»Offensiv hapert es«

Anna Krause©Anja Albrecht

Anna Krause©Anja Albrecht

Anna Krause, Mannschaftsführerin von Eintrachts Hockey-Damen, im Interview

Als einzige Mannschaft aus Niedersachsen spielen die Hockey-Damen der Eintracht Braunschweig sowohl auf dem Feld als auch in der Halle in der
1. Bundesliga. Das Ziel für die Hinrunde, auf einem „Nichtabstiegsplatz“ zu überwintern, ist geschafft – wenn auch sehr knapp. InSport sprach mit Kapitänin Anna Krause über die Mannschaft, das Training und Intentionen.

inSport Anna, wie wird man eigentlich Hockeyspielerin?
Anna Wenn die große Schwester Hockey spielt, bleibt einem als Jüngere außer Nacheifern nicht wirklich etwas anderes übrig. Bei uns ist die Rollenverteilung noch ganz klar festgelegt: Meine beiden Brüder spielen Handball, meine Schwester und ich Hockey.

inSport Wie lange betreibst du deinen Sport schon?
Anna Seitdem ich sechs bin, also jetzt seit 14 Jahren.

inSport Was spielt das Hockey-Team Braunschweig in deinem täglichen Leben für eine Rolle?
Anna Eine sehr große. Da ich nun im dritten Semester in Hannover studiere, pendele ich seit knapp einem Jahr von dort zum Training, was natürlich eine gewisse Planung und ein gutes Zeitmanagement erfordert. Auch die Wochenenden verbringen wir meist gemeinsam irgendwo in Deutschland, um Punktspiele zu absolvieren.

inSport Hast du ein sportliches Vorbild?
Anna Ich versuche immer, mir von mehreren Sportlern Dinge abzuschauen, um für mich eine optimale Mischung zu finden. Das können natürlich ganz bekannte Persönlichkeiten sein, aber auch bei meinen drei Geschwistern gucke ich mir des Öfteren Dinge ab. Die sind natürlich näher an mir dran und prägen mich – ob ich das nun will oder nicht. (lacht)

inSport Wie verläuft eine übliche Trainingseinheit bei euch?
Anna Zuerst laufen wir uns natürlich warm und lassen uns dann eine dreiviertel Stunde von unserem Athletiktrainer quälen. (lacht) Danach geht es auf den Hockeyplatz. Dort können die verschiedensten Dinge, seien es individuelle Techniken, Mannschaftstaktiken oder Spielformen, trainiert werden.

inSport Worauf kommt es beim Hockey an? Athletik? Schnelligkeit?
Anna Hockey ist zum Glück eine sehr vielfältige Sportart, was auch genau ihren Reiz ausmacht. Erst einmal ist Hockey natürlich ein Mannschaftssport, was bedeutet, dass das gemeinsame Funktionieren eindeutig im Vordergrund steht. Individuell gesehen sind Technik, Spielverständnis, Athletik und Übersicht sicherlich ganz ungemein wichtige Punkte.

inSport Was sind eure Stärken? Was sind eure Schwächen?
Anna Unsere größte Stärke ist unser Kampfgeist als Mannschaft. Auch während der nun relativ schlechten personellen Lage verlieren wir nie den Glauben daran, den Abstieg verhindern zu können. Auch unsere Defensive schätze ich als eine unserer Stärken ein. Wir verteidigen immer gemeinsam mit Leidenschaft und machen es wirklich jedem Gegner sehr schwer, Tore zu schießen. Da wir momentan eine sehr junge Mannschaft haben und dazu noch sehr wenige Spielerinnen sind, gehören die fehlende Breite im Kader und Unerfahrenheit zu unsere Schwächen. Auch offensiv hapert es momentan.

inSport Welches war deine größte Niederlage im Hockey? Dein größter Sieg?
Anna Meine größte Niederlage war der Nicht-Aufstieg in die 1. Bundesliga 2012. Da verloren wir nach acht gewonnen Spielen in Folge erst das letzte und endscheidende Saisonspiel auf eigener Anlage. Alles war bereits für die Aufstiegsfeier vorbereitet. Zum Glück konnten wir diese dann 2013 nachholen. Der Aufstieg, den wir dort wieder im letzten Saisonspiel sicherten, war somit auch mein größter Sieg.

Hockey Damen Eintracht©Anja Albrecht

Hockey Damen Eintracht©Anja Albrecht

inSport Wie bereitet ihr euch auf Wettkämpfe vor?
Anna Wir bereiten uns auf jeden Gegner individuell vor und schauen vorher Videoaufzeichnungen. Vor dem Spiel machen wir uns immer auf die gleiche Art und Weise warm und schwören uns noch einmal ein.

inSport Ihr steht derzeitig in der unteren Tabellen-Hälfte. Was glaubst du, müsst ihr ändern, um weiter nach oben zu kommen?
Anna Wir müssen gerade in den Spielen gegen Gegner auf Augenhöhe etwas cooler bleiben. Vorn müssen wir an der Chancenverwertung arbeiten und hinten deutlich stärker in der Kontersicherung werden. Insgesamt kommt aber vieles auch mit der Zeit – wir sind eben noch sehr unerfahren und jung.

inSport Warum ist der Hockeysport bei Zuschauern weniger populär als zum Beispiel Fußball? Was muss passieren, damit der Sport Zugang zu einer breiteren Masse findet?
Anna Der Hockeysport muss sich mehr öffnen, das Regelwerk ist sehr kompliziert und wird häufig verändert. Eine Vereinfachung und mehr Kontinuität wären sicherlich publikumswirksamer. Unsere Sportart ist sehr athletisch und auch technisch besonders anspruchsvoll. Eigentlich also sehr reizvoll für viele Zuschauer.

inSport Wie steht es um die Entwicklung des Hockeys in Deutschland?
Anna Es geht voran. Mannschaften werden zum Beispiel in Leistungszentren konzentriert, Jugendliche schon früh an höhere Athletik gewöhnt.
inSport Was sind eure Ziele für die Feldsaison 2015/2016?
Anna Ganz klar: Der Verbleib in der 1. Bundesliga.

Text Maria Lüer
Fotos Anja Albrecht

Kategorie:Hockey

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