»Komisch, gegen Gifhorn zu spielen«

Rom Jenny (c) Carola Bott

Rom Jenny (c) Carola Bott

… Badminton-Ass Carola Bott?

2011 ging ein Raunen durch die Badmintonszene – eine der besten Spielerinnen Deutschlands wechselte zum damaligen Bundesligisten BV Gifhorn: Carola Bott. Seit ihrer Jugend sammelte sie Erfolge im Einzel und im Doppel – die Nationalspielerin galt als Punktegarantie für die Gifhorner, mit ihrer Doppelpartnerin Staša Poznanović, die auch für den BV Gifhorn spielte, gewann sie die Hungarian International. Doch dann erwischte sie das Verletzungspech …

Carola hat sich immer wieder zurückgekämpft, ignorierte oft die Schmerzen, aber immer, wenn es wieder aufwärts ging, gab es Rückschläge“, erinnert sich Trainer Hans Werner Niesner. „Wir konnten die Ausfälle von Carola nicht kompensieren, dazu fielen noch andere Leistungsträger wie Till Zander aus. So etwas konnten wir nicht auffangen.“ Letztlich ging nichts mehr bei Carola Bott – sie musste in die Reha. Der BV stieg ab, wurde bis in die Regionalliga durchgereicht, die der Club aktuell wieder verlassen hat – und nun wieder in der 2. Liga spielt.

„Verletzungen gehören leider zum Leistungssport“, sagt Carola Bott, die wegen ihres guten Aussehens zu den bekanntesten Gesichtern des Badmintons gehört. Sie schmückte vielfach Magazine wie Maxim und zahlreiche Sportillustrierte – ein Angebot vom Playboy lehnte sie ab. „2013 hatte ich eine Knorpelanbohrung am Knie und musste mich nach einem Jahr Reha zurückkämpfen. Momentan ist mein Knie okay, aber leider nicht mehr so belastbar wie früher.“ Dennoch: Carola Bott ist zurück – startet sogar wieder für Deutschland bei den Europäischen Spielen in Baku (12. – 28. Juni). „Ich war gerade zur Einkleidung für die Spiele – ein schönes Gefühl!“ Die Schinderei in der Reha hat sich dann doch gelohnt. „Man braucht einen langen Atem, aber auch einen tollen Arzt sowie eine top Behandlung. Das sind die wichtigsten Punkte, dann kommt alles mit der Zeit zurück“, freut sich Carola Bott, die am 9. Juli 31 Jahre wird. „Ich hatte eine sehr gute Reha, die Leute haben mir einfach unheimlich viel Kraft und Mut gegeben.“ Dabei hatte sie zwischenzeitlich gedacht, sie müsste ihren geliebten Sport ganz an den Nagel hängen. „Aber die Verletzung hat mich auch nachdenklich gemacht, somit habe ich entschieden, dass es den Sport nur noch in Kombination mit einer Ausbildung gibt und ich die Disziplin von Einzel auf Doppel ändere.“ So bastelt die sympathische Carola an einer Karriere als Immobilienkauffrau, ist mitten in der Ausbildung. „Es macht mir viel Spaß und ich habe einen klasse Arbeitgeber gefunden, der meinen Sport unterstützt.“

Schicke Outfits kann sie da auch tragen, denn im Sport gehörte sie zu den ersten Spielerinnen, die unförmige Trainingskleidung ablegte und, wie im Frauentennis längst üblich, durch modische Kleidung ersetzten, was ihr den Titel „Miss Bottminton“ einbrachte. Das sah das Badminton-Ass als Kompliment – zurecht. Denn verstecken müssen sich die durchtrainierten Athletinnen wahrlich nicht. Längst sind auch Sportlerinnen anderer Disziplinen solchen Beispielen gefolgt.

Das Siegen hat sie nach der Reha wieder im Blut – denn prompt ist der BC Wipperfeld mit ihrer Hilfe in die 2. Liga aufgestiegen! „Es bedeutet mir sehr viel, da ich nach der langen Verletzung endlich wieder einen Erfolg erzielen konnte.“ Und: So wird Carola Bott auch nach Gifhorn zurückkehren – als Gegnerin. „Natürlich ist es ein komisches Gefühl, gegen Gifhorn zu spielen, aber andererseits sehe ich auch ein paar bekannte Gesichter wieder, da freue ich mich drauf. Mit Fabienne Deprez stehe ich regelmäßig in Kontakt.“ Auch klar: „Unser Ziel ist es, oben mitzuspielen, aber man muss erstmal schauen, welche Spieler die Vereine eingekauft haben und ob es dann noch realistisch ist.“

Unterstützung bekommt Carola Bott durch ihren Freund, den Zehnkämpfer Michael Schrader (Silber bei der WM 2013 in Moskau). „Ich denke schon, dass es einfacher ist, wenn der Freund selber sportlich eingebunden ist, somit kann man Freude und Leid teilen. Ab und an trainieren wir auch mal zusammen – und er tritt mir dann ganz schön in den Po!“

Text Frank Kornath
Foto Carola Bott

Kategorie:Historie

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