Radrennen verlässt Braunschweig

Bereits zum zweiten Mal fand das Radrennen „Rund um den Elm“ vom Radsportverein Braunschweig nicht in der Löwenstadt statt. Start und Ziel lagen im 900-Seelen-Dorf Hötzum im Landkreis Wolfenbüttel. Vor allem der finanzielle Aspekt zwang die Organisatoren, den mehr als 100 Jahre alten Wettbewerb zu verlegen.

Auch wenn der Höhenzug Elm geografisch in den Landkreisen Wolfenbüttel und Helmstedt liegt, war Start und Ziel von „Rund um den Elm“ immer in Braunschweig, seit 1938 traditionell am Prinzenpark, wie es auf der Internetseite des Radsportvereins Braunschweig (RSV) heißt. Doch damit ist seit 2015 Schluss, „zuletzt aus Kostengründen“, sagt Rennleiter David Nacke. Es sei finanziell nicht tragbar. So gibt es zum Beispiel keine Zuschüsse mehr vom Stadtsportbund. Und er nennt ein weiteres Beispiel: „Früher bekam man die Barken zum Absperren beim Bauhof, heute muss man private Firmen beauftragen. Das kostet schnell mal 1000 Euro.“

Ein weiterer wichtiger Punkt, warum der Rennklassiker verlegt wurde, ist die Strecke. Diese kreuzt nun keine Autobahn – die Sportler fuhren bislang durch eine Unterführung – und keine Bahntrasse mehr. An dem beschrankten Bahnübergang habe ein Radfahrer womöglich bis zu fünf Minuten warten müssen, wenn ein Zug kam, schätzt Nacke. Außerdem sei es einfacher, entsprechende Genehmigung bei Behörden einzuholen.

Die Teilnehmer des Jedermannrennens warten auf den Startschuss. © Radsportverein Braunschweig

Die Teilnehmer des Jedermannrennens warten auf den Startschuss. © Radsportverein Braunschweig

Das Radrennen wird auch weiterhin gut angenommen: Rund 180 Sportler versuchten sich Mitte Juli an der etwa 70 Kilometer langen Strecke. Schnellster mit 1:43:47 Stunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 40,5 Stundenkilometern war Wolfgang Witte aus Magdeburg. Dabei musste er den Elm bei gleichbleibender Steigung (leicht bis mittelschwer) erklimmen. Nach einer größeren Runde und einer schnellen Abfahrt ging es noch einmal hinauf in den Elm. Die dortige Steigung liegt teilweise bei acht Prozent (schwer). Durch die Kürze der Steigung ist sie allerdings auch für Jedermann geeignet.

Und genau dieses ist immens wichtig. Denn in diesem Jahr bot der RSV kein Lizenzrennen, sondern lediglich die Tour für Jedermann an. „Rund um den Elm“ war ursprünglich ein Lizenzrennen, 2005 kam das Jedermannrennen hinzu. Dabei sollen keine Spitzensportler starten. Das ist allerdings ein Grund, warum dieses Mal eher keine Jugendlichen an dem Klassiker teilnahmen. Denn zugelassen sind nur Nachwuchsfahrer ohne Lizenz. „Sie wollen den Sport schon richtig betreiben und fahren darum mit Lizenz im Verein“, erklärt Nacke. Er verrät aber, dass ein Lizenzrennen wieder in Planung ist.

 

Riesige Unterstützung bekam der RSV vom Hötzumer Sportverein, der bereits im vergangenen Jahr kurzfristig ins Boot geholt wurde. Die Hötzumer stellen zum Beispiel die Räumlichkeiten und kümmern sich um die Verpflegung. Aus beiden Vereinen waren mehr als 50 Helfer im Einsatz.

Die Historie von „Rund um den Elm“

Der in der Nähe von Braunschweig gelegene Elm, mit seinem herrlichen Buchenwald
und hügeligen Gelände zog schon zum Ende des 19. Jahrhunderts die Radsportler der
hiesigen Region zu Trainings- und Wettkampffahrten an. Erstmalig im Jahre 1907 wurde
das Radrennen „Rund um den Elm“ ausgetragen, das dann auch fast in jedem
Jahr wiederholt wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg waren Rennfahrer aus ganz Deutschland bei „Rund um den Elm“
am Start. Später erfolgreiche Radprofis und Starter bei der „Tour de France“ gewannen vorher
als Amateure „Rund um den Elm“: Hans-Junkermann (1953), Emil Reinecke (1954), Ludwig
Troche (1960), Hans-Peter Jakst (1974). Mit Rainer Podlesch gewann 1972 sogar ein Weltmeister
der Amateur-Steher. Im Jahr 1976 wurde „Rund um den Elm“ erstmalig mit internationaler
Beteiligung ausgetragen. Später dominierten wieder deutsche Fahrer wie Mike Kluge (1983), Martin Götze (1992) und Ralf Keller (1993).

Mit der 97. Austragung des Radklassikers im Jahre 2010 wurde die Strecke verändert und führte durch das Harzvorland bis nach Goslar. Der deutsche Meister in der Einer-Verfolgung, Stefan Schäfer aus Brandenburg, entschied das 145 km lange Rennen für sich.

Mit wachsendem Erfolg findet seit 2005 alljährlich auch ein Jedermannrennen statt. 2010 starteten über 300 Rennfahrer bei diesem Rennen. Leider lehnte die zuständige Genehmigungsbehörde
2011 den Antrag für die Elmrunde ab. Das Jedermann-Rennen wurde abgesagt und das Rennen der Elite wurde auf dem Kurs im Prinzenpark ausgetragen. Quelle: www.rsv-23.de

Text: Kjell Sonnemann
Fotos: Radsportverein Braunschweig

Kategorie:Kurznews

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