Hauptsache Fußball!

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Ich habe Futsal ausprobiert. Meine Bilanz:
Futsal ist umstritten in Deutschland. Viele Kicker bevorzugen die „herkömmliche“ Variante des Hallenfußballs, bei der zum Beispiel das Mitbenutzen von Banden erlaubt ist und größere Tore zur Verfügung stehen. Was ist anders beim Futsal? Und wie wirkt sich das aufs Spielgeschehen aus?

Im Jugendbereich werden die Hallenturniere nach DFB-Verordnung seit 2015 streng nach Futsal-Regeln gespielt, so auch bei den Braunschweiger Hallenmeisterschaften, bei denen ich als A-Jugendlicher mitspiele. Vor dem Turnier bekamen meine Teamkameraden und ich bereits einen Zettel mit den Futsal-Regeln. Beim Durchlesen dachte auch ich mir zunächst: das ist doch alles ein bisschen viel Begrenzung und tut dem Spiel nicht gut.

Der größte Unterschied zum Hallenfußball liegt sicher darin, dass es beim Futsal keine Bande gibt, die man mal eben als „fünfter“ Mitspieler benutzen kann. An beiden Seiten des Feldes kann der Ball also ins Aus rollen. Dann folgt der Einkick, bei dem der Ball ruhen muss und Gegenspieler 5 Meter entfernt stehen müssen. Die penible Regeleinhaltung beim Einkick durch die Schiedsrichter, die aber nachvollziehbar ist, war für das Spiel nicht förderlich: ständig pfiffen die Unparteiischen ab, wenn der Ball ein kleines Stück rollte (das tat er in der Halle fast von selbst) oder nicht exakt hinter der Linie lag. So wurde ein schnelles Umschalten nach dem Seitenaus verhindert. Dafür fördert die Abschaffung der Bande die Dynamik des Spiels, durch viele schnelle Kombinationen können die gegnerischen Abwehrreihen überwunden werden. In dieser Hinsicht ist Futsal nah dran am Fußball auf dem Feld.

Schon beim Aufwärmen mit der Mannschaft zeigt sich ein Trend, der sich später während der Turnierspiele bestätigt: durch die beim Futsal von 5 auf 3 Meter verkleinerten Tore treffen wenige Schüsse aus der Distanz das Ziel. Vor allem in den älteren Jugenden ist es beim Futsal wegen oft großgewachsener Torhüter enorm schwierig, mit einem strammen Abschluss nahe der Mittellinie – wenn zum Beispiel in der Schlussphase nichts anderes mehr geht – eine Entscheidung herbeizuführen. Trotzdem wirkt sich die Verkleinerung der Tore nicht negativ auf die Effektivität der Offensiven aus, die durch schnelle Kombinationen und eiskalte Abschlüsse zum Torerfolg kommen. Beim Turnier stehen am Ende Ergebnisse wie 11:0, 6:3 und 5:4 zu Buche. Insgesamt fallen 112 Tore in 21 Partien, im Durchschnitt mehr als 5 pro Spiel – das spricht für die Attraktivität des Futsal.

Freunde des robusten Fußballs dürfte auf den ersten Blick das Grätschverbot beim Futsal ärgern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein generelles Verbot, nur „am Mann“ darf nicht gegrätscht werden. Das ermöglicht den Spielern, beispielsweise Pässe in den Raum oder Schüsse abzugrätschen, wenn dabei nur der Ball gespielt und der Kontrahent nicht gefährdet wird. Diese fairen Aktionen ließen die Schiedsrichter beim Turnier richtigerweise laufen.

Ebenfalls verändert ist das Torwartspiel: die Torhüter dürfen nach ihrem Abwurf oder -stoß nicht mehr angespielt werden, die eigene Mannschaft muss also nach vorne spielen. Durch Pressing kann man beim Turnier dadurch andere Mannschaften vor Probleme stellen, sich hinten rauszukombinieren. Ich persönlich halte eine Begrenzung der Torwartanspiele nicht unbedingt für sinnvoll, da die Torhüter gerade zu Zeiten des modernen Torwartspiels quasi eine gewichtige Rolle einnehmen und durch diese Regel in ihrem Spiel eingegrenzt werden. In der Schlussphase können sie allerdings quasi als fünfter Feldspieler mitwirken, da der Torwart beim Futsal zu jeder Zeit über die Mittellinie darf. Zudem können die Schlussmänner – im Gegensatz zum Hallenfußball – über die Mittellinie werfen und schießen, sodass sich bei schnellem Umschalten von der Defensive auf den Angriff gute Torchancen ergeben.

Unterm Strich ist Futsal durch die Regeln technisch anspruchsvoller als der herkömmliche Hallenfußball. Dieser hat jedoch gerade durch die Bande einen besonderen Reiz und stellt eine gute Abwechslung zum Spiel auf dem Feld dar. Für mich persönlich hat das Turnier nach Futsal-Regeln aber wieder gezeigt: Fußball, egal in welcher Form, macht immer Bock!

Text: Niko Gülle
Foto: Jens Semmer

Kategorie:Fußball

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