Lions-Lotto

New Yorker Lions (c) Karsten Reißner

New Yorker Lions (c) Karsten Reißner

Die Glückszahlen für eine perfekte Saison

Die Saison in der German Football League ist beendet. Viel besser hätte es für die Lions nicht laufen können. Eine ganze Saison lang blieben sie ungeschlagen. Ein Sechser im Football-Lotto. Lediglich die Big6 als Zusatzzahl war noch nicht drin …

35 zu 34
So knapp siegten die Lions schon im Play-off-Finale 2013 gegen die Dresden Monarchs. Die nicht gerade vielversprechende Ausgangslage für den zurückgekehrten Headcoach Troy Tomlin und Defense Coordinator Dave Likins war ein vorletzter Platz in der Tabelle Nord gewesen. Der Aufstieg auf Platz eins und der Gewinn der Meisterschaft innerhalb von nur einer Saison beendete nicht nur eine vierjährige Pechsträhne, er drehte zudem den Spieß für 2014 um und machte aus ehemaligen Jägern nun Gejagte.

12. April 2014
Unbeeindruckt von dieser neuen Art von Druck, ging es mit dem Charity Bowl und der ersten Hälfte der GFL-Saison bereits vielversprechend los. Während des ersten Test-Spiels gegen die Stuttgart Scorpions mussten sich einige Mannschaftsteile zwar noch aufeinander einstellen, jedoch ließen viele Spieler schon ihr Potenzial und ihre wichtige Rolle für die Saison erkennen. Unter ihnen etwa Wiederkehrer und Defense Back Tissi Robinson, der auch als Kick-Returner überzeugte oder Neuzugang Durell Givens, der sich bereits auf die europäischen Voraussetzungen bezüglich Spielsysteme und Tempi einstellte. In der Offense taten sich besonders die Runningbacks David McCants sowie auch der Rückkehrer Michael Andrew positiv hervor.

4 Spiele, 4 Siege
So war die Bilanz nach zwei erfolgreichen Monaten regulärer GFL-Saison. Die Düsseldorf Panther kämpften aufopferungsvoll, am Ende reichte es aber nur für ein 10:28. Ein klares Ergebnis, das aber von den nächsten beiden Spielen gegen die Kiel Baltic Hurricanes noch überboten werden konnte: Das Hinspiel im Eintracht Stadion endete für die Kieler zu Null, mit 37 Punkten für die Braunschweiger, während beim Rückspiel im Kieler Kilia-Stadion noch sechs Ehrenpunkte den 35 Scores der Gäste gegenüberstanden. Gegen den vermeintlich stärksten Konkurrenten, die Dresden Monarchs, gewannen die Lions dann am 28. Juni bereits ihr erstes von zwei Spielen mit 42:30.

1 Sieg
durften die Lions unterdessen im Wettbewerb um Europas Big6 verbuchen – aber auch eine Niederlage. Beim Auswärtsspiel gegen Dresden (17:10) nutzte man am Ende die Chancen besser aus, das Heimspiel gegen die Raiffeisen Vikings Vienna mussten die Braunschweiger aber mit einem 13:14-Endstand auf der Soll-Seite der Saison eintragen. Jetzt lag es nicht mehr in der Macht des Tomlin-Teams, doch glücklicherweise schlugen die Monarchen anschließend die Vikinger in Wien (41:35) und mit dem Punkteverhältnis auf ihrer Seite durften sich die Lions nun auf eine Finalteilnahme gegen die Berlin Adler freuen.

12.500 Zuschauer
Alle kamen sie schließlich zum German-Bowl-Finale in den Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Ungeschlagen war das Braunschweiger Team bis dato in der GFL-Saison. Denn auch nachdem man beim Eurobowl gegen die Berlin Adler letztlich nur als Vize hervorging, konnten die Löwenstädter das gleiche Hauptstadt-Team nur eine Woche später im GFL-Betrieb wieder besiegen – mit einem deklassierenden 56:7. Zudem standen die Berlin Rebels, die Cologne Falcons, sowie die Dresden Monarchs auf dem Speiseplan der hungrigen Löwen. Diese Erfolgssträhne konnten auch die Erstplatzierten der GFL-Süd nicht durchtrennen. Die Schwäbisch Hall Unicorns mussten sich im German Bowl XXXVI mit einem 47:9-Spiel den Lions klar unterwerfen.

