Die Ziele sind klar

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Bundesliga-Coach Pavel Gross

Die letzte Eishockeysaison endete für den EHC Wolfsburg nach vielen spannenden und hart umkämpften Spielen mit dem dritten Platz. Die Bundesligisten scheiterten erst in den Play-offs. inSport sprach mit dem Trainer der Grizzly Adams, Pavel Gross, über die vergangene Saison, schwierige Entscheidungen, Spielerwechsel und neue Ziele.
inSport Herr Gross, wie beurteilen Sie rückblickend die abgelaufene Saison? Was waren Ihre Highlights?
Gross Man muss beachten, dass wir eine relativ neue Mannschaft hatten. Während der Saison haben wir noch ein paar Spieler geholt – insgesamt kamen wir auf
14 Neue in der Mannschaft. Da war es auch klar und logisch, dass wir uns erstmal zusammenfinden und zusammenwachsen müssen. Ich glaube, das haben wir in den zwei, drei Monaten auch gut hin bekommen und eine relativ gute Saison gespielt. Vor dem letzten Spiel in Hannover waren wir noch auf dem zweiten Platz und sind dann Dritter geworden. Aufgrund der vielen Verletzungen, die wir teilweise bei unseren Topspielern zu beklagen hatten, haben wir dann aber einfach nicht mehr so gut spielen können.
inSport Lag daran auch das Auscheiden in den Play-offs?
Gross Das war einer der Gründe, warum wir nicht weitergekommen sind und kein Spiel gewonnen haben. Fairerweise muss man auch sagen, dass wir nicht in der Form und nicht so hungrig wie die Straubinger waren.
inSport Haben sich die vielen Spielerwechsel negativ ausgewirkt?
Gross Das kann ich nicht sagen. Denn wenn man trotzdem Dritter in der Bundesliga wird, glaube ich nicht, dass wir viel schlechter gespielt haben. Wenn es so wäre, wären wir vielleicht Achter, Neunter oder Zehnter geworden, aber  wir haben das mit der neuen Mannschaft doch gut hin bekommen.
inSport Insgesamt verließen 11 von 26 Spielern den EHC nach abschließenden Gesprächen nach Saisonende. War solch ein radikaler Schritt nötig?
Gross Ich finde das nicht radikal. Wenn man sieht, dass elf von 26 gegangen sind, heißt das, dass 15 geblieben sind. Das sind fast drei komplette Reihen. Wir sind mit der Zusammenstellung der neuen Mannschaft schon fast fertig. Es fehlen noch zwei Verteidiger und zwei Stürmer, aber das ist normal. Letztendlich finde ich es nicht radikal, es sind eher Änderungen, die sein müssen.
inSport Was geht in Ihnen bei solchen Entscheidungen vor und wie gehen die Spieler damit um?
Gross Die ein oder andere Entscheidung ist für uns natürlich sehr schwer. Letztes Jahr war es zum Beispiel bei Jason Ulmer eine sehr schwere Entscheidung. Es ist schwer, weil es um gute Jungs geht und man auch viele Familien kennt. Aber wir wissen alle, dass nicht alles ewig dauert und irgendwann die Zeit kommt, in der man sich trennen und etwas völlig neues anfangen muss.
inSport Was ist Ihr Ziel für die nächste Saison? Wie wird das Training für die Mannschaft in der Zwischenzeit aussehen?
Gross Die Ziele sind ganz klar: Wir wollen wieder eine gute, konkurrenzfähige Truppe zusammenbekommen und dann wollen wir natürlich auch wieder ein Wort mitreden, wie wir es auch die letzten zwei, drei Jahre gemacht haben. Wenn wir die Play-offs erreicht haben, wollen wir auch mit Erfolg weiterspielen. Die Jungs haben momentan drei, vier Wochen Trainingspause. Nach der Saison muss man sich das gönnen und gar nichts machen, denn nach den acht bis neun Monaten harter Arbeit müssen der Körper und vor allem der Kopf abschalten. Dann fangen die Spieler im Sommer langsam wieder an mit trainieren. Sie bekommen Trainingspläne von uns und werden auch getestet, wenn sie zurückkommen. Man sieht dann sofort, ob sie in der Pause etwas gemacht haben oder nicht.
