Let’s play!

F1-2015 (c) Namco Bandai

F1-2015 (c) Namco Bandai

Die aktuellen Sport-Videospiele im großen inSport-Test

Realismus, Innovation oder audiovisuelles Vergnügen? Oder doch alles auf einmal? inSport testet die aktuellen Sport-Videospiele.

Komplizierter Fahrspaß
F1 2014

PC, PS 3, Xbox 360 (Bandai Namco)
Die Formel-1-Saison ist inzwischen beendet und Lewis Hamilton zum zweiten Mal in seiner Karriere Weltmeister. Aber was machen Fans nun bis zum 15. März, bis in Melbourne der Startschuss für die neue Saison fällt? Klar, sie steigen selbst ins Cockpit – und das geht am einfachsten (und billigsten) mit der volllizensierten „F1“-Reihe, deren aktuellster Teil alle Änderungen wie den nunmehr vorgeschriebenen V6- statt des röhrenden V8-Motors berücksichtigt. Das passt! Im Gegensatz zum geringeren Umfang im Vergleich zum Vorjahr – Klassikfahrer und -autos adieu. Was sich andererseits nur wenig geändert hat, ist der Schwierigkeitsgrad. Schon vor einem Rennen kann man daher minutenlang mit der Feinjustierung von Reifen und Co. verbringen. Da aber nach wie vor die Möglichkeit besteht, ein Rennen zu jedem Zeitpunkt abzuspeichern, sind auch Workaholics in der Lage, ein Rennen zu beenden. Fazit: Besitzer von „F1 2013“ bleiben in der Boxengasse, alle anderen geben Gas!

Forza Horizon (c ) Microsoft

Forza Horizon (c ) Microsoft


Unkomplizierter Fahrspaß
Forza Horizon 2

Xbox One, Xbox 360 (Microsoft)
Hier kommt man schnell zum Höhepunkt – und das ist auch gut so! Denn: Kaum ist „Forza Horizon 2“ geladen, darf man auch gleich im neuen Lamborghini Huracán die Küste entlangbrettern … In Südfrankreich und Italien feiert die Rennszene das „Horizon Festival“ – und, na klar, der Spieler darf alles vom Mini Cooper über den Off-Road-Jeep bis hin zum Superflitzer fahren, tunen, lackieren. Im Gegensatz zur Hauptserie „Forza Motorsport“ ist „Horizon“ herrlich unkompliziert. Wettereffekte, eine festivaltaugliche Songauswahl, Online-Modi, Nachtfahrten und die (besonders auf der Xbox One) extrem detailverliebte Spielwelt rund um die Côte d’Azur sowie die Toskana machen einiges her. Und die Möglichkeit, nun auch jenseits der Piste durch Felder und Weinberge zu brettern, katapultiert „Horizon 2“ direkt auf die Pole Position. Fazit: Für freiheitsliebende Hedonisten, die sich von einer Straßenbegrenzung nicht vorschreiben lassen wollen, wo der Fahrspaß aufhört.

WWE-2K (c) 2K Games

WWE-2K (c) 2K Games


Schere, Stein und Stahltreppe
WWE 2K15

PS 3, PS 4, Xbox 360, Xbox One (2K Games)
„Weniger ist mehr“ scheint derzeit das Motto der WWE zu sein. Da wird das Logo cleaner gestaltet, der komplette Kader ausgedünnt und ein Champion, Brock Lesnar, gekrönt, der nie im Ring zu sehen ist. Eine „Philosophie“, die sich auch beim neuesten Videospiel-Ableger bemerkbar macht: weniger Kämpfer (rund ein Viertel weg), weniger Modi (Karriere- und Sechs-Spieler-Modus gibt’s nur auf Next-Gen), weniger Freiheiten (Special-Move- und Story-Editor wurden eingestampft). Aber genug der Kritik, „WWE 2K15“ bietet durchaus auch einige Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr. Eine, die besonders ins Gewicht fällt, ist die vereinfachte, und daher bessere Konterkontrolle, die nunmehr auch Normalsterblichen ermöglicht, auf Halte- und Wurfgriffe zu reagieren. Das Wrestling-Feeling mit klassischen Storylines (u.a. Triple H vs. HBK), mitreißender Stadionkulisse und brachialen Einmärschen stimmen sowieso. Was sich die Entwickler allerdings bei der Modellierung mancher Kämpfer (schaut euch mal The Miz oder Dolph Ziggler an, haha) und beim neuen, Spielfluss hemmenden Schere-Stein-Papier-Kettenmove-Prinzip gedacht haben, bleibt rätselhaft. Wer jedoch einmal mit seinen Freunden ein paar Kämpfe absolviert hat – und ihnen Kendostick und Stahltreppe über den Kopf gezogen hat –, wird auch darüber hinwegblicken können … Fazit: Die Empörung ist dieses Jahr groß, aber für einen kurzweiligen Videospiel-Abend unter Freunden gibt’s nur wenig Besseres (und unfreiwillig Komischeres).

