»Geld drucken können wir immer noch nicht – aber wir arbeiten daran!«

Rüscher (c) Ingo Hoffmann / PartnerDesign

Rüscher (c) Ingo Hoffmann / PartnerDesign

Norbert Rüscher, Geschäftsführer der Basketball Löwen Braunschweig, steht vor einer besonderen Herausforderung

Der überraschende Ausstieg von Gesellschafter New Yorker zog für die Braunschweiger Basketball-Bundesligisten zwangsläufig einige Umstrukturierungen nach sich, die sich gegenwärtig vor allem im Markenauftritt des Teams bemerkbar machen: Eine neue Saison mit neuen Herausforderungen, die nicht alle sportlicher Natur sind …

inSport Herr Rüscher, wie beurteilen Sie Sponsoring im Basketball generell? Ist man gerade in dieser Sportart auf einen Sponsor angewiesen?
Rüscher Man sieht es an den Namen der Teams in der Basketball Bundesliga: Im Gegensatz zum Fußball haben fast alle Bundesligisten einen Namenssponsor. Das Sponsoring im Basketball spielt auf jeden Fall eine große Rolle. Im Ligaquerschnitt sieht es so aus, und das trifft ungefähr auch auf Braunschweig zu, dass 75 Prozent durch Sponsoren-Budgets und 15 bis 20 Prozent durch Ticketeinnahmen gedeckt werden. Dann gibt es natürlich auch noch andere Finanzierungen. Der große Anteil ist aber eindeutig die Einnahme durch Sponsoren.

inSport Es ist aktuell zu beobachten, dass in der Beko Basketball Bundesliga personell stark aufgerüstet wird. Wie bewerten Sie diese Entwicklung? Und wie wichtig ist mit diesem Hintergrund ein Sponsor?
Rüscher Für den Sport, für die Marke Basketball, ist so eine Aufrüstung – insbesondere durch die Tatsache, dass mittlerweile der FC Bayern München als Liga-Primus mit einem wohl zweistelligen Millionenbetrag als Jahresbudget dabei ist – sehr wichtig, denn das trägt natürlich dazu bei, dass die Qualität der Liga steigt. Wir entwickeln uns immer weiter und das geht nur mit Partnern aus der Wirtschaft. Es ist nicht immer einfach, wir erleben es mit dem überraschenden und vorzeitigen Ausstieg unseres Namensgebers New Yorker zum Ende der Saison 13/14 gerade selbst. Es ist schwer, im Laufe eines Geschäftsjahres einen Partner zu finden, der freie Budgets hat. Die meisten Unternehmen, die auch interessiert sind, verweisen uns auf das Jahr 2015.

inSport Im Fußball heißt es: „Geld schießt Tore“. Kann man das auf den Basketball-Sport adaptieren: „Geld wirft Körbe?“
Rüscher Nicht in dem Maße wie beim Fußball. Die Tatsache, dass man bei Bayern München genauso verfährt wie beim Fußball, also alle guten Spieler einkauft, damit sie – ich überspitze jetzt einmal – nicht in anderen Teams spielen können, wäre eine vergleichbare Sache. So erging es uns im letzten Jahr: Wir hatten eigentlich eine recht gute Mannschaft auf dem Papier, und mit Swann einen Spieler, der für uns der Zweitteuerste war, den wir in Braunschweig je hatten. Swann hat Spiele mit 30 Punkten gemacht, leider aber auch welche mit null oder ganz wenigen Punkten. Ein teurer Sportler ist also keine Garantie, aber natürlich eine gute Rahmenbedingung. Letztendlich lebt der Basketballsport aber nicht von Stars, sondern von einem funktionierenden Team.

inSport Es ist zumindest noch keine Garantie. Aber vielleicht wird sich das im Basketball auch irgendwann einmal ändern …
Rüscher Ja, wir merken das bereits, weil andere Märkte schwächeln: Spanien, Griechenland – aber auch weitere Märkte, wo in der Vergangenheit viel Geld bezahlt wurde wie in der Ukraine und in Israel. Da kommen Spieler nach Deutschland, die man vor zwei Jahren nicht hätte bezahlen können. Dadurch steigt natürlich auch die Qualität unserer Liga. Es gibt aber auch andere Beispiele: Der MVP von Bayern, Malcom Delaney, der ist nach Russland gegangen und man munkelt, dass er dort einen Vertrag mit 1,2 oder 1,3 Millionen Dollar netto pro Jahr hat. Also, das ist weit von uns weg – sogar von Bayern München.