inSport Für den Sturm verpflichteten Sie Adrian Grygiel, Alexander Polaczek und Simon Danner bis 2014. Was erhoffen Sie sich konkret von diesen Spielern? Was sind ihre besonderen Eigenschaften?
Gross Das sind alles Spieler, die schon eine gewisse Zeit in der Liga sind. Alle drei sind gute Schlittschuhläufer. Ich kenne Simon Danner noch aus meiner Zeit in Frankfurt. Er ist ein sehr solider Spieler, der ehrlich arbeitet. Er ist auch sehr stark an der Scheibe, unangenehm für die anderen, und er wird ein paar Tore für uns schießen, das weiß ich. Alexander Polaczek ist auch ein sehr unangenehmer Spieler. Er kann auch dort hingehen, wo es weh tut. Von ihm erwarten wir, dass er Härte in das Team bringt – allerdings ohne Strafzeiten. Adrian Grygiel braucht nach fünf oder sechs Jahren in Nürnberg eine neue Tapete, eine Änderung. Ich glaube, dass der Wechsel ihm gut tut. Er wird auch zeigen, dass er technisch gut ist. Ich denke, dass alle drei Spieler insgesamt  gut acht bis zehn Tore schießen können.
inSport Sie haben mit Christopher Fischer, Benedikt Kohl, Kai Hospelt und Sebastian Furchner vier Spieler zur Euro Hockey Challenge gegen Russland ins Rennen geschickt. Waren Sie zufrieden mit Ihnen?
Gross Ich habe leider nur ein Spiel gesehen, weil nur eines übertragen wurde. Ich habe sie aber in Tschechien gegen die Tschechen spielen sehen. Sie haben sich dort sehr gut verkauft. Es freut uns immer, wenn wir dort so viele Leute haben. Wie viele letztendlich bleiben, wissen wir auch nicht, aber es würde mich schon freuen, wenn alle vier dort bleiben würden. Ob ich mit ihnen zufrieden war oder nicht, ist eine andere Sache, der dortige Bundestrainer muss mit ihnen zufrieden sein.
inSport Wie würden Sie die Entwicklung des Eishockey in den letzten Jahren in Wolfsburg definieren?
Gross Wir dürfen eine Sache nicht vergessen: Die Tatsache ist, dass die DEL, die Deutsche Eishockeyliga, in Wolfsburg noch relativ frisch ist. Es gibt natürlich andere Teams, die seit 10, 15 oder 20 Jahren in der Liga sind und die Ergebnisse, die wir erreicht haben, noch nie erreichen konnten. Wir können darauf stolz sein, was wir in den sechs, vor allem aber in den letzten vier Jahren erreicht haben. Ergebnisse, mit denen man nicht gerechnet hat, und die eine gute Bestätigung für unsere Arbeit sind. Wir müssen dennoch auf dem Boden bleiben. Wir dürfen nicht denken, dass, wenn wir das erreicht haben, was wir erreicht haben, alles zum Selbstläufer und selbstverständlich wird. Alles ist auch vom Geld abhängig. Finanziell liegen wir im Mittelfeld der Liga, liefern aber wesentlich bessere Ergebnisse. Die Entwicklung finde ich gut, trotzdem müssen wir jeden Tag gut arbeiten.
inSport Würden Sie andere Entscheidungen treffen, wenn Sie die vergangene Saison noch einmal wiederholen könnten?
Gross Ich weiß nicht warum –ich habe ja keine Glaskugel zur Verfügung. Man lernt dafür sehr viel aus Niederlagen und verschiedenen Entscheidungen. Vielleicht würde ich die ein oder andere Entscheidung anders treffen, aber das kann ich jetzt nicht sagen.

 

Hannes Graubohm
Fotos Hannes Graubohm, EHC

Kategorie:Hockey

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