Mit Leichtigkeit gewinnen

Andre Breitbarth © Micha Neugebauer

Andre Breitbarth © Micha Neugebauer

Im Gespräch mit Judoka André Breitbarth vom SFV Europa Braunschweig

Wenn im deutschen Judosport spekuliert wird, wer denn den zurückgetretenen früheren Medaillengaranten im Schwergewicht, Andreas Tölzer, ersetzen soll, so fällt nicht selten der Name André Breitbarth vom SFV Europa Braunschweig. Bei seiner ersten EM-Teilnahme 2014 erkämpfte sich der Judoka schon mal die Bronzemedaille. Und das als federleichtes Schwergewicht …

inSport André, wann hast du mit dem Judosport begonnen?
Breitbarth Mit dem Judosport habe ich im Alter von sechs Jahren angefangen. Das war 1996 im Heimatverein bei mir in Leiferde bei Gifhorn.

inSport Hast du auch mal andere Sportarten ausprobiert oder war Judo gleich dein Ding?
Breitbarth Ich habe wie fast jeder kleine Junge vorher Fußball gespielt, habe damit auch knappe zwei Jahre parallel neben dem Judosport weitergemacht. In meiner Freizeit waren nebenbei auch mal ein bisschen Tischtennis und Basketball angesagt – aber Judo war dann doch schnell meine Sportart.

inSport Was macht deinen Kampfsport so einzigartig?
Breitbarth Die Vielfältigkeit. Ich bin überall gefordert: Ausdauer, Kraft, aber auch die mentale Stärke ist wichtig.

inSport Worauf kommt es aus sportlicher Sicht beim Judo an?
Breitbarth Wichtig ist eine gute Balance zwischen der mentalen Stärke und der körperlichen Stärke. Auch hier spielen dann natürlich wieder Aspekte wie Athletik, Kraft und Ausdauer eine Rolle.

inSport Bezogen auf die Judo-Technik: Bevorzugst du eher die Arbeit mit den Beinen als mit den Schultern? Oder etwas ganz anderes?
Breitbarth Ich bin nicht der Krafttyp, der viel mit dem Oberkörper arbeitet. Ich bin eher mit den Füßen, in der Bewegung über die Füße, recht stark. Da kommt es mir zugute, dass ich im Schwergewicht ja doch eher einer von den Leichteren bin. (lacht)

inSport Was sind deine Stärken und deine Schwächen?
Breitbarth Zum einen gehört die Beweglichkeit, die ich schon gleich zu Anfang meiner Judo-Karriere mitbekommen habe, sowie dieses turnerische Element und die Schnelligkeit gegenüber den anderen Gegnern zu meinen Stärken. Zu meinen Schwächen gehört wohl die Kraft, die ja naturgemäß im Gegensatz zu meinen oft 20 Kilo schwereren Kontrahenten schon einfach nicht gegeben ist. Außerdem gibt es zwischendurch auch konditionell manchmal einige Phasen, in denen ich zu kämpfen habe.

inSport Bei deiner ersten EM-Teilnahme im Jahr 2014 hast du gleich die Bronzemedaille gewonnen. Wie hat sich das angefühlt?
Breitbarth Ich war einfach nur glücklich. Im Vorfeld hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet, weil die vorherigen Turniere nicht so gut liefen. Dass es dann am Ende für eine Medaille gereicht hat, das war einfach nur riesige Freude pur, ein ganz überragendes Gefühl.

inSport Was war dein größter Erfolg? Was deine bitterste Niederlage?
Breitbarth Mein größter Erfolg war der fünfte Platz bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr. Davor lief das halbe Jahr aus sportlicher Sicht gar nicht mal so gut für mich. Trotzdem konnte ich dort dann um einen Medaillenplatz kämpfen. Auch wenn es nicht ganz gereicht hat, dieser fünfte WM-Platz war persönlich ein großer Triumph. Sehr weh getan hat mir 2006 bei den Europameisterschaften der Jugend das Finale, das ich verloren habe. Da war ich sehr sauer und traurig, bin von der Matte gegangen und konnte erst einmal mit keinem mehr sprechen. Das war sehr emotional. Aber über Niederlagen ärgert man sich generell irgendwie immer. Das ist immer so. Gerade wenn es darum geht, eine Medaille haben oder eben nicht haben zu können.

inSport Der Judosport hat mit geringen Zuschauerzahlen zu kämpfen, hat einen schweren Stand in der Öffentlichkeit. Was kann man machen?
Breitbarth Das ist schwierig. Über die letzten Jahre ist vom Internationalen Judoverband schon viel versucht worden, den Sport auch für die Zuschauer attraktiver zu machen. Diese Veränderungen haben den Kampf für uns selbst jedoch unattraktiver gemacht, er ist dadurch tatsächlich „langweiliger“ geworden. Judo ist als Sportart sehr komplex, natürlich ist es für einen Außenstehenden erst einmal schwer nachzuvollziehen, warum hier jetzt diese Wertung und da diese Bestrafung kommt. Eigentlich muss Judo nur öfter in den Medien präsentiert werden und in diesem Zusammenhang sollten auch immer wieder die Regeln erklärt werden.

inSport Als Spitzenjudoka betreibt man fast genauso viel Aufwand wie ein Fußballerprofi beim FC Bayern München, nur der Ertrag ist eklatant niedriger. Ist das nicht ärgerlich? Wie geht man damit um?
Breitbarth Früher, im Juniorenbereich, hat mich das tatsächlich ein wenig geärgert. Wenn man dann gehört hat, was die Fußballer so verdienen, dann macht man sich schon seine Gedanken. Aber mittlerweile habe ich da persönlich eine gesunde Akzeptanz aufgebaut. Das ist eben so. Der eine verdient mehr, der andere weniger.

inSport Wie lautet dein sportliches Ziel für die Zukunft?
Breitbarth Das oberste Ziel sind natürlich die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Rio. Darauf richtet sich im Moment alles aus.

Andre Breitbarth-Kampfszene© Micha Neugebauer

Andre Breitbarth-Kampfszene© Micha Neugebauer

André Breitbarth wird seit dem 1. Juli 2015 von der Sportmarketing Agentur TalentEntdecker vermarktet, die bereits Sprinter Sven Knipphals unter Vertrag hat. Breitbarth ist auf
www.andre-breitbarth.de präsent.

Text Maria Lüer
Fotos Micha Neugebauer

Kategorie:Sonstiges

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