Die Champions League der Reiter

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Sportveranstaltungen von Weltrang kann man in Braunschweig ja an einer Hand abzählen. Ein Turnier jedoch hat sich in den vergangenen 15 Jahren einen Namen gemacht, der mit Prestige und Klasse verbunden ist und Jahr für Jahr die Weltspitze in die Volkswagenhalle lockt.

Die Löwen-Classics warten inzwischen mit einem so kompakten Programm auf, dass im Grunde jeder Tag echten Spitzensport beinhaltet. Das 4-Sterne-Reitsportevent bietet eine besondere Mischung aus internationalen Größen und jungen Lokalmatadoren. Die Weltspitze kämpft in der Weltranglistenprüfung um Punkte. Drei internationale Touren, zu denen auch vier Weltranglistenspringen zählen, bilden den Kern der Löwen Classics, die insgesamt mit 300.000 Euro dotiert sind. Die besten Nachwuchsreiter des Landes wetteifern zudem um sportliches Prestige. Erstmals wird der Nationenpreis in Braunschweig ausgetragen. Die deutschen Landesverbände treten in einem heiß umkämpften Mannschaftsspringen zur Deutschen Meisterschaft an. Das Pendant zur Mannschaftswertung ist das Deutsche Championat der Landesmeister Springen.

Im U25-Nationenpreis zeigen sich die besten jungen Dressur-Reiter. In Deutschland gibt es nur etwa fünf Vier-Sterne-Turniere. Besser sind nur die Fünf-Sterne-Events. Davon gibt es in Deutschland lediglich zwei. „Wir haben hier also echtes Champions-League-Format“, zieht TurnierOrganisator Axel Milkau einen Vergleich mit der Fußball-Welt. „Der Reitsport ist global gewachsen“, erklärt Milkau. „Inzwischen können Top-Reiter an jedem Wochenende irgendwo auf der Welt um Preisgeld reiten.“ Dennoch sei die Konkurrenz der Veranstaltungen um die besten Reiter nicht gestiegen. „Die Weltspitze ist breiter geworden. Früher gab es Namen wie Beerbaum, die immer oben standen. Heute gibt es solche Abonnenten auf den Sieg nicht mehr. Es sind viele gute Reiter unterwegs“, so Milkau. Dass der Tagessieg schon vorher feststeht – die Zeiten sind vorbei. In Braunschweig treten junge Reiter aus der Region schon mal gegen erfahrene Profis an. „Bei manchen Prüfungen startet David gegen Goliath“, sagt Milkau. „Da kommt echte Pokal-Stimmung auf!“ Ohnehin seien die Zuschauer ein wichtiger Faktor für den Standort. „Die Stimmung im Zusammenspiel mit der Akustik in der Halle sind etwas ganz Besonderes.“

Pr24 - Grand Prix de Dressage - Preis des Handwerks - Nadine Husenbeth mit Florida

Nadine Husenbeth auf Florida gewann 2015 den Grand Prix. © Stroscher und Mark Feldhaus

So etwas findet auch Gehör bei Pferd und Reiter. „Das ist ein Wert, den die Sportler in sich tragen. Die wissen: In Braunschweig fühlt es sich besonders an, in die Halle zu reiten.“ Auch ein Grund, warum jedes Jahr OlympiaTeilnehmer und Weltmeister erwartet werden. Die großen Stars der Szene sind aber wohl hauptsächlich wegen des Preisgeldes am Start. Die Höhe muss selbstverständlich stimmen. Sonst bleiben die Top-Leute weg. „Ein solches Turnier kann man nur mit Hilfe der Wirtschaft stemmen“, sagt Milkau daher. 1,5 Millionen Euro muss er für die Löwen-Classics jedes Jahr in etwa zusammen bekommen. In vielen anderen Ländern werde derzeit deutlich mehr in den Reitsport investiert. Deutschland laufe Gefahr, abgehängt zu werden, findet der Organisator. Dabei sprechen die Zuschauerzahlen und die Stimmung in der Halle dafür, dass dies ein Sport ist, in den es sich zu investieren lohnt. „Reitsport bringt volle Hallen“, sagt Milkau. Der Standort Niedersachsen müsse ohnehin vorweg gehen. Als Pferdeland in puncto Sport und Zucht („Der Hannoveraner ist eine Weltmarke.“) nimmt Niedersachsen eine Leuchtturm-Funktion ein. Insbesondere der Standort Braunschweig hat sich darin eine besondere Rolle erkämpft. So hat Milkau mit dem Förderprogramm der LöwenClassics etwa den Landesleistungsstützpunkt nach Braunschweig geholt. Kaderathleten aus dem ganzen Land trainieren dort. „Wir wollen hier junge Reiter an die Weltspitze heranführen“, sagt der Braunschweiger Sportvermarkter, der selbst fast 35 Jahre als Reitsportler auf Tour war. Hinweis: Die Homepage der Löwen-Classics (loewenclassics.com) wurde komplett überarbeitet. Die neue Fassung ist ab dem 16. Januar online. Dort finden sich auch aktuelle Informationen – etwa Starterlisten und Programmpunkte.

Wenn ein Pferd bei den Löwen-Classics beim Durchreiten des Parcours hier und da ein Hindernis berührt, dabei aber immer noch gut aussieht, hat vor allem einer sein Ziel erreicht: Heiko Wahlers. Als Parcours-Chef denkt er sich die Reihenfolge der Hindernisse aus – die Abstände zwischen den einzelnen Elementen, die Höhe der Hindernisse. Das alles zusammen ist eine Komposition, die im Zusammenspiel mit den Reitern und den Pferden eine ganz besondere Qualität erreichen soll und jedes ReitsportEvent einmalig werden lässt. „Bei einem so wichtigen Turnier wie den Löwen-Classics mache ich mir schon bei der Ausschreibung Monate vorher die ersten Gedanken, wie der Parcours aussehen könnte“, sagt Wahlers, der seit 25 Jahren bei großen und kleinen Turnieren auf der ganzen Welt die Strecken entwickelt.

