Die Grafs und Beckers von morgen?

Sascha Nensel © www.nenselacademy.de

Sascha Nensel © www.nenselacademy.de

In Peine trainiert Ex-Profi Sascha Nensel jetzt junge Tennistalente

Er trainierte erfolgreich die besten Tennistalente Deutschlands im Profibereich – wie Nicolas Kiefer oder Julia Görges – und als Spieler gehörte er selbst zu den Besten der Top 200 ATP-Rangliste. Jetzt erfüllte er sich in Peine einen Kindheitstraum: Sascha Nensel fördert nun Spitzen-Tennistalente in der Nensel Academy.

Den Gedanken hatte ich schon lange, als ich die wenig genutzte Halle im Naherholungsgebiet meiner Heimatstadt entdeckte“, erinnert sich der ehemalige Tennisprofi Sascha Nensel. Sein Plan: „Eine Sportstätte für junge Menschen zu schaffen, mit optimalen Trainingsbedingungen, für die, die den Wunsch haben, aus dem Hobby einen Beruf zu machen!“

Partner waren schnell gefunden – und so ging es frisch ans Werk. Farbeimer wurden geleert, ein neuer Boden verlegt. Und dann Talente gesichtet. „Wir hätten mit 25 Nachwuchstalenten anfangen können, haben uns aber erst einmal für acht entscheiden. Wir wollen langsam wachsen.“ Dadurch trainieren jetzt zwei Tennisprofitrainer und ein Konditionstrainer diese Gruppe im Alter zwischen elf und 14 Jahren. „In Frankreich trainiert ein Trainer vier Talente – davon sind wir in Deutschland normalerweise weit entfernt. Gruppen von 20 Spielerinnen und Spielern sind da keine Seltenheit.“

Von einer solchen intensiven Förderung hätte Sascha Nensel als Jugendlicher nicht zu träumen gewagt. „Ich möchte eben das Optimum erreichen. Dazu gehört auch, den Eltern reinen Wein einzuschenken, wenn wir meinen, dass es zum Top-Tennistalent eben nicht reichen wird.“ Bei der Aufnahme müssen die Talente natürlich noch nicht perfekt sein – jede Bewerberin, jeder Bewerber wird gesichtet und beurteilt. „Der Weg zum Profi ist anstrengend und kostet auch Geld. Da muss man gegenüber den Kindern und Eltern schon ehrlich sein.“

Für eine Auswahl ist der Standort Peine zentral, meinen die Macher der Akademie. Zwischen Helmstedt, Celle, Goslar und Hannover gibt es sicher viele Talente, die gefördert werden sollten. „Natürlich ist das auch ein finanzielles Risiko – aber wir tragen das ja gemeinsam und sind uns sicher: Der Erfolg unseres Konzepts wird uns Recht geben“, meint der Trainer des Jahres von 2008, Sascha Nensel.

Sascha Nensel©Frank Kornath

Sascha Nensel©Frank Kornath

Darum sieht sich die Academy auch nicht als Konkurrenz zum Vereinssport – eher in der Spitze als Ergänzung, denn nicht jeder Sportfan will auch täglich trainieren. „Da spielen viele Komponenten eine Rolle. Die jungen Leute müssen das auch wollen – und nicht nur deren engagierte Eltern“, sagt der langjährige Bundesstützpunkttrainer des DTB. Mit seiner Trainingsmethodik konnte der Profi schon viele Erfolge feiern – ob bei den Frauen oder Herren. „Da gibt es naturgegebene Unterschiede, die man berücksichtigen muss. Gerade beim Athletiktraining.“ Eine besondere Spezialität von Sascha Nensel, mit der er selbst in der Bundesliga und bei Weltranglistenturnieren manches Match entscheiden konnte.

Damit die Schulausbildung nicht zu kurz kommt, gibt es bereits Kooperationen rund um Peine, weitere sollen folgen. „Auch die Stadt unterstützt unsere Idee“, freut sich Sascha Nensel. Bis zum Sommer soll die Akademie den nächsten Schritt erreicht haben. „Dann sind die Außenplätze fertig, mit verschiedenen Böden. Die Trainer dafür haben wir uns schon ausgesucht.“ Von Tenniscamps, wie es sie in Braunschweig schon gab, hält Sascha Nensel wenig. „Da braucht man schon Geduld und regelmäßiges Training – und auch keine Trainerwechsel. Das kann man mit einem Camp nicht erreichen. Wir können hier individuell arbeiten, am Vormittag, am Wochenende. Gerade bei jungen Spielern ist der Draht zum Trainer sehr wichtig.“

Seinen Abschied vom großen „Tennis-Zirkus“ will Nensel nicht verkünden. „Da habe ich noch einiges vor und die Jahre mit Julia Görges und Nicolas ‚Kiwi‘ Kiefer waren tolle Jahre – und solche will ich noch weiter erfolgreich erleben.“ Zum Beispiel mit seinem Schützling Dusan Lajovic. Diese Erfahrungen bringt er nun auch bei den jungen Talenten mit ein. „Ich hatte eigentlich genug positiven Stress – aber so eine Akademie hat halt gefehlt.“ Ob ein neuer „Bum-Bum-Boris“ oder eine neue Steffi Graf dabei sein werden? „Das waren schon Jahrhundertspieler. Besonders Steffi. So etwas zu wiederholen, ist nahezu unmöglich. Aber wir sind auf einem guten Weg und wollen unseren Teil dazu beitragen.“

Text Frank Kornath
Fotos www.nensel-academy.com, Frank Kornath, Dusty Cline (fotolia)

Kategorie:Sonstiges

Facebook