»Ein Mix aus Tauchen, Surfen, Fliegen«

Ray Diving © Archer Klarmann

Ray Diving © Archer Klarmann

Der neue Trendsport heißt »Ray Diving«

Die Welt ist ein Dorf. F ür Archer Klarmann und Gordian Gasch sollte sich dieser Spruch bewahrheiten. Der eine, Gordian, verbrachte schon als Kind seine Ferien im Harz, der andere, Archer, fuhr im Winter einfach nur 40 Kilometer die Berge hoch. So lernte man sich einst kennen – auf dem Torfhaus. Aber erst viele Jahre später traf man sich wieder – auf Mallorca. Dachdeckermeister Archer hatte die Nase voll von den Dächern in Südostniedersachsen, studierte Medien- und Eventmanagement an der deutschen Ascenso-Universität in Palma de Mallorca, gründete mit Kommilitonen eine Filmproduktionsfirma. Der andere, Tauchfreak Gordian aus dem Ruhrpott, tummelte sich auf Mallorca als Anbieter von Wassersporterlebnissen. Und als der Filmer Wassersportaufnahmen für einen Musikclip machen sollte, traf er auf ein bekanntes Gesicht, auf Gordian. Seitdem ist er von einem neuen Sport besessen: Ray Diving. Erfunden hat’s? Na klar, der Gordian!

Ray Diving? „Es ist eine Mischung aus Tauchen, Surfen und Fliegen – mit einem Schuss Wasserski unter Wasser“, beschreibt Archer Klarmann seinen neuen Lieblingssport. „Man fliegt durch das Wasser – sensationelle Bilder!“ Drauf gekommen ist Gordian Gasch schon vor acht Jahren. Um den Meeresboden abzusuchen, wurden Beobachter an einem Holzbrett hinter einem Boot hergezogen. Er probierte es selbst aus – und war erst einmal enttäuscht. „Die Manövriereigenschaften einer Holzplanke sind gleich Null“, grinst Mr. Ray Diving. Da geht mehr – dachte er sich und griff zum Schnitzwerkzeug. Heraus kam ein Board in Rochenform. „Das hat einige Modelle gekostet und viel Zeit im Wasser“, erinnert sich Gordian. „Insgesamt habe ich wohl sieben Jahre gebraucht, bis ich zufrieden war. Experimente mit Werkstoffen wie Holz, Aluminium, Kunststoffen … Ich habe mich nicht bewusst für die Rochenform entschieden. Es hat sich einfach so ergeben. Die perfekte Form. So habe ich das Board dann auch ‚Ray Board‘ genannt. Und das Tauchen damit ‚Ray Diving‘.“

Der Spaßfaktor ist immens – obwohl nur im moderaten Schritttempo gezogen wird. Durch die aerodynamischen Eigenschaften des Boards bestimmen Ray Diver selbst, ob sie auf- oder abtauchen wollen. Besonders sportlich muss man nicht sein – allerdings wie beim Schnorcheln die Luft anhalten können. „Der Körper signalisiert dir immer seine Grenzen. Sei es in der endenden Luft oder in den Ohren durch den Wasserdruck“, erläutert Gordian. „Aber um tief zu tauchen geht es ja eigentlich nicht. Mit dem Drehen um die Zugachse eröffnet sich natürlich erst der dreidimensionale Raum. Hat man den Dreh raus, ist es wirklich einfach. Manche können es sogar intuitiv, speziell Kinder. Andere tun sich schwerer. Beim zweiten Mal klappt es aber fast immer. Ansonsten macht das Auf- und Abtauchen, das Dahingleiten, alleine schon riesigen Spaß.“ Fast wäre der Traum von Gordian Gasch aber noch geplatzt. Ein Tauchsportanbieter stieg in seine One-Man-Firma ein, produzierte Boards aus Kunststoff. „Die Boards hielten dem Wasserdruck teilweise nicht stand. Einige sind in größeren Tiefen dann einfach geplatzt.“ Hilfe fand er im österreichischen Waldviertel. „Birkenholz erwies sich als ideal – ökologisch, druckfest, mit idealer Tauch- und Drehfähigkeit.“ Inzwischen hat sein neues Board schon Hunderte von Menschen die Reise in die rasante Unterwasserwelt erleben lassen. Darunter auch Gehbehinderte und sogar Querschnittsgelähmte. „Die leichte Streckwirkung wird auch von Rückenkranken als schmerzlindernd empfunden.“ Zusammen mit Fans entwickelte Gasch auf Mallorca bereits sportliche Wettbewerbe. „Wir haben schon unseren Triathlon“, schwärmt auch Archer Klarmann, wenn er mal die Kamera zur Seite legt. „In zehn Metern Tiefe wurde ein Tor zum Durchtauchen platziert. Dann kommt noch Ringetauchen und Tieftauchen dazu.“ Gordian Gasch will natürlich mit seiner Entwicklung bald weltweit am Start sein, „aber nur mit Fans über Crowdfunding“. Einen ersten Ableger gibt es schon in Ägypten. Eine Werkstatt in Österreich.

Und was steht als nächstes auf dem Plan des Tüftlers mit dem Fun-Gen? „Was ich tue, steckt in uns allen. Die Herausforderung ist nur, uns dessen bewusst zu werden, wozu wir in der Lage sind, und dann den nötigen Freiraum zu schaffen. Schön wäre ein ökologisches Auto. Und dann ein tauchendes Segelboot …“

Text Frank Kornath
Foto Archer Klarmann

Kategorie:Extremsport

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