Elektrische Muskelstimulation

EMS (c) Maria Lueer

Was steckt hinter dem Wunder-Training EMS?

Der Bauch soll weg und die Figur war auch schon einmal straffer? Man müsste endlich mal wieder den Bizeps und die Oberschenkel trainieren? Und das bitte alles schnell und effektiv. Das Zauberwort dafür: EMS-Training – die angeblich moderne Möglichkeit, mit minimalistischem Zeitaufwand Fett verschwinden und Muskeln wachsen zu lassen.

Hanteln, Laufbänder und Kraftmaschinen? Das war gestern. Heute wird mit der EMS-Trainings-Methode auf die elektrische Muskelstimulation gesetzt. Für ein effektives Ganzkörper-Workout werden dabei in weniger als einer halben Stunde kleine Spannungsimpulse genutzt, die durch Elektroden von außen durch die Haut an die Muskeln geleitet werden und diese dabei gleichmäßig trainieren. Durch die Kontraktionen der Muskeln werden die natürlichen Bewegungen des Körpers imitiert und während der Muskel arbeitet, wird gleichzeitig die lokale Durchblutung angeregt. Mit Ausführung aktiver Bewegungen während der Stimulation mit zusätzlich bewusster Ansteuerung besonderer Muskelketten kann die gewonnene Kraft besonders effektiv in sportliche Zielbewegungen umgesetzt werden. In hautenger Funktionswäsche, einer Weste und Manschetten um Hüfte, Oberschenkeln und Armen, an denen lauter Elektroden hängen, werden dem Sportler in Intervallen die Elektroimpulse einige Sekunden lang durch den Körper geschossen. „In den ersten fünf Minuten denkst du: Mensch, das ist jetzt irgendwie was anderes! Es ist aber nicht schlimm, man kennt es einfach nur nicht. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dann ist das ein cooles Gefühl“, beschreibt Tanz-Ikone Isabel Edvardsson ihr Empfinden am ersten EMS-Trainingstag bei Muskelimpuls in Braunschweig.

Die Vorteile
Der Vorteil des EMS-Workouts besteht darin, dass alle Muskelgruppen gleichzeitig trainiert, die Stärke der Impulse aber auch individuell geregelt werden können. So können Laufsportler etwa speziell die Oberschenkelmuskulatur trainieren. Abgesehen von der Zeit, die man hier sparen kann, soll die Methode extrem wirkungsvoll sein – sei es Muskelaufbau, Stärkung des Herzkreislaufsystems oder Gewichtsreduktion. „Auch bei Rückenproblemen wird EMS eingesetzt, da es auch die Tiefenmuskulatur erreicht, welche für die Stabilisierung der Wirbelsäule mitverantwortlich ist“, erklärt Christian Haertle, Geschäftsführer von Hygia Fitness. Gefährlich sind die Elektroimpulse bei kompetenter Anwendung übrigens nicht: Die Impulse besitzen eine niedrige Frequenz und haben auf einen gesunden Körper keine negativen Auswirkungen. „Wenn man darauf steht, schnell Ergebnisse zu erzielen, dann ist die Methode super. Mein Lieblingsort ist und bleibt natürlich die Tanzhalle – als Ausgleich eignet sich EMS aber gewiss gut“, so Edvardsson. Allerdings sollte EMS nicht ohne geschultes Personal genutzt werden, „da die Verletzungsgefahr sonst zu hoch und das Training auch nicht so effektiv ist“, verdeutlicht Haertle.

Der Haken
Einige Sportwissenschaftler sind sich sicher: Nach etwa 18 Trainingseinheiten – im Niedrigfrequenzbereich – ist mit der EMS-Methode keine weitere Steigerung möglich. Auch sei ein reines EMS-Training falsch, da die Konditions- und Koordinationskomponenten zu kurz kommen. Ein weiterer Haken: Das EMS-Training ist nicht ganz billig – dies gilt insbesondere, wenn man sich ein entsprechendes Gerät für Zuhause zulegen will, dann wäre eine Investition zwischen zehn- und zwölftausend Euro notwendig.

Fazit
Es klingt alles fast zu schön, um wahr zu sein: Zwanzig Minuten pro Woche sollen reichen, um mehrere Stunden Pumpen zu ersetzen. Vor allem für Menschen, die wenig Zeit für Bewegung aufwenden können oder wollen, ist EMS eine Alternative. Aber seien wir doch mal ehrlich: Das gute alte Training an der frischen Luft wird damit nicht ersetzt.

Text Maria Lüer
Foto Maria Lueer

Kategorie:Fitness

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