Investieren in sich selbst

Joggen©Martinan-Fotolia.com

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Immer mehr wollen fit werden – über neun Millionen Deutsche gehen in Fitnessstudios

Über neun Millionen Deutsche gehen in Fitnessstudios. Zu dieser Erkenntnis kommt Deutschlands wohl bekanntester Trendforscher Sven Garbor Janszky. Jahr für Jahr strömen die besten Querdenker und Zukunftsforscher aus aller Welt zu dem von ihm veranstalteten „2b AHEAD ThinkTank-Kongress“, um über die Welt von Morgen zu sprechen und neueste Entwicklungen vorzustellen. Zu den elementarsten Erkenntnissen der Kongresse, die seit einigen Jahren im Wolfsburger Schloss stattfinden, gehört der steigende Gesundheitstrend.

Was nützt aller Wohlstand, wenn man ihn nicht genießen kann? Darum investieren immer mehr Menschen in sich selbst und ihre eigene Gesundheit“, resümiert Trendforscher Janszky. Längst haben gesundes Aussehen und „Fit sein“ protzigen Autos in der sozialen Anerkennung den Rang abgelaufen – ein wenig back to the roots, denn schon die alten Römer wussten: Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.
Obwohl auch bei uns bereits mehr als neun Millionen Menschen die diversen Studios nutzen und sich Sportvereine eines regen Zulaufs erfreuen, wenn sie Fitnessprogramme anbieten, sind wir hierzulande noch am Anfang der Fitness- und Gesundheitswelle. Personal-Coaches nutzen wenige, dabei halten Experten ein individuelles Training, abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse der Fitnesswilligen für das Nonplusultra. Top-Sportler schwören seit Jahren auf ihre ganz persönlichen Trainer – und die haben sogar noch Kapazitäten frei. Stattdessen wird Jahr für Jahr viel Geld in „Wundergeräte“ aus der TV-Werbung investiert, die selten halten, was sie versprechen. Da sollte man sein Geld besser in eine Beratung durch einen Fachmann stecken.

In Trendmetropolen wie Dubai sind die riesigen Malls schon durchsetzt mit Shops für Nahrungsergänzungsmittel – hinter dem Verkaufsthresen stehen sogar Ärzte, die damit mehr verdienen, als mit ihren Praxen. Und ohne den immer mehr werdenden Bürokratismus, unter dem die Ärzte bei uns massiv schwitzen. Aber Vorsicht: Hinter manchen „Wundermitteln“ verbergen sich ganz herkömmliche Stoffe – zum Beispiel grüner Kaffee und Löwenzahnsaft. Das gibt es auch im Supermarkt (sogar instant) und im Reformhaus. Vor manchen Ergänzungsmitteln zur „Entgiftung“ auf Schwefelbasis warnen die Gesundheitsämter sogar … damit werden in Fernost auch Hosen gebleicht. Wohl bekomms …
In Deutschland setzen viele auf entsprechende Literatur, Diät-Bücher sind ganz oben auf der Bestseller-Liste – und das obwohl die Inhalte und Erkenntnisse sich auf längst überholtes Wissen aus dem vergangenen Jahrtausend beziehen, viele Lebensmittel von heute gab es in den 70er Jahren oder früher noch gar nicht.

Light-Produkte gehören zu den Cash-Cows der großen Nahrungsmittelkonzerne – die Wirkung wird von vielen Ernährungsexperten oft schroff abgelehnt. Auch hier zählt: Jedem das Seine … Wer will schon seine Lebensqualität dauerhaft einschränken und auf alles verzichten, was bisher gut war? Auf Dauer Punkte und Kalorien zählen? Dabei raten Fachleute: „Man kann für jeden Menschen einen individuellen Ernährungsplan aufstellen, der gezielt hilft und nicht aus lauter No-Gos besteht“, sagt die diplomierte Ökotrophologin Stephanie Mißler, Ernährungsberaterin im Schlosscarree. „Jede einseitige Ernährung ist gesundheitsschädlich.“ Wissen um die Wirkungsweisen von Lebensmitteln ist auch in diesem Bereich Macht. Macht über Lebensqualität und Fitness.

