Fußball, Fußball und …

Ballwanz (c) Holger Ballwanz

Ballwanz (c) Holger Ballwanz

… Holger Ballwanz?

Fußball ist alles“ – ein Leitmotiv, das perfekt zu Holger Ballwanz passt. Bei dem ehemaligen Kicker des VfL Wolfsburg, der auf 199 Spiele für die Grün-Weißen kommt,  dreht sich (fast) alles um das rollende Leder. „Hobbys? Außer Fußball?“ – Ballwanz kann sich das einfach nicht vorstellen. „Wenn ich frei habe, genieße ich die Zeit mit meiner Frau Ulrike. Mal ins Kino, Essen gehen, Zweisamkeit. Aber mindestens sechs Tage pro  Woche lebt der ehemalige Abwehrspieler aktiv im Fußballzirkus. „Manchmal auch sieben.“

Acht Jahre, von 1992 bis 2000, kickte „Balli“ für die Wölfe, stieg in die 1. Bundesliga auf. Der Abwehrspieler wechselte vom HSV zum damaligen Zweitligisten; kam, sah, kickte und siegte. Und blieb auch nach der Karriere – als Jugendtrainer, als Co-Trainer der Herren … Seit rund 14 Jahren ist der gebürtige Möllner zudem Fanbeauftragter.

„Als ich damals von Peter Pander gefragt wurde, musste ich nicht lange darüber nachdenken“, erinnert sich Holger Ballwanz. „Zu den Fans hatte ich schon immer einen guten Draht. Als Frohnatur und Organisator passte das gut zusammen.“ Er sollte Recht behalten – obwohl Fanbeauftragte anderer Vereine erstmal skeptisch waren. „Ein Profi in der Funktion – das war neu, aber ich bin dann doch sehr schnell klar gekommen.“

2001 – da tickte die Fußballwelt in Wolfsburg  noch anders. Die Fanszene war noch im Aufbau, das Büro am Elsterweg, Gespräche gab es im lauschigen Vereinsheim. Heute sitzt Holger Ballwanz im neu erbauten Fanhaus, mittendrin zwischen Volkswagen Arena und AOK Stadion. „Da bin ich auch ein wenig stolz, dazu einen kleinen Teil beigetragen zu haben.“  Der Elsterweg ist für den Spieler Ballwanz der Ort mit den meisten Erinnerungen. „Dass sich das so entwickelt, hätte ich damals nie gedacht.“

Alle kennen und lieben „Balli“. Als Ansprechpartner der Fans, als Organisator und als gefragter Fachmann im Stadion und im TV. „Dass ich heute so bekannt und wohl auch beliebt bin, zeigt mir, dass es sportlich wohl immer gepasst hat. Und menschlich? Ich war schon immer ein geiler Typ!“, schmunzelt Holger Ballwanz mit einem entwaffnenden Lächeln, das nur einmal mehr deutlich macht, dass er den Schalk im Nacken hat. „Die Fans merken ja auch, dass ich mich für deren Belange stets einsetze.“

Höhepunkte? Da muss Holger Ballwanz nicht lange überlegen: „Als Spieler das Pokalfinale und der sensationelle Aufstieg, als Fanbeauftragter natürlich die Meisterschaft und der Pokalsieg.“
Sprüche von und über Nachbarvereine sieht Holger Ballwanz gelassen. „Ich sehe Fußball als Begegnungsstätte – aber Rivalität ist schon wichtig. Auf dem Rasen, nicht um das Spiel herum. Jeder soll seine Mannschaft nach Kräften unterstützen.  Auf Scharmützel außerhalb des Stadions reagiere ich aber durchaus allergisch.“

Fußball ist nun mal das Wichtigste in seinem Leben und „das wird auch immer so bleiben. Meine Frau ist fast immer dabei und auch unser Freundeskreis hat immer was mit Fußball zu tun – das bleibt nicht aus. Und dass das meine Frau mit mir teilt, ist das Geheimnis für unsere schöne und gut laufende Ehe.“

Nur selbst kicken, das kann „Balli“ nicht mehr. „Wir haben immer eine Montagsrunde gehabt in der SoccaFive, und in der Traditionself habe ich auch gern gespielt – aber mein lädiertes Knie lässt das nicht mehr zu. Die „gewonnene“ Zeit hat er gleich genutzt und engagiert sich für die Aktion „Zeig’ Rassismus die Rote Karte“.

„Jedes Jahr kommt immer was Neues auf: die Pyrodiskussion oder jetzt die verschärften Kontrollen – das wird nie langweilig. Aber die Fans haben für die Kontrollen Verständnis. Beschwerden gab es deswegen noch nicht. Jetzt freut sich „Balli“ auf die Mehrarbeit durch den Erfolg in der Champions League. „Ich habe meine Siegesprämie aber noch nicht ausgehandelt …“ Ein typischer Ballwanz!

Text Frank Kornath
Foto Holger Ballwanz

Kategorie:Historie

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