Die Zukunft des Budenzaubers

DSC_1745b Ole Wegener BFC Auszeit-Ansprache

Die Meinungen über Futsal, die in den vergangenen Jahren vom Deutschen Fußball Bund (DFB) gezielt geförderte Hallenfußball-Variante, gehen noch immer weit auseinander. Für die einen ist es der kleine Bruder des „echten“ Hallenfußballs, für die anderen ist es der einzig wahre „Budenzauber“. Klar ist: Futsal ist die Zukunft des Hallenfußballs. 

Der DFB schreibt seit der Saison 2014/2015 die Austragung offizieller Hallenfußball-Meisterschaften im Jugendbereich nach Futsal-Regeln vor. Seit dem 1. Juli 2015 gilt diese Vorgabe auch für den Seniorenbereich. Hintergrund: Futsal ist auch die offizielle Hallenfußball-Variante des Weltverbandes FIFA. „Es ist die weltweit am schnellsten wachsende Sportart“, sagt Arne Ruff vom Beach soccer- und Futsal-Club (BFC) Braunschweig. In anderen Ländern habe die Sportart längst einen hohen Stellenwert, so Ruff. Es gibt Welt- und Europameisterschaften, sogar die UEFA-Futsal-League – das Futsal-Pendant zur Champions League – und auch den Spielbetrieb auf nationaler Ebene. „Nur in Deutschland steckt die Sportart noch in den Kinderschuhen“, sagt Ruff.

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Ein Kicker des BFC wird hier gleich von drei Gegenspielern attackiert. © Jens Semmer

 

Einen echten Meilenstein stellte jüngst die Ankündigung des DFB dar, dass er in diesem Jahr eine Futsal-Nationalmannschaft gründen werde. Noch im ersten Halbjahr soll es die ersten Länderspiele geben, 2017 soll die DFB-Auswahl an der Qualifikation für die nächste EM teilnehmen.

In Niedersachsen ist der BFC einer der Vorreiter. Im Jahr 2013 gründete Ruff gemeinsam mit Ole Wegener den Verein, der sich – neben dem sportlichen Erfolg – die Entwicklung des Sports in der Region auf die Fahnen geschrieben hat. „Futsal ist geil, weil es technisch und taktisch anspruchsvoll ist“, sagt Ruff. Er könne die Zweifler und Gegner des Futsal nicht verstehen. Leute, die sagen, Futsal hätte nicht viel mit Fußball zu tun. „Tatsächlich ist Futsal dem Draußen-Fußball doch näher als der Hallenfußball, den man bisher kannte. Draußen gibt es auch keine Banden, die man als Hilfsmittel benutzen kann. Dadurch ist es wichtig, schnell zu spielen, präzise zu spielen, mit den Mitspielern zu kombinieren“, nennt der 31-Jährige, der ebenso wie Wegener im Besitz einer FIFA-FutsalTrainerlizenz ist, Argumente für „seine“ Sportart, in der Grätschen übrigens verboten sind.

Nicht nur mit verbalen Argumenten arbeitet der BFC zurzeit daran, die Popularität des Futsals in der Region zu steigern. Auch der sportliche Erfolg lässt viele fußballinteressierte Zuschauer in Braunschweig aufhorchen. Noch in diesem Monat könnte sich der BFC zum ersten Niedersachsenmeister krönen. Die Mannschaft geht als Tabellenführer in den sechsten und letzten Spieltag der erstmals ausgespielten Futsal-Liga des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV).

Das Saisonfinale steigt am Samstag, 23. Januar, ab 13.30 Uhr in der Halle Am Moritzwinkel in Hannover. Gegner dort ist der Tabellensiebte, VT Rinteln. Neben dem BFC (15 Punkte, 68:26 Tore) haben am letzten Spieltag auch noch der UFC Göttingen (15, 55:20) und Hannover 96 (15, 50:33) Chancen auf den Titel. Die 96er treffen am letzten Spieltag auf die zweite Braunschweiger Mannschaft in der NFV-Futsal-Liga, das Team der TU, das auf dem vorletzten Tabellenplatz steht.

Die Spitzenposition erspielte sich der BFC im Dezember bei seinem Heimspieltag. In der Halle am Franzschen Feld setzte sich der BFC nach dramatischem Spielverlauf mit 9:7 gegen den vorherigen Tabellenführer UFC Göttingen durch (siehe Fotos). Immerhin knapp 100 Zuschauer verfolgten das Spitzenspiel. „Das war in Niedersachsen die bislang größte Kulisse, die ich erlebt habe“, sagte Lorenz Müller, einer der vier für den Spieltag im Dezember eingesetzten Schiedsrichter. Der 19-jährige Hannoveraner leitet bereits seit zwei Jahren FutsalSpiele und ist inzwischen im Kreis Hannover auch für die Ausbildung der Futsal-Referees zuständig.

DSC_1780b Zuschauer bejubeln BFC-Treffer

Die Zuschauer bekamen technisch anspruchsvollen Fußball zu sehen. © Jens Semmer

Und er bemerkt den deutlichen Aufschwung der Sportart ebenfalls: „Anfangs wurden die Schiedsrichter immer noch gefragt, wer Futsal-Spiele pfeifen möchte. Inzwischen ist die Nachfrage der Schiedsrichter größer als der Bedarf“, berichtet Müller. Ihm gefallen die erhöhten technischen Anforderungen an die Spieler beim Futsal. Aufgrund der Regeln gehe es außerdem beim Futsal deutlich schneller und fairer zu als beim „normalen“ Hallenfußball.

Weitere Infos zum Futsal: www.dfb.de/futsal Weitere Infos zum BFC Braunschweig: www.bfc-braunschweig.de

Text und Fotos: Jens Semmer

Kategorie:Allgemein, Fußball

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