»Fußball ist gefährlicher«

Franziska Lyß©privat1

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Franziska Lyß vor dem Löwen-Box-Cup

Die Historie des Frauenboxens geht zurück bis ins frühe 18. Jahrhundert. Die erste offizielle Weltmeisterin: Elizabeth Wilkinson, eine Britin. Das war 1722. Trotzdem sollte es fast 300 Jahre dauern, bis Frauenboxen auch olympisch wurde und damit bei der breiten Masse sportlich anerkannt war. Auch in der Region erfreut sich Frauenboxen einer immer größeren Beliebtheit, wie auch Franziska Lyß vom Box-Club 72 zu berichten weiß. Aktuell bereitet sich die 27-Jährige auf den 6. Braunschweiger Löwen-Box-Cup vor.

inSport Frau Lyß, im vergangenen Jahr traten Sie bei der Deutschen Meisterschaft an. Trotz eines verletzten Ellenbogens wurden Sie Dritte. Wie haben Sie sich nach dem Ausscheiden gefühlt?
Lyß Ich habe gegen die absolute Favoritin einen super Kampf geliefert und bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Auch von dem dortigen Kampfgericht und den Trainern wurde ich beglückwünscht für so eine tolle Leistung.

inSport Überwiegt die Freude oder ist man zunächst schon etwas enttäuscht?
Lyß Bei der Siegerehrung am nächsten Tag war ich immer noch stolz auf meine Leistung. Doch ich muss zugeben: Ein wenig habe ich mich schon geärgert, da ich die Möglichkeit auf das Finale hatte.

inSport Gerade wenn man verletzt ist, muss es umso schwieriger sein, weiterzukämpfen. Wie haben Sie sich motiviert?
Lyß Nach dem ersten Kampf dachte ich nur: Verdammt, wieso muss der Ellenbogen jetzt wieder anfangen, so weh zu tun? Ich hatte die Verletzung ja schon seit Mai 2013 und daraufhin aber noch fast ein halbes Jahr weitergeboxt. Erst dann habe ich verletzungsbedingt eine Pause eingelegt. Anfang 2014 habe ich dann mit einer Sportpsychologin der Universität Hildesheim zusammengearbeitet und verschiedene Methoden und Techniken entwickelt, wie ich den Schmerz und die Verletzung in Kämpfen in positive Motivation umwandeln kann. Vor dem Kampf gegen die Favoritin bei der Deutschen Meisterschaft im letzten Jahr bin ich dann genau diese Techniken durchgegangen.

inSport Nach dem dritten Platz, geht man da noch ehrgeiziger an das Training heran oder lässt man es danach erst einmal lockerer angehen?
Lyß Ich habe trotzdem weiter hart trainiert, da ich das Angebot hatte, bei einem Vergleichskampf gegen Tschechien dabei zu sein. Außerdem sollte es nach Südafrika gehen, um dort weitere Kämpfe zu absolvieren. Die Niedersachsenmeisterschaften standen auch noch an. Leider wurde aus den Kämpfen in Tschechien und Südafrika nichts – der Grund dafür waren Umstrukturierungen des Verbandes. Auch bei den Niedersachsenmeisterschaften gab es keine Gegnerin für mich, sodass ich dort nicht antreten konnte …

inSport Beim 6. Braunschweiger Löwen-Box-Cup werden Sie ebenfalls antreten. Wie bereiten Sie sich speziell darauf vor?
Lyß Da ich erst seit September wieder trainiere, lege ich meinen Schwerpunkt auf die Partnerübungen und das Sparring, um das Gefühl für den Gegner zu bekommen. Des Weiteren arbeite ich mit meinem Trainer Thomas Meyer viel im Technik-Taktik-Bereich.

inSport Das Risiko, sich ernsthaft und langfristig beim Boxen zu verletzen, ist allgegenwärtig. Wie gehen Sie damit um?
Lyß An Verletzungen darf man nicht großartig denken. Auch ist Boxen, was Verletzungen angeht, nicht so gefährlich wie Fußball. Der Unterschied ist, dass beim Boxen immer mit entsprechendem Schutz gekämpft wird und man sich der Gefahr bewusst ist. Die häufigsten Verletzungen kommen, wie überall im Sport, einerseits durch Überlastung des eigenen Körpers und andererseits durch mangelnde Konzentration.

inSport Könnten Sie sich vorstellen, Boxen als hauptberufliche Tätigkeiten zu betreiben? Ist das als Boxerin überhaupt lohnenswert?
Lyß Das Boxen im Profibereich ist für Männer sowie für Frauen nur für die wenigsten eine hauptberufliche Tätigkeit. Beruflich möchte ich später aber schon im Sport bleiben. Die Spezialisierung auf eine Richtung – zum Beispiel Training oder Reha – erfolgt in meinem Studium, das ich bereits vor einigen Jahren begonnen habe.

inSport Ist es schwierig, sich als Frau in einem männerdominierten Sport durchzusetzen?  
Lyß Als ich mit dem Boxen vor sieben Jahren angefangen habe, war ich im Verein die erste Frau. Anfangs wurde ich von vielen nur belächelt. Doch das Frauenboxen hat in den letzten Jahren einen großen Fortschritt gemacht. Es gibt zum Beispiel seit einigen Jahren für die jüngeren Frauen Welt- und Europameisterschaften. Auch in unserem Verein in Braunschweig trainieren inzwischen mehrere Frauen und Mädchen. Neue Boxerinnen sind uns jederzeit willkommen und werden schnell ins Team integriert.

inSport Was sind Ihre Pläne für die nächste Zukunft?
Lyß Meine Pläne betreffen primär mein persönliches beziehungsweise akademisches Leben: Im kommenden Wintersemester setze ich mein Sportstudium fort und will dann meinen Master machen. Sportlich gesehen möchte ich in der Zukunft einfach Spaß am Sport haben. Und diesen Spaß auch an andere weitergeben.

Info
Im 6. Braunschweiger Löwen-Box-Cup tritt der Box-Club 72 Braunschweig – unter anderem mit Franziska Lyß – gegen den Spandauer Box-Club e.V. 26 an. Der Cup findet am Samstag, den 14. November ab 16 Uhr in der Sporthalle Naumburgstraße in der Südstadt/Heidberg statt. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.box-club72-braunschweig.de.

Franziska Lyß©privat

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Ausgezeichnet
Dass Boxen nicht nur gut für Körper und Geist ist, sondern auch eine positive Integration herbeiführen kann, zeigt das Flüchtlingsprojekt des Box-Club 72 Braunschweig, das kürzlich mit dem „TAZ Panter Preis“ ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnung der Berliner Zeitung würdigt Menschen, die sich mit großem persönlichen Einsatz für andere stark machen. Das trifft auch auf Lina Schönefeld zu, die das Projekt für Flüchtlinge ins Leben gerufen hat. Die 27-Jährige, die im Box-Club auch selber Trainings gibt, möchte Flüchtlinge motivieren, sich körperlich zu betätigen und durch den Sport neue Menschen kennenzulernen. Der Vorstand des Vereins mit Präsident Michael Rasehorn zeigte sich sehr stolz und stellte in Aussicht, den für den Preis dotierten mittleren vierstelligen Betrag für den Ausbau des Projekts zu nutzen.

Text Ann-Kathrin Ewald
Fotos Privat

Kategorie:Sonstiges

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