Dribbling, Träume, Traubenzucker

Jannik und Niklas(c)Leonie Steger

Jannik und Niklas(c)Leonie Steger

Löwen-Talente Jannik und Niklas über ihre Basketballkarriere

Kein BBL-Profi-Team ohne Nachwuchsförderung – so ist es in der Basketball-Bundesliga vorgeschrieben, und so wird es in Braunschweig auch als Philosophie gelebt. Nicht nur die ProAs und -Bs sind in die Saison gestartet, auch die JBBL (U16) und NBBL (U19) haben schon Spiele bestritten. Wir sprachen mit dem JBBL-Spieler Jannik Krückeberg-Saathoff und mit dem NBBL-Neuzugang Niklas Bilski. Letzterer siedelte erst kürzlich aus Gießen über und steht nun nicht nur bei den Junior Löwen U19 und den Herzögen Wolfenbüttel in der ProB auf dem Parkett, er trainiert auch bei den Basketball Löwen – und absolviert derzeit ein freiwilliges soziales Jahr bei der SG Braunschweig.

inSport Zunächst zu dir, Jannik: Du bist verletzt, was ist passiert?
Jannik Gegen TuS Lichterfelde habe ich mir einen Bänderriss am Außenband zugezogen – 16 Sekunden vor Spielende, das war ein bisschen bitter. Ich muss jetzt noch drei bis vier Wochen pausieren und dann kann ich wieder loslegen.

inSport Niklas, hattest du so etwas auch schon? Ein Bänderriss ist ja der Klassiker unter den Sportverletzungen.
Niklas Ich hatte bisher nur einmal einen Bänderriss – das ist aber schon etwas länger her – da bin ich nach zwei Wochen aber schon wieder ins Training eingestiegen. Mehr hatte ich glücklicherweise noch nicht.

inSport Du bist erst seit Kurzem in Braunschweig, wie bist du hier gelandet?
Niklas Ich kam im August hierher, und wurde sofort sehr gut aufgenommen. Vorher kannte ich auch schon ein paar Leute – Robin Amaize aus Gießen und Lars Lagerpusch von der Nationalmannschaft etwa. Ich bin dann hier unter anderem gleich mit in das Training bei den Löwen-Profis eingestiegen, das heißt, ich trainiere dort morgens immer mit. Da spiele ich aber nicht, sondern in der NBBL für die Junior Löwen U19 und auch beim ProB-Kooperationspartner Herzöge Wolfenbüttel. Außerdem habe ich gleich hier in der Nähe eine Wohnung gefunden. Ich wohne jetzt in einer Dreier-WG mit Freunden. Das macht sehr viel Spaß. Es ist schon etwas anderes, nicht mehr zuhause zu wohnen – aber ja, man wird dadurch selbstständig.

inSport Anfang der letzten Saison sagtest du dem Gießener Anzeiger gegenüber noch, dass du auf jeden Fall bei deiner Familie bleiben möchtest.
Niklas Ja, aber ich wollte dann doch mal etwas anderes. Eigentlich möchte ich nicht immer im gleichen Umfeld sein. Zwar ist der Jugendbereich hier zuletzt nicht ganz so erfolgreich gewesen, aber überall kann man etwas ändern und wir wollen auch auf jeden Fall nächstes Jahr die Play-offs erreichen. Unser Ziel ist es, auf sportlichem Wege in der NBBL zu bleiben – und nicht Quali zu spielen, so wie in den letzten zwei, drei Jahren. Da ist es nicht ganz so gut gelaufen, habe ich gehört. Das wollen wir ändern.

inSport Jannik, wie lange spielst du schon Basketball und was sind deine persönlichen Höhepunkte in der noch so jungen Karriere?
Jannik Ich spiele seit 2009 Basketball hier bei der SG Braunschweig. Ich habe in der U10 angefangen und war immer bei den Spielen der Erstliga-Profis dabei. Ich fand das recht interessant und bin dann mal zu einem Probetraining gegangen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mit Basketball angefangen habe. Es hat sich dann zu einem sehr guten Hobby für mich entwickelt und ist auch zu einer Leidenschaft geworden. Meine Höhepunkte waren, dass ich vier Mal im Finale der Niedersachsenmeisterschaft war – allerdings habe ich das Finale jedes Mal mit meiner Mannschaft verloren. Ziemlich bitter. Immer war es sehr knapp und ich finde, man hätte speziell das letzte Finale durchaus gewinnen können. Das war dann auch unser eigener Fehler, wir konnten am Ende einfach nicht mehr die notwendige Konzentration aufbringen.