47,7 Punkte
So die durchschnittlichen Punkte auf Seiten der Lions-Offense, die nach der abgeschlossenen GFL-Saison dann gerade mal 11,2 zugelassenen Scores der Defense pro Spiel gegenüberstanden. 12 Siege mal 12 GFL-Spiele. Das ergibt dann wohl nur eines: a perfect season.

New Yorker Lions (c) Karsten Reißner

New Yorker Lions (c) Karsten Reißner

Christian Bollmann & Troy Tomlin zum Lions-Erfolg

Seit Headcoach Troy Tomlin 2013 nach Braunschweig zurückkehrte, geht es mit den Lions wieder bergauf. 2013 war das Jahr der Verletzungen. Erwischt hatte es unter anderem Christian Bollmann. Der 25-jährige Braunschweiger, auf den 2012 sogar die NFL ein Auge geworfen hatte, kämpfte sich aber 2014 wieder zurück aufs Spielfeld.

inSport Christian, du hast eine super Saison hinter dir, spielst aber seit 2007 schon für die Lions. Was waren deine persönlichen Höhe- und Tiefpunkte?
Bollmann Es gab ein paar Höhepunkte, die ich nie vergessen werde und zwar meinen ersten Touchdown in meinem ersten Spiel für die Lions und natürlich die gewonnenen German Bowls, besonders der diesjährige. Leider gab es auch Tiefpunkte, wie etwa meinen Schlüsselbeinbruch 2013. Ebenso zählen Niederlagen für jeden ehrgeizigen Sportler nicht zu den persönlichen Höhepunkten.

inSport Du bist erst 25 und studierst nebenbei Umweltingenieurwesen. Wie ist dein Masterplan für die Zukunft? Und: Hat sich die NFL seit dem Tryout 2012 noch mal bei dir gemeldet?
Bollmann Nein, leider hat sich die NFL nicht mehr bei mir gemeldet, dennoch war es eine unglaubliche Erfahrung. Für die Zukunft möchte ich mein Studium erfolgreich abschließen und hoffe, dann im Berufsleben Fuß fassen zu können. Natürlich hoffe ich, dass mein Studium es mir erlaubt, noch einige Jahre weiter Football zu spielen.

inSport Beschreibe uns das Erfolgskonzept der Lions unter Troy Tomlin bitte mit drei Begriffen.
Bollmann Disziplin, gute Organisation und harte Arbeit.

 

inSport Herr Tomlin, würden Sie sagen 2014 war eine perfekte Saison für Sie und die Lions?
Tomlin Ja, denn wir haben kein einziges GFL-Spiel verloren.

inSport Im Big6-Finale mussten Sie mit Ihrer Mannschaft gegen die Berlin Adler eine Niederlage hinnehmen, nur eine Woche später demontierten Sie die gleiche Mannschaft und siegten deutlich mit 56:7. Wie kommen solche unterschiedlichen Ergebnisse zustande?
Tomlin Das ist schwer zu sagen. In der zweiten Woche haben wir ganz einfach besser gespielt. Quaterback Casey Therriault ist auch ein ganz besonderer Spieler.

inSport Wie verbringen Sie als Team die vergleichsweise doch relativ lange Zeit bis zur nächsten Saison? Wie sieht ihr Trainingsplan aus?
Tomlin Die Spieler werden zunächst weiter Krafttraining machen und Laufen. Ab Januar werden wir wieder mit Konditionsübungen anfangen. Und im April geht es dann zum Feinschliff ins Trainingslager.

inSport Wenn Sie ihr offensichtlich erfolgreiches Trainingskonzept bei den Lions auf drei essenzielle Begriffe herunterbrechen würden, welche wären das?
Tomlin Disziplin, Vorwärtsdrang und Zuversicht.

Text Leonie Steger
Fotos Karsten Reißner

Kategorie:Football

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