Crash happens

Rennen (c) ADAC Motorsport

Rennen (c) ADAC Motorsport

ADAC GT Masters – Rennfahrer Nicki Thiim im Interview

Dreimal überschlug sich das Rennauto des Dänen Nicky Thiim bevor es in einer Mauer einschlug – der Rennauftakt des ADAC GT Masters im vergangenen Jahr hätte für den 26-Jährigen tödlich enden können. Doch bereits wenige Tage später saß er wieder im Rennwagen und wird auch in diesem Jahr beim Saisonauftakt in Oschersleben am Start sein. inSport sprach mit dem PS-Profi über den Unfall, seine aktuellen Ziele und wie es war, aus dem Schatten seines ebenfalls rennfahrenden Vaters Kurt zu treten.

inSport Herr Thiim, im letzten Jahr hatten Sie gleich zu Beginn des Rennens einen spektakulären Unfall. Wie lange dauerte es, bis Sie wieder fit waren und wann haben Sie das Training wieder aufgenommen?
Thiim Der Unfall war ganz schön heftig. Zur Sicherheit musste ich zwei Nächte unter Beobachtung im Krankenhaus bleiben. Aber nach dieser kurzen Schonzeit ging für mich gleich wieder das Training los. Ich starte ja nicht nur bei den GT Masters, deswegen war ich am darauffolgenden Wochenende schon wieder im Einsatz. Allerdings hatte ich durch den Unfall einige Muskelverspannungen, an denen ich zu Hause in Dänemark intensiv mit einem Physiotherapeuten gearbeitet habe.

inSport Jetzt kehren Sie zurück nach Oschersleben. Geht man da mit gemischten Gefühlen an den Start, gab es Überlegungen mit dem Rennsport aufzuhören?
Thiim Ich habe schon gemerkt, dass ich mich in den Wochen nach dem Unfall gerade in der Startsituation zurück genommen habe – der Unfall war ja während des fliegenden Starts passiert. Aber dieses Zurücknehmen ist eher unbewusst abgelaufen. Auch dieses Mal werde ich sicherlich beim Start aufpassen, ganz vergessen kann ich den Unfall nicht. Allerdings habe ich danach nie überlegt aufzuhören. Motorsport ist nun einmal gefährlich und ich denke, dessen ist sich jeder Rennfahrer bewusst. Unfälle sind natürlich nicht schön, gehören aber unabdingbar dazu.

inSport Was ist die Besonderheit der GT Masters im Vergleich zu anderen Rennen?
Thiim Im ADAC GT Masters starten viele verschiedene Sportwagen mit unterschiedlichen Konzepten, das macht die Serie sehr interessant – für den Fan sowie für die Fahrer. Zudem ist der Wettbewerb dort einfach klasse. Außerdem ist die Serie sehr professionell, aber gleichzeitig auch offen und familiär – das gefällt mir besonders gut.

Nicki & sein Team (c) ADAC Motorsport

Nicki & sein Team (c) ADAC Motorsport

inSport Wie bereiten Sie sich persönlich auf ein solches Rennen vor?
Thiim Das ist ein sehr langfristiger Prozess. Ich habe ein sehr umfangreiches Fitnessprogramm, das ich ganzjährig betreibe. Ich fahre in mehreren verschiedenen Rennserien und wenn man viel fährt, sammelt man auch viel Erfahrung. Zahlreiche Fahrer trainieren vor den Rennen im Simulator, das mache ich allerdings nicht. Ich schaue mir aber schon Inboardaufnahmen aus den vergangenen Saisons an, um vor einem Rennwochenende schneller wieder mit der Strecke vertraut zu werden.

inSport Mit dem Rennen in Oschersleben beginnt auch die neue Saison der GT Masters. Was haben Sie sich in diesem Jahr alles vorgenommen?
Thiim Im vergangenen Jahr lief es für mich im ADAC GT Masters nicht immer optimal, ich hatte sehr viel Pech. Ich habe aus den Erfahrungen gelernt und will darauf aufbauen. In diesem Jahr habe ich mit Jordan Lee Pepper aus Südafrika einen neuen Teamkollegen. Er ist im Vergleich mit den anderen noch sehr jung, gerade mal 18 Jahre alt. Meine Aufgabe wird auch sein, ihn zu coachen. Ich muss ganz intensiv mit ihm zusammenarbeiten.

inSport Oschersleben gehört zu den sieben Strecken der GT Masters. Was sind dort die Besonderheiten und welche ist Ihre Lieblingsstrecke?
Thiim Oschersleben ist fahrerisch sehr anspruchsvoll, es ist nicht einfach, einen Rhythmus zu finden. Für die Fans ist es eine der interessantesten Strecken, denn auf kaum einer anderen können sie die Rennen so gut verfolgen wie dort. Auf meiner Lieblingsrennstrecke startet das ADAC GT Masters leider nicht. Das ist Mugello in der Toskana in Italien. Dort wird leider nur sehr selten gefahren, aber die Strecke gefällt mir sehr gut. Vielleicht fahren wir eines Tages mit dem ADAC GT Masters auch einmal dort.

inSport Ihr Vater Kurt war und ist ebenfalls professioneller Rennfahrer. Wurde Ihnen das Rennfahren in die Wiege gelegt?
Thiim Ja, das kann man genau so sagen. Mein Vater hat mir schon im Wochenbett ein Spielzeugauto auf das Kissen gelegt. Ich glaube unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass ich auch Rennfahrer geworden bin. Aber natürlich hat er mir keinen Druck gemacht, auch Rennfahrer zu werden, in seine Fußstapfen zu treten – er hat mir die Möglichkeit aber offen gelassen. Ich bin im Motorsport aufgewachsen und wollte dann auch irgendwann einmal ein Rennen fahren. Mein Vater hat mir dann ein sehr altes Go-Kart gekauft und mir gesagt, wenn ich es schaffe, mich damit gegen die Gegner durchzusetzen, dann habe ich das Zeug zum Rennfahrer. Auf dieselbe Art und Weise hat er damals auch im Motorsport angefangen, er hatte damals nie das beste Material. So musste ich mich auch durchschlagen. Als ich meine Karriere gestartet habe, hat er sich sehr zurückgehalten. Ich wollte aber auch nicht, dass er ständig dabei ist. Das ist nicht immer förderlich für einen jungen Rennfahrer und außerdem wollte ich als Nicki Thiim wahrgenommen werden und nicht als Sohn von Kurt. Ich wollte mir meinen eigenen Namen machen – und das habe ich geschafft.

inSport Gibt es besondere Ziele, die Sie unbedingt erreichen möchten?
Thiim Mein großer Traum war und ist immer noch, in der DTM zu starten.

Nicki im Gespräch (c) ADAC Motorsport

Nicki im Gespräch (c) ADAC Motorsport

Nicki Thiim
Geburtstag    17.4.1989
Nationalität    Dänemark
Team    Prosperia C. Abt Racing
Erste Teilnahme    2014 im Audi R8
ADAC GTM    LMS ultra
Platzierung 2014    Platz 11

Saisonauftakt ADAC GT Masters
24. –  26. April
Motorsport Arena Oschersleben
www.adac-motorsport.de

Text Ann-Kathrin Ewald | Fotos ADAC Motorsport

Kategorie:Motorsport

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