inSport Es hat sich ja nicht nur finanziell etwas beim Braunschweiger Basketball-Bundesligisten verändert, auch tritt man jetzt mit einem neuen Logo auf. Wie entstand das neue Logo?
Rüscher Mit dem Ausstieg von New Yorker hätte man natürlich sagen können, wir nehmen nur den Namen weg, „Phantoms Basketball Braunschweig“ kann stehen bleiben. Und mit einem neuen Sponsor kommt dann einfach ein neuer Name davor. Die Figur beziehungsweise der Name „Phantoms“ ist aber sehr eng mit New Yorker verknüpft, dies ist ja alles auch 2006 entstanden, als New Yorker Namensgeber wurde. Wir wollten daher lieber zurück zu den Wurzeln. Wir sind ein Braunschweiger Team, seit 24 Jahren in der Basketball Bundesliga, und die in Frage kommenden Farben sind entweder rot-weiß für die Stadt oder eben blau-gelb für das alte Land Braunschweig. Und der Löwe ist nunmal seit Jahrhunderten das Wappentier Braunschweigs. Es wurde dann einstimmig entschieden, dass wir mit den Farben Blau und Gelb und mit dem Löwenkopf arbeiten. Die Farben beziehen sich auch auf unsere Kooperation mit Eintracht Braunschweig. Wir bieten ja zum Beispiel Kombi-Tickets an …

inSport Nun gibt es ja noch die New Yorker Lions. Lions, Löwen – haben Sie keine Sorge, dass Außenstehende das vermischen könnten?
Rüscher Nein, gar nicht. Nicht umsonst heißen wir jetzt Basketball Löwen Braunschweig und nicht Baskets wie andere Teams in Oldenburg oder Bamberg. Wir haben ganz bewusst die deutsche Bezeichnung gewählt, die dann auch bei unserem Sozialprojekt Phantoms@Future greifen wird. Dies wird in „LöwenZukunft“ umbenannt. Auch andere neue Ausdrücke sind vorgesehen: der Phantoms-Day, unsere Saisoneröffnung, wird ab sofort „LöwenTag“ heißen. Wir haben eine ganz klare sprachliche Trennung und mit dem Logo einen Kontrast zu den New Yorker Phantoms, aber auch zu den bestehenden New Yorker Lions erreicht.

inSport Im Logo ist „Basketball“ immer noch ein Namensplatzhalter. Glauben Sie, dass eine erneute Änderung Auswirkungen auf Fans, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hat?
Rüscher Wir haben versucht, mit den Farben und dem Namen eine klare Linie zu ziehen. Wir wollten keine Übergangslösung, die im Raum schwebt und jeder darauf wartet, dass es wieder anders wird. Es soll, wenn überhaupt, nur der Begriff Basketball durch einen Namenssponsor ersetzt werden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass ein Namensgeber zu dieser Konstellation, dem Löwen und den Farben der Stadt, stehen würde und nicht verlangt, dass wir alles wieder ändern. Der Namensgeber kann sich ja in anderer Form wiederfinden.

inSport Was gestehen Sie einem neuen Sponsor ein? Ist das vom Geld abhängig?
Rüscher New Yorker wird natürlich auch als Gesellschafter ausscheiden, das ist logisch und auch konsequent. Dieser Platz wird im Normalfall von einem neuen Namensgeber eingenommen, einem neuen Hauptsponsor. Am Ende ist es von der Größenordnung des Sponsorings abhängig. Wir haben mehrere Stufen: Business- bis Premium-Sponsoren. Davon sind nicht alle Gesellschafter, nur einige der Hauptsponsoren – und das ist natürlich für einen neuen Partner nachher genauso. Es ist auch denkbar, dass wir einen Partner finden, der zwar nicht Namenssponsor wird, aber auf das Trikot geht. Die Gesellschafteranteile würden auf jeden Fall übergehen. Damit sind natürlich auch zwei Sitze im Aufsichtsrat gewährleistet und ein gewisses Mitspracherecht – nicht aber in der Größenordnung, dass alles allein bestimmt werden kann. Das wird nicht eintreten.

inSport Wenn sich kein neuer Namenssponsor findet, gibt es Alternativen?
Rüscher Wir wissen jetzt seit Februar Bescheid, dass Ende Juli mit dem Ausstieg von New Yorker die Situation eintritt, die uns finanziell sehr weh tut. Wir mussten unser Budget entsprechend runterfahren, den Gürtel enger schnallen. Im Laufe der Monate hat es sich nun so entwickelt, dass wir, einfach gesagt, die Lücke zur Hälfte schließen konnten. Das liegt daran, dass vorhandene Sponsoren sich zusätzlich engagieren, und dass wir ein Sparprogramm fahren. Man kann aber nur da einsparen, wo man keine Auswirkungen auf die Qualität des Produkts hat. Das ist ganz gut gelungen – die bisherigen Verpflichtungen zeigen, dass man damit ganz vernünftige Spieler nach Braunschweig holen kann.

