Niedersachsens bester Torjäger kickt in der Löwenstadt

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59 Tore in 26 Spielen – das ist die beachtliche Bilanz von Patrick Meurer. Der Stürmer spielt bei der 3. Mannschaft der Freien Turner Braunschweig und ist mit seiner Ausbeute im Herrenbereich der treffsicherste Fußballer im ganzen Bundesland.
Die Geschichte von Patrick Meurer beginnt auf Hamburger Bolzplätzen. Er wächst in der Hansestadt auf, kickt in der Jugend überwiegend in unteren Klassen. Bereits in jungen Jahren legt der Angreifer, damals häufig noch im Mittelfeld aufgestellt, ähnliche Torquoten hin wie heute. „Das Toreschießen hat bei mir schon immer ganz gut geklappt“, kommentiert Meurer lächelnd.
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Patrick Meurer erzielte 59 Tore in 26 Spielen. © Niko Gülle

„Ganz gut geklappt“ mit den Toren ist für die gerade beendete Saison wohl etwas untertrieben. Für die 3. Mannschaft der Freien Turner Braunschweig netzte der Stürmer 59-mal in 26 Spielen ein, erzielte also durchschnittlich mehr als 2 Tore pro Spiel. Meurer gelangen 6 Doppelpacks, 3 Dreierpacks, 4 Viererpacks sowie je einmal ein Fünfer- bzw. Zwölferpack. Insgesamt war der 28-jährige, der 2008 für ein Wirtschaftsinformatik-Studium an der Technischen Universität nach Braunschweig zog, .an rund 43 Prozent der 138 Turner-Tore beteiligt. Mit solchen Zahlen ist der gebürtige Hamburger selbstverständlich Torschützenkönig der 1. Kreisklasse Braunschweig geworden. Das ist aber noch nicht alles: Laut Fussball.de darf sich Meurer ganz offiziell „Niedersachsens bester Torjäger“ im Herrenbereich nennen.
„Das macht mich natürlich stolz, unter sovielen Fußballern ganz oben zu stehen“, freut sich der studierte Wirtschaftsinformatiker. Trotzdem bilde er sich nichts darauf ein, schließlich sei das Niveau der 1. Kreisklasse auch nicht ganz so hoch anzusiedeln. Und Patrick Meurer weiß, wovon er spricht: Bei den Freien Turnern durchlief er alle Teams von der Ersten bis zur Dritten, traf in seiner Zeit bei der Zweiten in der Bezirksliga 22-mal – und das nur (!) in der Hinrunde. Sein aktueller Trainer Fabian Döhrmann betont: „Patrick könnte mit mehr Trainingseinheiten und Biss viele Klassen höher spielen, wenn Einsatzbereitschaft und Disziplin im sportlichen Bereich mehr Fokus in seinem Leben hätten.“
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Wohin soll er? Scharfschütze Meurer erfüllt jeden Wunsch. © Niko Gülle

Genau das ist aber der Knackpunkt. Meurer, der bei VW Financial Services arbeitet, hatte irgendwann keine Lust mehr auf den enormen Zeitaufwand. „In der ersten Mannschaft stehst du bis zu sechsmal die Woche auf dem Feld, das wurde mir alles zuviel“, erklärt er. Deshalb legte der hochveranlagte Stürmer von 2012-2015 sogar eine Fußballpause ein und stieg erst im vergangenen Sommer wieder regelmäßig in den Trainings- und Spielbetrieb der Turner 3 ein. Für beide Seiten hat sich das jedenfalls voll gelohnt, neben Meurers persönlichem Erfolg machten er und sein Team im Relegationsspiel gegen SV Ege (2:1) auch noch den Aufstieg in die Kreisliga perfekt – ausnahmsweise ohne ein Tor ihres Topstürmers. „Das war die Krönung einer klasse Saison, in der wir eine Menge Spaß hatten. Das ist am Ende immer noch das Wichtigste“, unterstreicht Meurer.
Nicht nur auf dem Fußballfeld, auch im echten Leben ist der Turner-Goalgetter viel unterwegs und rumgekommen. Mit 14 Jahren zog die Familie berufsbedingt von Hamburg nach Thailand. Auch in Übersee drehte sich bei Meurer natürlich viel um das runde Leder. „Ich habe dort in der Schulmannschaft gespielt und im Finale der Meisterschaften einen direkten Freistoß verwandelt. Das war eines meiner schönsten Tore.“ Und davon gab es ja einige. Durch die Zeit in Asien entdeckte der 59-Tore-Mann viele Länder wie Japan, Korea oder Singapur. Meurer ist außerdem Halb-Inder und hat Verwandte in New York und Los Angeles, die er des Öfteren besucht – ein echter Globetrotter also. „Neben dem Reisen gehört das Fliegen zu meinen großen Hobbies. Derzeit mache ich eine Privatlizenz für motorisierte Flugzeuge“, erzählt der 28-jährige.
Als Hamburger Jung hat Meurer einen durchaus umstrittenen Lieblingsverein: den SV Werder Bremen. „Mein Vater kommt aus Bremen. Dadurch hatte ich aber natürlich nicht die einfachste Kindheit und wurde öfter mal aufgezogen“, sagt der symphatische Stürmer schmunzelnd. Gerne schaut er auch Spiele des FC Barcelona mit dem „unnachahmlichen“ Lionel Messi. „Mein Vorbild ist aber der ehemalige brasilianische Topstürmer Ronaldo, da wir eine ähnliche Spielweise – wenn auch auf völlig unterschiedlichem Niveau – haben“, verrät Niedersachsens bester Torjäger.
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Zu schnell für ein scharfes Bild: Patrick Meurer gibt dem Ball richtig Speed mit auf den Weg. © Niko Gülle

Apropos Spielweise: Wo sieht Meurer seine Stärken? „In der Ballkontrolle, im Dribbling und im Abschluss. Auch mit meiner Technik bin ich zufrieden.“ Nicht umsonst erzielte der Goalgetter in dieser Saison einige Tore nach Solis teilweise von der Mittellinie. Coach Döhrmann ergänzt: „Patrick ist ein Stürmer mit herausragendem Torriecher und klasse Antrittsschnelligkeit, der auf dem Platz sehr ehrgeizig ist.“ Wie immer gibt es natürlich aber auch Dinge, die selbst solch ein Knipser noch verbessern kann. „Im Kopfballspiel habe ich schon Defizite“, räumt Meurer selbstkritisch ein.
Wie seine persönliche Zukunft aussieht, vermag der Mann mit der Rückennummer 11 noch nicht vorauszusagen. „Es reizt mich schon, in diesem tollen Team weiterzuspielen. Aber ich könnte mir auch gut vorstellen, wieder höher zu spielen.“ Nach dieser Bombensaison wird der Angreifer sicherlich mehrere Angebote von Braunschweiger Klubs vorliegen haben. Ob er in der kommenden Spielzeit nun Kreisliga mit den Turnern oder höher spielt – Patrick Meurer wird seine Tore schon machen.
Von Niko Gülle
Fotos: Niko Gülle
Kategorie:Allgemein, Fußball

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