FIFA-2015 (c) Electronic Arts

FIFA-2015 (c) Electronic Arts


Richtig gutes Gras!
FIFA 15

Nintendo 3DS, Nintendo Wii, PC, PS 3, PS 4, PS Vita, Xbox 360, Xbox One (EA)
596 lizensierte Klubs, 30 Ligen und über 16.000 Originalspieler – ja, „FIFA“ trumpft auch in diesem Jahr mit einem Mega-Lizenzpaket auf, sogar die zuletzt sträflich vermisste türkische Süper Lig ist nun dabei. Okay, und sonst so? Wie schaut’s aus mit Realismus, KI, Bedienbarkeit und Grafik? Sehr, sehr gut, denn hat man bei jährlich erscheinenden Spielreihen oft den Eindruck, mehr ein Update als ein wirklich neues Game zu spielen, trumpft „FIFA 15“ dieses Mal mit zahlreichen echten Verbesserungen auf (wobei einige davon wohl nur von Kennern goutiert werden). Features wie ein sich abnutzender Rasen nebst fliegenden Halmen, KI-Gegner, die kurz vor Abpfiff auf Zeit spielen und einfach, lenkbare Ballempfänger bei Einwürfen oder Last-Minute-Transfers im Management-Sektor begeistern wie die Hinrunden-Aufholjagd der Eintracht (die natürlich auch dabei ist), auch wenn die Spielgeschwindigkeit immer noch etwas zu hoch, zu unrealistisch ist. Das kann „PES“ immer noch besser. Weiterhin schön hingegen, dass PC-Spieler, die nicht mal einen Killer-Rechner brauchen, endlich auf Next-Gen-Niveau dabei sind und EA sogar die betagte Wii – aber nicht die Wii U – mit einer Version bedacht hat, die zwar optisch deutlich schwächer ist und auch spielerisch nicht ganz mithalten kann, dafür aber mit einem eigenen „Be A Pro“-Konzept überzeugt. Fazit: „FIFA“ ist wie Cristiano Ronaldo – schnell, stylisch, aber hier und da etwas realitätsfremd.

Pro-Evolution-Soccer (c) Konami

Pro-Evolution-Soccer (c) Konami


Für Kontrollfreaks
Pro Evolution Soccer 2015

PC, PS 3, PS 4, Xbox 360, Xbox One (Konami)
Wer darauf versessen ist, mit Eintracht Braunschweig zu spielen, ohne eine komplette Bundesliga-Lizenz gar nicht erst das Pad in die Hand nimmt, sollte gleich weiter lesen – wer jedoch den realistischsten Fußball, den die Games-Welt je erlebt hat, erfahren möchte, sollte jedoch Konamis Fußball-Simulation, die diesen Namen mehr als verdient hat, EAs Beitrag vorziehen. Angefangen bei den charakteristischen Bewegungsabläufen (ein Thomas Müller stakst, ein Messi hat einen sehr tiefen Körperschwerpunkt usw.) über die exakte Ballphysik bis hin zur Möglichkeit, die Graslänge einzustellen, um passstarken Teams ihr Spiel zu erschweren, bietet „PES“ Realismus pur. Glücklicherweise wurde auch das letztes Jahr etwas schwächliche Handling der tödlichen Pässe überarbeitet und das Lizenzpaket um die 1. Brasilianische Liga sowie um die jeweils 2. Ligen aus Frankreich, Italien und Spanien erweitert. Wegen der kleinen FIFPro-Lizenz müssen BuLi-Fans (nur Bayern, Schalke und Leverkusen sind dabei) aber wie gesagt draußen bleiben; immerhin können PC-Spieler auf diverse Mod-Edits zurückgreifen. Und während bei „FIFA“ endlich auch PC-Spieler mit schicker Next-Gen-Grafik umgarnt werden, sind bei „PES“ nur die Xbox-One- und PS4-Versionen state of the art. Fazit: „PES“ ist wie Franck Ribery – genial, unberechenbar, aber auch etwas hässlich.

NBA-2K15 (c) 2K-Games

NBA-2K15 (c) 2K-Games


Verschwitztes Animationsfest
NBA 2K 2015

PC, PS 3, PS 4, Xbox 360, Xbox One (2K Games)
Noch schärfer und detaillierter als im letzten Jahr kommt der Basketball ins Wohnzimmer – wehende Trikots und Schweißperlen sind dabei nur das i-Tüpfelchen. Schon beim ersten Match fällt auf, wie behände und flüssig sich die Spieler bewegen – zumindest auf Next Gen, auf PS3 und Co. wirkt doch alles etwas statisch, auch fallen hier die Pre-Game-Segmente weg. Weitere Wermutstropfen, und das gilt ebenso für Next-Gen, sind die langen Ladezeiten im Menü und die leider nur gut gemeinte Face-Scan-Option. Die Modi dagegen überzeugen. So kann man als Rookie zum Superstar aufsteigen oder sein Dreamteam zum Erfolg führen. Aber auch hier muss man bei den „kleinen“ Konsolen Abstriche machen: MyGM- und der MyLeague-Modus fehlen nämlich gänzlich. Für Heimatgefühle sorgen derweil Bayern, Berlin und die Brose Baskets, während Braunschweiger natürlich ihre Löwen vermissen … Fazit: EA wildert mit „NBA Live 15“ zwar inzwischen im gleichen Wald (und nicht mehr in einem kleinen Hain), aber 2K bleibt trotz aller Versions-Unterschiede alternativlos Platzhirsch.