Parcoursbauer Heiko Wahlers rechts) stellt Pferd und Reiter Hindernisse in den Weg.

Parcoursbauer Heiko Wahlers rechts) stellt Pferd und Reiter Hindernisse in den Weg. © Stroscher und Mark Feldhaus

„Man will immer einen anspruchsvollen Parcours abstecken. Und dann geht es darum, sich immer noch weiter zu steigern bis zum Großen Preis am Sonntag“, schildert der gebürtige Rotenburger (Wümme) die Herausforderung der Parcours-Entwicklung. In Braunschweig beginnt das Turnier gleich mit dem Landeschampionat. „Da gibt es also kein großes Aufwärmen“, sagt der 52-Jährige. Der Parcours-Chef muss stets die Waage halten. „Wenn jeder die Strecke fehlerfrei durchreitet, ist es für Reiter und Zuschauer gleichermaßen langweilig. Andererseits will man aber auch nicht gegen das Pferd arbeiten.“ Das Ziel sei stets, einen flüssigen, rhythmischen und runden Ablauf zu ermöglichen. Wenn aus diesem Bewegungsfluss das Pferd eine Stange berührt, „dann ist das ein sympathischer Fehler. Und den wollen wir sehen“, so Wahlers. Für einen guten Parcours hat er daher eine Faustformel parat: 80 Prozent der Reiter macht vier Fehler oder weniger. Und die Fehler verteilen sich über den ganzen Parcours. Mit der Steigerung der Prüfungen werden die Parcours immer anspruchsvoller und gipfeln im Großen Preis. Dann sind die Hindernisse am höchsten und am breitesten. „Außerdem haben wir dann die höchste Anzahl an Hindernissen im Parcours“, so Wahlers – üblicherweise 16 Sprünge. Auch die reiterlichen Anforderungen sind beim Großen Preis am höchsten. Die Abstände zwischen den Sprüngen sind also am kleinsten.

„Braunschweig ist für mich besonders anspruchsvoll“, betont Wahlers dabei. Die Halle sei kleiner als andere und die ovale Form sei ebenfalls eine Herausforderung für den ParcoursBauer. „Dadurch ist das Turnier an manchen Stellen interessanter als andere“, findet der Experte. Überhaupt: „In Braunschweig ist immer gute Stimmung. Man merkt, dass da viel Fachwissen im Publikum sitzt. Die Zuschauer sind dicht dran am Geschehen.“ Wahlers macht sich schon im Vorfeld Gedanken, wie ein Parcours aussehen könnte. Das endgültige Design entsteht aber immer an Ort und Stelle. „Ich brauche das Gefühl vor Ort“, so Wahlers. Häufig korrigiert er auch seine Annahmen nach einem Durchgang, nachdem er die Pferde und Reiter in Aktion gesehen hat. „Ich könnte jetzt den selben Parcours aufbauen wie im Vorjahr und doch würde es ganz anders laufen“, erklärt Wahlers. Als Wahlers vor 25 Jahren begann, bei offiziellen Turnieren die Parcours zu bauen, hatte er den Entschluss gefasst, davon zu leben. Der begeisterte Reitsportler hatte es als seine Berufung angesehen. Nach einigen Jahren schwenkte er dennoch um. Als selbstständiger Versicherungsberater hat er inzwischen ein zweites berufliches Standbein. Dennoch hat er sich als Parcours-Chef einen internationalen Rang erarbeitet, designt etwa Strecken in Australien und Namibia.

 

Text: Bastian Lüpke
Fotos: Stroscher und Mark Feldhaus

 

Vorläufiges Programm:

Donnerstag, 11. Februar 2016
Einlaufspringen Deutsche Meister schaft der Landesverbände
Deutsches Hallenchampionat der Landesmeister
Youngster Tour
1. Qualifikation Mittlere Tour
CDIO Nationenpreis U25 – Mannschaft
Finale Deutsches Hallenchampionat der Landesmeister
Deutschlands U25 Springpokal der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Freitag, 12. Februar 2016
Deutsche Meisterschaft der Landesverbände
Löwen Classics Special Guests & Friends
2. Qualifikation Mittlere Tour
14 Uhr voraussichtlicher Kartenwechsel
HGW-Bundesnachwuchschampionat der Springreiter, gefördert durch die HorstGebers-Stiftung, In Memoriam Debby Winkler
Finale Deutsche Meisterschaft der Landesverbände
Deutschlands U25 Springpokal der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport
1. Qualifikation Große Tour

Samstag, 13. Februar 2016
CDIO U25
Löwen Classics Special Guests & Friends
Youngster Tour
2. Qualifikation Große Tour
16 Uhr voraussichtlicher Kartenwechsel
HGW-Bundesnachwuchschampionat der Springreiter, gefördert durch die HorstGebers-Stiftung, In Memoriam Debby Winkler
Große Braunschweiger Nacht
Finale Mittlere Tour
Deutschlands U25 Springpokal der Stiftung Deutscher Spitzenpferdesport

Sonntag, 14. Februar 2016
Löwen Classics Special Guests & Friends
CDIO U25
Großer Preis von Volkswagen (Große Tour)

Kategorie:Reitsport

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