inSport Und du spielst auch immer noch an deiner Schule, oder?
Jannik Ja, das war für mich auch ein Grund, warum ich auf die IGS Franzsches Feld gegangen bin. Da gab es eben diese Basketballförderung, was ich recht interessant fand, um besser zu werden im Basketball. Mit der Schule machen wir auch immer bei „ Jugend trainiert für Olympia“ mit. Dieses Jahr wurden wir Niedersachsenmeister und konnten bei den Bundesjugendspielen in Berlin antreten, wo wir dann bundesweit den siebten Platz erreicht haben. Eine klasse Leistung. Unsere Schule hat in der Vergangenheit schon einmal bundesweit den siebten Platz erreicht – das war damals mit Dennis Schröder.

inSport Welche Positionen spielt ihr, und welche Stärken braucht man dafür?
Niklas Ich bin Point Guard. Dafür braucht man natürlich Ball-Handling, Schnelligkeit und eine gute Übersicht übers Spielfeld. Man muss das Team zusammenhalten und versuchen, jeden Spieler in Szene zu setzen. Der Point Guard ist sozusagen der Kopf einer Mannschaft, wenn er auf dem Spielfeld ist. Er muss gut organisieren können, anders geht es nicht. Wenn kein Guard da ist, der sein Team führt, verliert man.

Jannik Ich bin Forward. Es ist dabei wichtig, dass man kräftig ist und Muskeln hat, um gute und feste Screens zu stellen. Ich spiele ja Small Forward und Power Forward, da ist es auch gut, wenn man einen guten Mitteldistanzwurf besitzt, um auch ein bisschen variabler zu sein. Viele Power Forwards haben nur Post Moves und so kann man auch mal etwas anderes machen, sodass der Gegenspieler nie weiß, was du vorhast. Man muss den Gegner auch immer Lesen, jede Situation antizipieren, um an ihm vorbeizukommen.

inSport Wie ist das bei den JBBL- und NBBL-Teams, kommt ihr da viel in Kontakt? Ihr seid ja Vereinskollegen …
Niklas Es ist vor allem die Taktik, die alle Teams miteinander verbindet. Die Coaches stimmen sich ab, sodass das System, das gespielt wird, in jeder Mannschaft das gleiche ist. Dadurch wird der Schritt von der Jugend in die höheren Teams wesentlich erleichtert. So wie ich es bisher erfahren habe, haben NBBL und JBBL aber ansonsten nicht so oft Kontakt.
Jannik Na ja, ich habe zum Beispiel schon ein paar Mal bei euch mittrainiert, da hattest du aber ausgerechnet bei der ProB oder bei der ersten Mannschaft Training. Und ansonsten sieht man sich natürlich auch bei den Spielen, wenn man sich gegenseitig unterstützt.
Niklas Ja, da gucken wir natürlich zu. Die JBBL spielt immer als erstes, danach die NBBL. Wenn wir also zwei Heimspiele gleichzeitig haben, unterstützen wir immer auch das andere Team.

inSport Dann wisst ihr ja auch, wie es derzeit bei euren Teams läuft. Beide haben gerade zwei Spiele in Folge gespielt und beide verloren. Woran lag’s?
Niklas Im ersten Spiel gegen Hamburg war es sehr ärgerlich, denn wir hatten es selbst in der Hand: Wir lagen in der Halbzeit mit zwei Punkten zurück und haben es dann im dritten Viertel – ich habe gehört, das ist bei uns das Angstviertel – wieder aus der Hand gegeben. Die gegnerische Mannschaft hat viel von außen getroffen, viele Dreier gemacht. Und im zweiten Spiel, auswärts gegen Oldenburg, war es so, dass sie eigentlich schlechter aufgestellt waren, als das Hamburger Team –, aber da haben wir echt eine Klatsche bekommen. Das war einfach eine peinliche Vorstellung. Wir dürfen uns nicht noch einmal so präsentieren wie in Oldenburg, wir hatten ungefähr 27 Turnover. Allerdings hat auch einer unserer Leistungsträger gefehlt, Lars. Ich denke, mit ihm wäre es ein ganz anderes Spiel gewesen.

