Biada: Ein Typ, der gut kicken kann

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Im Eintracht-Sturm läuft es wieder rund. Zwölf Tore nach vier Spieltagen. Eintracht steht erst einmal weit oben in der Tabelle. Das Stürmer-Problem aus den vergangenen Spielzeiten scheint behoben zu sein, oder hat sich verlagert: Früher trafen sie nicht, jetzt gibt es zu viele Top-Leute. Und man weiß gar nicht, wen man bringen soll. Domi Kumbela hat seine Sprungkraft wieder gefunden und ist torgefährlich wie eh und je. Christoffer Nyman, der neueste Löwe im Kader, hat gleich beim ersten Einsatz eingenetzt. Und dann ist da natürlich Julius Biada, der schon drei Treffer erzielt hat und auch sonst im Angriff für reichlich Gefahr sorgt.

„Mit dem Start bin ich sehr zufrieden. So kann es weitergehen“, sagt der Neuzugang von Fortuna Köln. Bei den Rheinländern hatte der 23-Jährige zuvor eine hammerstarke Saison hingelegt. In 33 Einsätzen schoss er 14 Tore und legte 10 weitere vor. „Daher hatten sich für mich interessante Möglichkeiten ergeben“, lässt Biada durchblicken. Letztendlich hat sich der gebürtige Kölner für Braunschweig entschieden. „Die Gespräche mit den Verantwortlichen verliefen hier auf einer anderen Ebene“, sagt er und betont, dass der Schritt für ihn nicht leicht gewesen war. Braunschweig ist eben weit von seiner Heimat entfernt. „Aber manchmal ist der leichteste Weg eben nicht der Richtige.“

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Auch weiß er, dass ihm die Einsatzminuten in Braunschweig nicht einfach zufliegen werden. Das war in Köln zwar nicht anders, aber „da war ich Leistungsträger. Unser Spiel war größtenteils auf mich zugeschnitten“, sagt Biada. Die Eintracht-Mannschaft hängt hingegen nicht an einem Spieler. „Wir kommen über das Kollektiv. Es gibt bei uns nicht den klassischen Bomber, der 20 Tore in der Saison schießt. Wir haben Spieler, die alle ähnlich gut treffen können“, sagt Biada. Umso schwerer sei die Mannschaft für den Gegner auszurechnen.

Schon seit der Jugend beim Bonner SC spielt Biada in der Offensive. Über die Zeit dort sagt er: „Es war schön, weil wir dort gegen die Großen gespielt haben und selbst immer der Underdog waren. Wir hatten die schlechtesten Plätze und Trikots. Aber das hatte seinen Charakter und Charme“, sagt Biada. Als A-Jugendlicher wechselte er die Rheinseite und ging zu Bayer Leverkusen. „Da hatten die Jugendmannschaften alles. Das sind ganz andere Bedingungen.“ Vom Werksclub ging es weiter zu Schalke 04. „Da bin ich zum ersten Mal zuhause ausgezogen und sozusagen in die Welt gestartet“, sagt er.

Alle Stationen haben ihn geprägt. Der Trainer, der am meisten Eindruck bei ihm hinterlassen hat, war der vor drei Monaten verstorbene Sascha Lewandowski, damals Jugendtrainer in Leverkusen. „Er hatte auf dem Fußball-Platz auf jede Situation eine Antwort. Als Theoretiker hatte er das Spiel verstanden und hat mir viel mit auf den Weg gegeben“, sagt Biada.

Für Biada ist die Eintracht bereits der zweite Versuch, die 2. Liga zu erobern. In der Saison 2013/14 schloss er sich der Truppe des SV Darmstadt an, die gerade aus der 3. Liga aufgestiegen war und dann in die Bundesliga durchmarschierte. Darmstadts Erfolg stand allerdings Biadas persönlicher Entwicklung im Wege. „Die Jungs waren eingespielt und erfolgreich. Der Trainer hatte also kaum Gründe, mich aufs Feld zu schicken.“ So fasste er den Entschluss, einen Schritt zurück zu gehen und in Köln durchzustarten.

Jetzt steht er bei der Eintracht im Sturm. Auch da ist der Konkurrenzkampf groß. Das sieht Biada aber unkritisch. „Es bringt uns alle weiter. Und über das gesamte Jahr gesehen, brauchen wir jeden Mann“, findet der Spieler mit der Rückennummer 9, der aber auch mit der Bezeichnung „Falsche 9“ keine Probleme hat. „Ich spiele vorne, aber bin nicht der klassische Mittelstürmer, der zehn Kopfball-Tore im Jahr macht, sondern eher der Typ, der gut kicken kann.“

Als Jugendlicher hat er den Portugiesen Luis Figo bewundert. „Ich hatte natürlich ein Figo-Trikot. Das war mir damals heilig“, sagt Biada. Besonders Figos Charakter hat er sich zum Vorbild genommen. „Er war nie egoistisch oder selbstdarstellerisch.“ Heute, findet Biada, ist Lionel Messi der beste Fußballer der Welt. „Wenn man ihm zusieht, weiß man, dass man selbst ganz kleine Brötchen backen muss“, sagt der Rheinländer über den Argentinier.

Diese Brötchen aber lassen sich derzeit sehen. Es läuft für Biada und für die Eintracht. Er kommt auf seine Einsatzminuten und Erfolge. Die Mannschaft fährt Siege ein. „Die Stimmung im Team ist hervorragend. Wir haben viel Spaß, sind dabei aber sehr professionell“, sagt er. Das Ziel, sich unter den besten 25 Mannschaften Deutschlands zu etablieren, hat die Eintracht klar vor Augen. „Meine persönlichen Ziele sind, so viele Spiele, Tore und Vorlagen wie möglich zu machen und gesund zu bleiben“, sagt Biada, der in der Vergangenheit schon mit einer Gesichtsfraktur und Knie- sowie Meniskus-Verletzungen zu kämpfen hatte. „Diese Rückschläge verarbeitet man und weiß irgendwann damit umzugehen“, sagt er. Die vergangenen anderthalb Jahre blieb er zudem unverletzt.

Seine neue Heimat in Braunschweig hat er nach und nach bereits kennengelernt. Die Stadt habe es ihm durchaus angetan, sagt er. „Ich verbringe meine Freizeit gerne mit den Mannschaftskollegen im Kino, beim Essen – da bin ich stets dabei“, sagt er. Wenn es die Zeit zulässt, reist Biada aber auch gerne mal für ein paar Tage nach Köln. Etwas rheinländisches Flair bekommt er auch in Braunschweig geboten: am Freitag, 23. September ist Fortuna Düsseldorf zu Gast im Eintracht-Stadion.

 

Text: Bastian Lüpke
Fotos: Jörg Peters

 

Kategorie:Allgemein, Fußball
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