Das gilt natürlich genauso für die Bewegung. Die soll Spaß machen, damit man sie auch gerne macht. Nicht jeder hat Freude daran, bei Wind und Wetter früh morgens aufzustehen, um dann durchs Dorf zu laufen. Jeden Tag womöglich – und mit reichlich Hüftgold auf den Rippen. Da jubeln die Gelenke! Andere schwören auf die Wirkung der dadurch ausgeschütteten Glückshormone. Wir Menschen sind eben Individuen – und das gilt auch bei Fitness und Gesundheit. Unumstritten ist: Bewegung tut gut. Und auf Bewegung hat die Natur den Menschen angelegt. Den Entdeckungen der „Schöninger Speere“ zufolge sogar seit hunderttausenden von Jahren. Die bequeme, hochtechnisierte Welt ist da vergleichsweise jung und nimmt im Zeitstrahl nur einen ganz kleinen Punkt ein. Und schon damals gab es Treiber und Jäger. Und andere, die aus der Beute ein wohlschmeckendes Mal bereiten konnten.

Ganz gleich, ob man nun lieber Treiber oder Jäger sein will – die moderne Welt lässt den Menschen von heute die freie Auswahl. Und die hört bei weitem nicht bei der Frage „Laufen oder Schwimmen?“ auf. Es gibt die vielfältigsten Möglichkeiten, den Körper in Gang zu bringen – genauso, wie es eben Spaß macht.

Kraft©Peter-Atkins-Fotolia.com

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Neuerdings auch digital. Schon 360.000 haben eine Fitness-App aboniert, Tendenz steigend. Andere schwören auf Fernbetreuung via Internet – oder auf DVDs vom Versandhaus. Eine ernsthafte Konkurrenz zu den Fitnessstudios sehen Experten darin aber nicht. Denn in den Studios zählen auch die sozialen Kontakte zu Gleichgesinnten – darüber hinaus der Spaßfaktor. Und: Ein Internetabo ist dazu oft nicht mal preiswerter als die Monatsgebühren im Fitness-Studio.
Für jeden Typ der richtige Sport – das empfehlen die Ärzte. Ob Zumba, Hanteltraining oder klassisches Radfahren – wichtig ist die regelmäßige Bewegung. Das Argument „Keine Zeit!“ ist längst keines mehr – denn überall wird auch EMS-Training angeboten. Diese elektronische Muskelsimulation kommt aus dem Profi-Sport und ist keineswegs ein Sport für Faule – nur für Menschen mit wenig Zeit. In 20 bis 25 Minuten werden 80 Prozent aller Muskeln beansprucht – mehr als in einem stundenlangen Workout. Zugegeben, das ist nicht sexy, wenn man mit Elektroden verkabelt ist und alle paar Sekunden alle Muskeln anspannt – aber die Wirkung ist phänomenal. Und steigert sogar die Ausdauer – besonders wenn man EMS zum Beispiel mit Radfahren verbindet.

Am Anfang einer Fitness-Initiative sollte immer ein Gespräch mit dem Hausarzt stehen. Der kennt einen genau und rät, was man sich zumuten kann und soll. Sinnvoll ist auch eine Atemgasmessung bei der der persönliche Grundumsatz festgestellt wird. Dann weiß man, ab welcher Kalorienmenge man ab- oder zunimmt. Sport steigert natürlich diesen Grundumsatz. Nimmt man sich zu wenig Zeit wird es mittelfristig nichts mit dem Abnehmen. Der Körper wird darauf lauern, wann man die Nase voll hat von Kohlsuppen oder Kohlehydrate-Verzicht. Denn auch die werden vom Körper gebraucht – die richtigen in der richtigen Menge und zur richtigen Zeit.

Die Gesundheitswirtschaft der Wolfsburg AG geht da einen großen Schritt voran. Die Volkswagen-Tochter bietet für Firmen beziehungsweise deren Mitarbeiter einen schnellen Fitness-Check an – in einem Gerät, das wie ein Fahrsimulator aussieht. Nach 15 bis 20 Minuten erhalten die Teilnehmer dann einen totalen Gesundheitscheck und Empfehlungen – vertraulich versteht sich.