toybox turbos (c) Codemasters

toybox turbos (c) Codemasters


Kindliches Fahrvergnügen
Toybox Turbos 

PC, PS 3 und Xbox 360 via Download (Codemasters)
Wenn kleine Spielzeugflitzer über den Küchentisch rasen, Toaster als Sprunghilfe dienen, die Streckenführung aus Zucker und Frühstücksflocken besteht, dann kann es sich ja nur um „Micro Machines“ handeln. Na, zumindest fast, denn Entwickler/Publisher Codemasters hat sich beim neusten Teil die Hasbro-Spielzeuglizenz gespart. Macht aber nichts, genau wie in den 90er Jahren auf den guten alten 16-Bittern (oder beim mittlerweile acht Jahre zurückliegenden letzten Teil „Micro Machines V4“) bietet auch „Toybox Turbos“ neben dem charmant-süßen Spieldesign Tugenden wie eine unkomplizierte und zugleich sehr gut ausbalancierte Steuerung, zahlreiche kreative Gefährte (35) und Strecken (18). Die eigentliche Stärke liegt bei der Reihe seit jeher natürlich im Mehrspielermodus – und daran hat sich ebenso wenig geändert: Das Prinzip „Wer sich zu weit abhängen lässt und den Bildschirm verlässt, verliert“ ist so einfach wie genial. Einziges Manko: Solisten haben nach ein paar Stunden alles gesehen. Fazit: Die einzige Alternative zu „Mario Kart“!

Short Views

Grid Autosport
PC, PS 3, Xbox 360 (Codemasters)
Audiovisuell kraftvoll und spielerisch anspruchsvoll, zeigt sich der neueste „Grid“-Ableger. Zumindest auf der Strecke; auf selbiger geblieben sind jedoch Menüs, Pappaufsteller-Zuschauer und Tuning-Möglichkeiten der (oft fiktiven) Luxus-Karossen. Für Genre-Profis, die einfach nur fahren wollen.

Mario Kart 8
Wii U (Nintendo)
Funracer-Herz, was willst du mehr! Tja, läge der Release nicht schon ein Dreivierteljahr zurück, hätte „Mario Kart 8“ hier sicherlich einen größeren Spot erhalten. Den „Ich-verpass-dir-einen-blauen-Panzer-kurz-bevor-du-über-das-Ziel-fährst-und-überhole-dich-dann-noch“-Faktor bietet jedenfalls nur Nintendos Meisterwerk!

MXGP
PC, PS 3, PS 4, PS Vita, Xbox 360 (BigBen Interactive)
Die Motocross-Simulation ist optisch eher zweckmäßig und eher nur für absolute Fans des Sports. Diese genießen auf 14 Strecken (die PS-4-Version hat sogar vier mehr) mit 60 Bikes und Fahrern die realistische Fahr-Physik in den klassischen Renn-Modi und im Karriere-Modus.

NBA Live 15
PS 4, Xbox One (EA)
Gut geklaut, ist halb gewonnen … EA bedient sich, insbesondere bei der Steuerung, kräftig bei 2K Sports und schafft es, tatsächlich mal ein gutes Basketballspiel abzuliefern. Aber warum, etwas Gutes spielen, wenn man doch etwas sehr Gutes haben kann?! Daher: Nur für EA-Jünger interessant.

NHL 15
PS 3, PS 4, Xbox 360, Xbox One (EA)
Die Mängelliste ist bei „NHL“ in diesem Jahr lang, gerade auf den Next-Gen-Konsolen passt vieles nicht zusammen – dümmliche Torhüter, weniger Einstellmöglichkeiten, unfertig wirkender Karriere-Modus … Aufgrund fehlender Konkurrenz greifen Eishockey-Fans dennoch zu. Aber bitte nur auf die Versionen für Xbox 360 und PS 3.

MotoGP 14
PC, PS 3, PS 4, PS Vita, Xbox 360 (Bandai Namco)
Mit dem kompletten Lizenzpaket der MotoGP, Moto2 und Moto3 und mit einer blitzsauberen Grafik ohne Blitzer ausgestattet, bietet der umfangreiche Racer sehr viel Komfort! Ach, wäre nur die KI nicht so schwach, das Streckendesign so trist …

The Reality
Nicht auf Konsole oder PC erhältlich
Fotorealistische Grafiken, hohe Auflösung und ein Maximum an Kontrolle – aufgrund der fehlenden Möglichkeit, speichern zu können und entsprechend neu zu laden, kann ein Fehler allerdings schnell das Aus bedeuten. Daher: Nur für absolute Profis.

Text Nils-Andreas Andermark / Fotos Bandai Namco, Microsoft, 2K Games, EA, Konami, Codemasters

Kategorie:Games

Facebook