Der Rekordmeister

A-Formation BTSC (c) Michael Steffan

A-Formation BTSC (c) Michael Steffan

Wird Rüdiger Knaack seine Formationsteams erneut zum Sieg führen?

Wer sich an seinen ersten Tanz im Rahmen einer Feierlichkeit oder eines Kurses erinnert, denkt dabei vermutlich auch an anrempelnde Mittänzer, fußtretende Partner und die vielen anderen Patzer, die sich aus der Konstellation zweier sich ebenso zueinander wie zum Takt der Musik verhaltender Körper ergeben können. Schwer genug, das Gleichgewicht auf einem Parkett für sich selbst zu finden und aufrecht zu erhalten, stellt das Tanzen mit einem Partner bereits eine besondere Herausforderung in puncto Balance und Ästhetik dar. Die Königsdisziplin unter den Tanzsportarten bildet das choreografierte Tanzen in einer Formation aus acht Paaren.

Aus der in den 1930er Jahren geborenen Idee der sogenannten „Pattern Dances“, die in einem Tanz, ausgeführt von ursprünglich vier Paaren, Bilder auf die Tanzfläche zeichneten, entwickelte sich schnell eine ganz eigenständige Disziplin des Tanzsports, die spätestens mit Einführung der offiziellen Weltmeisterschaften im Jahr 1973 auch in Deutschland Fuß auf den Tanzböden fasste. Bei den heutigen Turnieren wird in Wettkampfformationen getanzt, die in die Sparten Standardtanz und Lateinamerikanische Tänze unterteilt sind. Die deutschen Teams gehören in der Sektion Standart zu den besten überhaupt.

Der Braunschweiger Tanz-Sport-Club e. V. hat in den letzten 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben, von der andere Sportvereine und Mannschaften in der Region nur träumen können. Mit über 30 Titelgewinnen bei nationalen und internationalen Meisterschaften und ihrer aktuellen Choreografie „In constant touch“ sowie als amtierender Weltmeister, stehen die Braunschweiger derzeit an der Spitze der World DanceSport Federation. Nun steht am 28. Februar die fünfte und letzte große Herausforderung der Saison an: der Erstligawettkampf „Formationen Standard“, welcher die deutsche Bundesligaserie für dieses Jahr beschließt. Dabei dreht sich in einer mitreißenden Show alles um die Frage, ob das A-Team abermals den Titel davon tragen wird sowie um den noch sehr unsicheren Klassenerhalt der Formation B.

„Ich würde mir zum Abschluss der Liga-Saison eine sehr gute tänzerische Leistung wünschen, aber auch eine sehr emotionale“, sagt Rüdiger Knaack, der langjährige Trainer und Choreograf der beiden Braunschweiger Teams und fügt hinzu: „Es ist ja ein besonderes Turnier: Zum einen findet es zu Hause statt, zum anderen bildet es den Abschluss der Saison. Das heißt auch, dass ein halbes Jahr, in dem man sich sehr intensiv im Training befand, abgeschlossen ist. Und das ist immer ein ganz besonderes Moment.“

Die anschließende Pause haben sich die beiden Wettkampfteams mehr als verdient: Bis zu siebenmal wöchentlich trainieren sie in der „heißen“ Vorbereitungsphase. „Das sind dann keine sehr langen Trainingseinheiten mehr, aber sie fördern die Routine“, erklärt der Trainer. Dass der BTSC seit Jahren so erfolgreich ist, hat zu großen Teilen mit seinen ausgefallenen und komplexen Kürideen zu tun, mit denen er bei großen Turnieren immer wieder Akzente setzt. „Der Trainer steht dafür, was die Mannschaft auf die Fläche bringt, welche Schwerpunkte gesetzt werden“, fährt Knaack fort. „Da sind wir tänzerisch sehr weit vorn. Auch die Choreografien sind immer wieder Meilensteine in der Entwicklung des Formationstanzsports. Dazu sind die Voraussetzungen hier in Braunschweig sehr gut. Wir haben ein tolles Tanzsportzentrum, der Verband unterstützt uns und wir haben Sponsoren – von daher ist auch das Umfeld hier ein sehr gutes.“

Wer Lust hat, selbst (wieder) einmal das Tanzbein zu schwingen, kann bei einem offenen Probetraining am 21. und 22. Februar im BTSC vorbeischauen und Einblicke in die Kunst des Formationstanzsports gewinnen.

„Grundsätzlich kann zu uns kommen, wer will“, so Knaack. „Wer Interesse und Spaß am Sport hat, kann jederzeit mit dem Tanzen anfangen. Wichtig ist, dass es den Leuten Spaß macht. Wenn sich daraus eine gewisse Zielstrebigkeit ergibt, sichert das letztendlich auch unsere Qualität. Wichtig ist also vor allem die Motivation. Damit kann eigentlich jeder einsteigen.“

Auf die Frage, was ihn persönlich am meisten am Formationstanz reizt, antwortet Knaack: „Das Tanzen allgemein ist für mich sehr reizvoll. Ich liebe Musik und ich tanze sehr gern dazu. Ich bin sehr emotional, was die jeweilige Musik und ihre Umsetzung durch Tanz betrifft. Tanzen ist mein Leben.“

Offenes Probetraining
BTSC, Böcklerstraße (BS)
21. – 22.2.2015 | 13.30 Uhr

Formationen Standard
Volkswagen Halle (BS)
» 1. Bundesliga Turnier
28.2.2015 | 18 Uhr
www.btsc.de

Text Anna Daßler | Foto Michael Steffan

Kategorie:Tanzen

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