Landesliga ohne Vechelde – Braunschweiger Teams im Soll

In dieser Szene angelt BSV-Torhüter Tobias Bremer dem Lengeder Marcel Runge den Ball vom Fuß.

In dieser Szene angelt BSV-Torhüter Tobias Bremer dem Lengeder Marcel Runge den Ball vom Fuß.

 

Eigentlich ist der Saisonbetrieb schon längst beendet. Doch es gibt ein Novum: Die Besetzung der Landesliga wurde erst am späten Donnerstagabend per Gerichtsentscheidung festgelegt. Schon vorher war Fakt, dass Goslar II, der FC BS Süd und der VfL Salder die Liga verlassen müssen. Neu dabei ist die erste Mannschaft von Goslar 08 und die Aufsteiger FC Grone, Germania Wolfenbüttel und Lupo Martini II. Doch die Frage nach derMeisterschaft und Aufstiegsrecht in der Bezirksliga 3 war lange offen. Denn die Posse im Streitfall um das titelentscheidende Verfolgerduell zwischen Union und Vahdet Salzgitter ging bis vor das Verbandssportgericht in Barsinghausen.

Was war geschehen? Wir schreiben den 28. von 30 Spieltagen der Bezirksligasaison 15/16. An der Spitze der Tabelle tummeln sich mehrere Mannschaften: Überraschungsteam Vechelde, Vahdet und Union Salzgitter. In dem für beide Teams so wichtigen, direkten Aufeinandertreffen der Stadtrivalen kommt es zum Streitfall, der lange andauert. Erst am Donnerstag Abend fällte das Verbandssportgericht eine Entscheidung.

In der 88. Spielminute beim Stand von 2:2 hatte der Schiedsrichter die Partie abgebrochen – infolge eines Fouls war die Situation eskaliert, und nach einer Reihe von Roten Karten zieht der Schiedsrichter die Reiß-leine. Er soll sogar körperlich angegangen worden sein. Darüber hinaus folgten Zuschauerausschreitungen, es gab Prügeleien auf der Tribüne und im Kabinengang. Danach nahm der Saisonbetrieb seinen Lauf. Nach zwei weiteren spannenden Spieltagen sah die Abschlusstabelle so aus: Arminia Vechelde hat mit 77 Punkten Platz eins. Nur drei Zähler dahinter lauert der KSV Vahdet Salzgitter (74). Union beschließt die Saison mit 73 Punkten und Platz drei. Eigentlich alles klar, oder?

Eben nicht… Auch nach Ablauf der Spielzeit standen die beiden Rivalen aus Salzgitter lange mit einer Partie weniger auf dem Konto da. Aufgrund der mehr als knappen Tabellensituation
und des annähernd gleichen Torverhältnisses zwischen Vahdet und Vechelde ist das Urteil vom Verbandssportgericht für den Aufstieg in die Landesliga Ausschlag gebend. Die Experten um den
Vorsitzenden Jörg Firus entschieden: 3:0 Punkte und 5:0Tore für Vahdet. Somit ist der KSV plötzlich Meister.

„Wir konnten nicht anders entscheiden“, erklärte Jurist Jörg Firus, der Vorsitzende des Verbandssportgerichts in Barsinghausen. Die Kammer hatte zu entscheiden, ob der Spielabbruch rechtens war oder nicht. Dazu hatten wir den Schiedsrichter per Video-Schaltung angehört.“ Dabei wurde deutlich: Im Union-Stadion hatte sich eine Traube von Heimspielern gebildet, die eine eindeutige
Drohkulisse aufbauten. „Entscheidend war dann die Berührung im Gesicht des Schiedsrichters. Den Spielabbruch hatte also eindeutig Union Salzgitter zu verantworten.“

In die Röhre schaut nun der bisherige Tabellenführer aus Vechelde, denn es gibt nicht, wie momentan oft vermutet zwei, sondern lediglich einen Landesligaaufsteiger. „Natürlich tut es
uns für Vechelde leid“, erklärte Firus. „Es ist immer schade, wenn ein Meister und Aufsteiger am Grünen Tisch ermittelt wird – erst recht, wenn der Verein mit dem Richterspruch gar nichts zu tun hat.“

Immerhin endet nun eine Zeit des Wartens. „Zwar beeinflusste uns dieses Thema überhaupt nicht, dennoch braucht so etwas niemand. Rein sportlich hat es Vechelde geschafft. Meinetwegen
können auch beide aufsteigen. Ich hoffe jedenfalls, es wird eine baldige Entscheidung im Sinne des Sport getroffen“, bewertete BSC Trainer Oliver Dotzauer die „Never-Ending Story“ zwischen Arminia Vechelde und Vahdet Salzgitter. Auf die zuvor aufgekommene Frage ob eine zusätzliche Mannschaft, für den gedachten Fall, dass sowohl Vechelde als auch Vahdet aufsteigen, die Liga
allzu sehr aufblähen würde, entgegnet Coach Mesut Dereköy (BSV Ölper) gelassen: „Auf diese zwei Spiele mehr würde es im Endeffekt auch nicht ankommen. Aus meiner Sicht muss aber leider, nach jetzigem Stand der Dinge, eine Mannschaft leiden. Ob wir allerdings nun eine Auswärtsfahrt nach Salzgitter oder Vechelde haben, spielt für unsere Planungen und insbesondere die Vorbereitung keine Rolle“
Gänzlich anders verhält es sich in Sachen Vorbereitung bei den Braunschweiger Landesligisten. Dazu zählen der BSC Acosta, der TSC Vahdet Braunschweig sowie der BSV Ölper. Alle drei Teams belegten in der letzten Saison einen Platz im gesichteten Tabellenmittelfeld. Sowie nach oben als auch nach unten gab es keine Ausreißer.

