „Bei den European Open (www.europeanopen.com) bin ich für das Marketing und die Vermarktung mit der 4Sports Germany zuständig.“ Das Turnier findet dann vom 24. bis 27. September in Bad Griesbach statt.

Auch kommen ihm in seinem heutigen Managerjob die einstigen Erfahrungen aus der Spielerkarriere zu Gute: „Ja, wenn man beide Seiten des Geschäfts kennt, dann hilft das. Wir sind mit unserer Agentur, der 4Sports & Entertainment AG, im Spieler- und Veranstaltungsmanagement tätig. Insofern hilft es auch, die Bedürfnisse der Athleten zu kennen.“ Die waren zu seiner erfolgreichsten Zeit meist kantig und eckig, richtige Persönlichkeiten. Fehlen daher heute Namen wie „Becker“, „Connors“, „Lendl“, „Wilander“? „Eine Sportart benötigt immer Typen und Idole, um erfolgreich zu sein. Mit Sicherheit sind Nadal, Federer und Dokovic echte Typen. Allerdings hat sich die Zeit verändert, Tennis konkurriert heute mit vielen anderen Sportarten. Für Deutschland wäre es wichtig, wieder einen Top-Fünf-Spieler zu haben, um Tennis wieder mehr in den Fokus der Medien zu rücken.“ Vielleicht wird das ja Daniel Altmaier, der von Steeb und Co. gemanagt wird. „Er ist eines der größten Talente und ich hoffe, dass er bald hier spielen kann – das wäre ein guter Grund, wieder nach Braunschweig zu kommen.“

Text und Bild Frank Kornath

Kategorie:Historie

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