Game over für Daniel Fink

E-SportlerE-Sportler © Vfl Wolfsburg

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E-Sport beim VfL Wolfsburg

Eigentlich wollte der VfL Wolfsburg auch beim E-Sport richtig durchstarten. Dafür wurden der ESL-Meister Benedikt Saltzer und Daniel Fink verpflichtet, die als Team „Wölfe“ im Trikot des VfL die Szene rocken sollten. „Dani Fink“ sammelte Turniersiege, wie beim „kicker eSport-Cup“.  Nach nur sieben Monaten gehen Verein und „Dani“ nun aber wieder getrennt Wege. Zu den Gründen der plötzlichen Trennung schweigt sich der Verein eisern aus. „Dani“ hat sogar seinen Facebook-Account gelöscht. Der schnelle Anfang vom Ende ist das aber nicht für den VfL. Eher im Gegenteil.

Der VfL bekräftigt – man werde eine neue Sektion aufbauen für den Bereich „FIFA“. Die Wolfsburger sind die ersten, die sich in Deutschland auf dieses Parkett wagen – in anderen europäischen Ländern ist das schon längst Alltag. Auch der VfL hat bereits erfolgreich ein e-Sport-Turnier veranstaltet – in der „Erlebniswelt“ sind Konsolen installiert. Wie es konkret beim VfL im Bereich E-Sport weitergehen soll, ohne Fink, soll noch in diesem Jahr bekanntgegeben werden.

Aushängeschild bleibt Benedikt  „Salz0r“ Saltzer. „Ich will eigentlich nur spielen“, sagt der Physik-Student, der sich schon international einen guten Namen „erspielt“ hat. Benedikt „Salz0r“ Saltzer wird auch weiterhin professionell vom VfL Wolfsburg unterstützt und geht für den VfL an nationalen und internationalen Wettbewerben an den Start. Täglich trainiert „Salz0r“ mit der Fußballsimulation „FIFA“, mindestens „fünf bis sechs Stunden“. „Im Moment trainiere ich vor allem Standardsituationen wie Eckbälle und Freistöße. Die müssen sitzen“, erklärt der Meister-Spieler. Dazu wird auch noch auf unterschiedlichen Konsolen gespielt, die alle ihre Besonderheiten haben. „Zwischen dem realen und dem digitalen Fußball gibt es immer mehr Berührungspunkte. Die Spiele werden von Jahr zu Jahr realistischer und finden sowohl bei unseren Profis als auch bei unseren Fans großen Anklang. Mit unserem Engagement wollen wir beide Welten zukünftig noch enger zusammenführen“, so Klaus Allofs, VfL-Geschäftsführer im Bereich, zu den Beweggründen des Engagements. Benedikt tritt in der Electronic Sports League (ESL) an, in der sich weltweit rund vier Millionen Spieler online duellieren. Im Mai holte sich „Salz0r“ den vierten Deutschen Meistertitel bei den ESL Pro Series. Anfang November aber scheiterte der VfL-E-Sportler beim „Electronic Sports World Cup“ in Paris und schied schon in der Vorrunde aus.„Das neue Spiel hat sich extrem geändert.

In „FIFA 15“ war der Sprintfaktor sehr entscheidend, beim neuen „FIFA“ kommt es eher auf den Ballbesitz und den taktischen Aufbau an. Man muss den Spielaufbau planen, die Spieler im richtigen Moment in die Räume schicken und darf dabei natürlich die Defensive nicht vernachlässigen“, so Saltzer. Bei einem neuen „FIFA“-Spiel komme es durchaus mal vor, dass auch der professionelle E-Sportler gegen einen Laien verliert. Echte Favoriten gab es bei den 32 Startern darum auch nicht. „Drei bis vier Namen sind immer ganz vorne dabei. Aber es gibt auch ab und an unbekannte Spieler, die einschlagen wie eine Bombe. Denen liegt die neue Version dann auf Anhieb und sie können überraschend vorne liegen.“

Für den vierfachen Deutschen Meister heißt es nun: neue Ziele für 2016 setzen. „Die nächsten Turniere stehen bereits an – natürlich ist es auch ein Traum, im nächsten Jahr wieder beim Electronic Sports World Cup dabei zu sein, weiter zu kommen und eventuell oben mitzuspielen.“ Spaß hat Benedikt Saltzer noch immer am Spiel, „sonst könnte man das tägliche Training auch nicht machen, neben der Uni“. Feste Trainingspartner ermöglichen die Simulation diverser Spielzüge. „Online ist das schwieriger, weil die Spieler eben so unterschiedlich sind.“ Jede neue Version fordert die E-Sportler extrem: „Man braucht im Durchschnitt ein bis zwei Monate, bis man auch auf der neuen Version das vorherige Spielniveau erreicht.“ Die Entwicklung der Spiele ist rasant und fordert neue Taktiken und Spielzüge. „Bei „FIFA 09“ wussten wir, wenn du aus einer bestimmten Position schießt, geht der Ball auch rein – danach konnte man sich richten. Das ist heute nicht mehr so, die Spiele werden immer realer.“ Wutanfälle kennt der E-Sportler nicht wirklich. „Auch wenn du hundert Chancen hast und keine reingeht, heißt es, cool zu bleiben, sonst nutzt das der Gegner aus. Ich habe noch nie einen Controller gegen die Wand gepfeffert“, sagt Saltzer.

Wie im realen Fußball werden die Spielsysteme gewechselt – und auch auf die richtigen Auswechslungen kommt es an. Allerdings signalisiert ein roter Balken, wenn einem Spieler die Puste ausgeht. Das macht es leichter als in der Realität. Bei den Wettkämpfen darf jeder Sportler vier Teams aufstellen, die er im Turnierverlauf wechselt. Jedes Team darf aber nur zweimal auflaufen. Längst kennt „Salz0r“ die Gegner nicht mehr alle. „Da kommen ja täglich welche dazu – und da gibt es dann auch immer wieder Überraschungen.“

E-Sportler-Benedikt Saltzer und Daniel Fink © Vfl Wolfsburg

E-Sportler-Benedikt Saltzer und Daniel Fink © Vfl Wolfsburg

Benedikt Saltzer lernte das Spiel vor zehn Jahren kennen, ist seit 2009 unter den Top 10 in Deutschland. In der „Bundesliga“ spielt er mit einer Wolfsburger Formation – allerdings „wurden die Verteidiger im Spiel langsamer gemacht als bei der echten Bundesliga-Elf – das ist aber normal.“ Besonders komme es auf Konzentration, Kondition und Spielverständnis an, verrät der E-Sportler. „Man muss sich durchbeißen und darf nicht die Geduld verlieren.“

Das Interesse am E-Sport ist weltweit riesig. Bei der WM schauten Tausende von Fans vor Ort zu und verfolgten die Wettbewerbe im Internet. Benedikt Saltzer träumt davon, dass es eine echte Bundesliga mit allen Bundesligavereinen gibt, die dann zeitgleich zu den realen Spielen auch virtuell antreten. Vor oder nach den Begegnungen auf dem Rasen wäre natürlich auch eine Option – denn viele, wie auch Benedikt, sind auch Fans des „echten Fußballs“.

Text Frank Kornath
Fotos VfL Wolfsburg

Kategorie:Sonstiges

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