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ems(c)Maria Lüer

Ganz neu im Trend und doch so naheliegend ist das Faszien-Training. Die Faszien – auch Bindegewebe genannt – finden häufig ausschließlich im Zusammenhang mit Cellulite Beachtung. Damit wird das Faszien-Gewebe völlig unterschätzt. Denn es befindet sich überall im Körper und entscheidet somit auch in nahezu allen Bereichen über unsere Gesundheit. Sind die Faszien verklebt oder verhärtet, kann dies zu den unterschiedlichsten Beschwerden führen – von Gelenkschmerzen über Nacken-, Schulter-, Rücken- oder Bauchschmerzen bis hin zu undefinierbaren Schmerzen. Durch Vibrationsgeräte, spezielle Schaumstoffrollen und Dehnübungen kann das Faszien-Gewebe trainiert werden. „Es ist sinnvoll, das Faszien-Training als kleine, aber wichtige Ergänzung beim sportlichen Workout zu sehen. Hier ist der Leitsatz „Weniger ist mehr – Belastung bis ans Limit vermeiden“ angesagt. Denn anders als beim Muskeltraining bringt es hier nichts, bis an die Grenzen der Belastungsfähigkeit zu gehen, da sich Faszien langsamer verändern, dafür aber nachhaltig“, klärt der bekannte Personalcoach Adi Al-Hamawi (München, Sky Studio) auf. Neben den klassischen Sportarten wie etwa Laufen, Schwimmen, Krafttraining oder verschiedenen Ballsportarten sollten Sportler darauf achten, ihrem Körper zunächst eine gewisse Regenerationszeit zu geben. Damit können sich sowohl die Muskeln als auch das Faszien-Gewebe entspannen, um zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Belastung auf sich zu nehmen und wieder leistungsfähiger zu agieren.

Ein gutes Fitnessstudio erkennt man meistens an der Beratung – nicht nur bei der Anmeldung und vielleicht noch bei der Einweisung. Nur erfahrene Sportler sollten in ein preiswertes Studio gehen, in dem keine Beratung angeboten wird. Das muss schließlich auch bezahlt werden. Der Rest ist meistens eine Geschmacksfrage. Gerade in Braunschweig gibt es viele gute Studios, Besonderheiten meistens im Umland – wie zum Beispiel der Boxsimulator (E-Boxing) in Wolfenbüttel.

Wie bei den meisten Dingen im Leben macht die Regelmäßigkeit den Meister. Wer sich zu viel vornimmt, macht dann schnell mal einen „unfreiwilligen Urlaub“ im Unfallklinikum Holwedestraße. Dort kann man von gerissenen Sehnen und Bändern durch falschen Ehrgeiz mehr als nur ein Lied singen.

Natürlich ist auch die richtige Sportkleidung wichtig. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich ein Trikot der Spieler von Eintracht Braunschweig bei Regen von einem langärmligen in ein kurzärmliges verwandelte. Auch müssen Turnschuhe nach dem Training nicht zwangsläufig eine strenge Duftwolke verbreiten. Längst gibt es für jede Sportart die richtige Bekleidung – von atmungsaktiv bis luftundurchlässig. Und natürlich sollten Läufer perfekt passende Schuhe tragen – der Fachhandel bietet vielfach kostenlose Vermessungen an. Am „Werkzeug“ sollte nicht gespart werden.

Und: Beim Einkaufen ruhig mal die Partnerin oder den Partner mitnehmen – lieber eine hitzige Diskussion im Geschäft als Dauertuscheln im Sportstudio, weil man für eine eingepresste Braunschweiger Salami gehalten wird.

Dehnung©contrastwerkstatt-Fotolia.com

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Top 11 Fitness-Tipps

1.     Professionell beraten lassen.
2.    Light-Produkte meiden.
3.     Nicht zu vieles verbieten, lieber in Maßen genießen.
4.    Bewegung finden, die Spaß macht – auch DVDs und Youtube Videos bieten ein riesiges Repertoire anWorkout-Videos.
5.     Faszien-Training ist eine gute Ergänzung zum sportlichen Workout.
6.    Dem Körper nach einem harten Training genug Regenerationszeit und genug Schlaf geben.
7.     In gute und für die jeweilige Sportart geeinete Kleidung und Schuhe investieren.
8.    Ausreichend trinken aber auf Softdrinks verzichten.
9.     Selber kochen und viel frisches Obst und Gemüse essen.
10.  Trainingsmethoden ab und zu wechseln.
11.    Proteinhaltige Ernährung hilft beim Muskelaufbau.

Text Frank Kornath
Fotos Maria Lüer, contrastwerkstatt, Peter Atkins, Artur Marciniec (Fotolia)

Kategorie:Fitness

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