inSport Ein Sponsor ist also nicht unbedingt überlebenswichtig?
Rüscher Ein einzelner Sponsor ist nicht überlebenswichtig. Damals dachten alle, jetzt gehen die Lichter aus. Das verursachte natürlich auch Unruhe im Team. Es ist ärgerlich und tut auch weh, wenn der Namenssponsor mit seinem Engagement ausfällt. Aber es führt nicht zu einer Insolvenz. Die Flamme ist eben nur ein bisschen kleiner. Wir haben 50 bis 60 Sponsoren und sind jetzt dabei, mit den Partnern, deren Verträge auslaufen, für die neue Saison zu verhandeln. Die Resonanz ist sehr positiv, auf das Logo und auf die Situation. Wir sind da ziemlich optimistisch und sagen: Jetzt erst recht! Geld drucken können wir immer noch nicht – aber wir arbeiten daran! (lacht)

inSport Die BBL-Spiele werden jetzt auf den Plattformen der Telekom ausgestrahlt.
Warum aber fehlt dem Basketball immer noch das ganz große Publikum?
Rüscher Natürlich spielen die Medien eine große Rolle. Insbesondere Fernsehübertragungen. Wir hatten früher Premiere als Partner, dann eine große Lücke. Mit Sport1 waren wir froh, einen Partner gefunden zu haben, mit dem wir nicht selber die Produktionskosten tragen mussten. Wenn man aber keinen festen Spieltag hat, ist das schwierig. Telekom macht das jetzt anders. Da gibt es freitags, samstags und sonntags feste Zeiten. Wir werden einen großen Sprung nach vorne machen, weil jetzt die Plattform geschaffen ist, ständig mit Basketball präsent zu sein. Wir hoffen, dass mit dieser Verbreitung auch verstärkt Zuschauer aus der Region, aus Celle oder aus Goslar, nach Braunschweig kommen.

inSport Worauf freuen Sie sich in der kommenden Saison? Worauf können sich die Fans einstellen?
Rüscher Wir freuen uns auf eine hoffentlich erfolgreiche Saison ohne Verletzungspech, darauf dass der Funke vom Team auf die Fans und umgekehrt überspringt. Es geht ja erst am 3. Oktober los, bis dahin haben wir aber noch viel Arbeit vor uns. Am 30. August werden wir die Saison eröffnen, so wie es aussieht mit einem Testspiel in der Volkswagen Halle, mit der Vorstellung der Mannschaft, und einem Rahmenprogramm. Ende August wird dann auch der Dauerkartenverkauf beginnen, da wird es Änderungen geben. In der Volkswagen Halle werden die Blöcke umbenannt, und wir werden im gleichen Zuge auch unsere Kategorien und Preise anpassen. Viele haben uns gesagt, ein Ende sei auch ein Anfang. Und tatsächlich: Es hängt nicht alles von einem Geldgeber ab. Deshalb freuen wir uns auf eine neue Saison mit vielen Veränderungen, neuen Chancen und Herausforderungen. Der Geist dafür ist jedenfalls da.

Name Norbert Rüscher

Geboren 1956
Familienstand verheiratet
Wohnort Klein Gleidingen (Vechelde)

Auf den Punkt gebracht

Herr Rüscher, bitte vervollständigen Sie diese Sätze.

In drei Worten beschreibe ich mich als …
… geduldig, gelassen und strukturiert.

Total glücklich bin ich, wenn …
… ich anderen eine Freude machen kann.

Meine Vorbilder sind …
… der ehemalige Bundeskanzler Schröder, weil er in seinem ganzen Leben sehr zielstrebig gewesen ist, und mein Vater, aufgrund seines Wesens, seiner Ruhe und Gelassenheit.

Für Geld würde ich nie …
… anderen Leuten weh tun.

Mein größtes Laster ist …
… meiner Frau nicht zuzuhören.

Ich kann nicht leben ohne …
… Sport.

Geprägt hat mich …
… der Sport. Und zwar in jeder Hinsicht. Denn hier zählen Eigenschaften wie Teamgeist, Zielstrebigkeit und Verantwortung sowie Respekt und Fairness.

Wenn ich aktiver Basketballspieler wäre …
… würde ich bei den Basketball Löwen Braunschweig spielen.

Erfolg ist …
… ein Teil des Sports.

Vor einem Basketballspiel …
… versuche ich, in die Zukunft zu sehen.

Die Basketball Löwen Braunschweig werden in der Beko BBL …
… für viele positive Überraschungen sorgen.

Text Maria Lüer
Foto Ingo Hoffmann / PartnerDesign

Kategorie:Basketball

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