Das soll ich im Verlauf der neuen Spielzeit vor allem für Vahdet Braunschweig ändern. In der vorangegangenen Saison belegten der TSC lediglich Rang sieben, doch Trainer Fatih Özmezarci gibt sich im Hinblick auf die neue Saison durchaus optimistisch: „In der Offensive haben wir die Durchschlagskraft, nur hinten müssen wir besser agieren. Wir wollen in jedem Spiel so lange wie möglich die Null halten.“

Allen Trainern wurden im Folgenden dieselben Fragen gestellt. Ergeben haben sich ein Einblicke in die aktuelle Saisonvorbereitung sowie eine kleine Vorschau auf die neue Saison. Alle Trainer haben allerdings eines gemeinsam: Die Vorfreude schlägt zu diesem Zeitpunkt definitiv die Anspannung!
Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand der Vorbereitung?

Fatih Özmezarci (TSC): Wir haben nun die erste Trainingswoche und einen ersten Test hinter uns. Bislang bin ich sehr zufrieden. Die Offensive bereitet mir viel Spaß. Doch nur über eine gestaffelte und sichere Defensive kommt man zum Erfolg. Wir werden die Vorbereitung nutzten und zwischen Dreier- und Viererkette experimentieren. Auch der Fitnesszustand wird am Ende für die Wahl des Systems entscheidend sein. Letztendlich brauchen wir in jedem Fall eine mannschaftliche Geschlossenheit.

Oliver Dotzauer (BSC): Ich bin sehr zufrieden. Wir sind nun genau eine Woche im Training und haben schon etliche Einheiten hinter uns. Nächste Woche erwarten wir dann einige Urlauber zurück, so dass wir dann richtig starten können. Leider haben wir eine Menge Langzeitverletzte, die uns erst im späteren Verlauf der Saison zur Verfügung stehen werden.

Mesut Dereköy (BSV): Wir haben einen unglaublich großen Umbruch hinter uns. Beziehungsweise wir sind gerade dabei ihn zu bewältigen. Insgesamt haben wir 16 neue Spieler geholt – nur neun sind uns erhalten geblieben. Aktuell bilden sich sowohl Stärken, als auch Schwächen heraus. Wir müssen und werden ein Team werden. Leider hapert es hier und da noch an der Physis, aber unter dem Strich bin ich zufrieden.

Wie bewerten Sie die Qualität der Liga in der kommenden Saison?

Fatih Özmezarci (TSC): Meiner Meinung nach hat sich nicht viel geändert. Die Qualität ist im Vergleich zur letzten Saison mindestens gleich geblieben. Wir haben unter anderem Aufsteiger mit üppiger Landesligaerfahrung und zum Beispiel mit Göttingen 05 eine Mannschaft mit viel Tradition dabei.

Oliver Dotzauer (BSC): Es ist erneut eine sehr starke und vor allem brutal ausgeglichene Liga. Es bedarf in jedem Spiel einer engagierten Leistung um drei Punkte einfahren zu können.

Mesut Dereköy (BSV): Die Qualität der Liga ist auf keinen Fall schlechter als letztes Jahr. Im Gegenteil: Mit Goslar und den Aufsteigern wie zum Beispiel Lupo Martini oder Wolfenbüttel kommt ordentlich Konkurrenz dazu. Ich erwarte eine sehr ausgeglichene Spielzeit.

Welche Mannschaften sind für Sie in Sachen Titel Favorit?

Fatih Özmezarci (TSC): Goslar und Vorsfelde werden auf jeden Fall oben mitmischen. Darüber hinaus wird es auch mehrere Überraschungsteams geben. Der Saisonstart ist hier oft entscheidend.

Oliver Dotzauer (BSC): Es gibt einige Mannschaften die über einen super Kader verfügen. Für mich gehören auf jeden Fall Goslar, Vorsfelde, Lengede und Wolfenbüttel zum Kreis der Favoriten.

Mesut Dereköy (BSV): Da ist auf jeden Fall der SSV Vorsfelde zu nennen. Vorsfelde war letzte Saison schon sehr nah dran. Da wird sich nicht viel verändert haben. Die machen eine super Arbeit, haben eine junge Truppe beisammen und spielen zudem noch wirklich guten Fußball.

Welche Zielsetzung stecken Sie sich?

Fatih Özmezarci (TSC): Wir wollen auf jeden Fall besser sein als im Jahr davor. Mit unserer Offensive sollten wir es unter die ersten Drei schaffen. Doch viel hängt natürlich auch von der Defensive ab. Daran wollen und werden wir arbeiten.

Oliver Dotzauer (BSC): Bis zur Winterpause wollen wir möglichst viele Punkte holen. Dann kommen einige Leistungsträger zurück die uns stärker machen werden. Im Winter werden wir die Lage in Ruhe analysieren und dann ein entsprechendes Ziel ausgeben.

Mesut Dereköy (BSV): Wir werden, gerade unter Angesichts dieses großen Umbruchs, keinen Tabellenplatz als Ziel ausrufen. Wir wollen eine stabile Saison absolvieren, im besten Fall mit mehr Höhen als Tiefen. So eine Rückrunde wie in der letzten Spielzeit darf uns nicht noch einmal passieren.

Text: Luca Benincasa

Foto: Jörg David

Kategorie:Allgemein, Fußball
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