inSport Jannik, wie war es bei euch? Du hast ja beide Spiele mitgespielt, bis zu den letzten 16 Sekunden …
Jannik Man muss erstmal sagen, wir haben gegen zwei sehr starke Mannschaften gespielt. Zwei Berliner Mannschaften mit einem tollen Jugendprogramm. Im ersten Spiel war das große Problem, dass wir fast gar nicht gereboundet haben. Der Gegner hatte viel zu viele Offensiv-Rebounds. Das heißt, sie hatten immer wieder die Chance, einen Korb zu machen. Das war das große Problem. Wir brauchen auch noch ein bisschen Zeit, um uns zu finden, richtig miteinander zu harmonieren. Das Beste ist, wenn jeder weiß, was der andere tut, wenn man sozusagen in die Köpfe der Mitspieler gucken kann. Und im zweiten Spiel hatten wir große Probleme beim Spielaufbau. TuSLi hat eine Presse gespielt, damit sind wir überhaupt nicht zurecht gekommen. Wir haben auch gerade große Schwierigkeiten auf der Aufbauposition, denn wir haben momentan nur einen richtig gut ausgebildeten Point Guard, der JBBL-Erfahrung hat, nämlich Lorenz Sagebiel. Daher müssen immer mal wieder Forwards aushelfen. Weil die Forwards aber kaum Erfahrung beim Aufbau haben, ist das schwierig …

inSport Niklas, du machst gerade ein FSJ neben dem Training. Wie oft in der Woche trainiert ihr?
Niklas Ich trainiere jeden Tag zwei Mal. Also in etwa zehn Mal die Woche.

inSport Jannik, kannst du neben der Schule auch so oft trainieren?
Jannik Ich habe vom Verein her vier bis fünf Mal die Woche Training und noch zwei Mal Individualtraining von der Schule aus. Wenn es hochkommt, habe ich sechs bis sieben Mal die Woche Training. Momentan klappt noch alles mit der Schule, das ist das Wichtigste. Ich möchte ja auch das Abitur machen und habe noch drei Jahre Schule vor mir.

inSport Habt ihr Spieler, denen ihr nacheifert, irgendwelche Idole?
Niklas Seitdem ich Basketball spiele, bin ich ein Fan von Kobe Bryant. Er spielt zwar nicht meine Position, er ist Shooting Guard, aber seitdem ich spiele, bin ich auch Fan von den Lakers und seit Kurzem auch von Stephen Curry. Der spielt auch meine Position bei den Golden State Warriors. Er wurde letztes Jahr MVP, das heißt wertvollster Spieler. Er ist schmächtig und nicht gerade der Breiteste – eigentlich einer der Kleinsten in der NBA –, aber er zerstört alle.
Jannik Ich war eigentlich auch schon immer ein großer Kobe-Bryant-Fan. Mit ihm kann ich mich auch vom Spielstil her ein bisschen identifizierten. Und dann fand ich auch immer noch Dirk Nowitzki cool. Der hat das Größte geschafft, nämlich als erster Deutscher die Meisterschaft zu gewinnen. Ich fand auch immer die Geschichte ganz cool mit Holger Geschwindner, seinem Individualtrainer, der ihn trainiert hat und zu dem gemacht hat, was er heute ist: Einer der besten Basketballer der Welt. Und natürlich finde ich auch Dennis cool: Die NBA zu erreichen, das schafft aus Deutschland kaum einer.

inSport Welche Tipps habt ihr für andere junge Nachwuchstalente?
Niklas Es gibt keine Geheimtipps, man muss sich nur immer im Klaren sein, was man will, und ob man das auch wirklich verfolgt . Das ist schwer zu beschreiben … Hard works beats Talent when Talents fails to work hard.
Jannik (lacht) Einen Geheimtipp habe ich nicht, aber vor dem Spiel esse ich immer Traubenzucker. Es ist wichtig, dass man sich nicht zu viel Druck macht, sondern einfach das Spiel spielt.

inSport Auch wenn es mal zwei Niederlagen in Folge gibt?
Niklas Klar! Einfach abhaken und von Spiel zu Spiel denken. Die Vergangenheit kann man sowieso nicht rückgängig machen.
Jannik Erstmal sollte man natürlich analysieren, was man falsch gemacht hat. Aber dann sollte man sich nicht zu lange einen Kopf darüber machen, sonst kann man sich ja nicht aufs nächste Spiel konzentrieren.

inSport Mal ein bisschen herumgesponnen: Mit welchem Team auf der Welt würdet ihr gerne irgendwann spielen?
Jannik Ich finde die Lakers ziemlich interessant – eben wegen Kobe. Und einfach aus dem Bauch heraus würde ich auch sagen: Für Chicago würde ich gerne mal spielen.
Niklas Wenn ich mal ganz unrealistisch sein dürfte, dann würde ich natürlich gerne einmal mit Kobe Bryant zusammen spielen. Es wird wohl nie so kommen, aber ein Traum ist es natürlich schon, irgendwann für Los Angeles zu spielen oder für Golden State. Das wär’ schon was.

Text und Foto Leonie Steger

Kategorie:Basketball

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