Behind The Scenes: Löwen Classics ist längst mehr als ein internationales Reitturnier

Braunschweiger Modell: Spitzen-Reitförderung ab der Kindergartenpforte

Im Frühjahr findet das Internationale Dressur – und Springturnier Löwen Classics bereits zum zehnten Mal statt. Das Turnier fehlt bei keinem der europäischen Spitzenreiter im Terminkalender. Hinter den Kulissen des erfolgreichen Turniers wurde ein einzigartiges Sportförderkonzept und entwickelt, das bundesweit die Reitszene aufgerüttelt hat. Das „Braunschweiger Modell“ von Axel Milkau ermöglicht jungen Talenten den Weg in den Profisport und dient den besten Züchtern des Landes als ideales Konzept für die gezielte Förderung junger Pferde. In Alt-Lehndorf entstand ein modernes Sportleistungszentrum, in dem sogar Solarien für Pferde bereitstehen.

„Wir haben Kräfte gebündelt und Interessen zusammengeführt, was Kosten einspart und Ausbildungstransparenz vor Ort schafft“, erläutert Axel Milkau. „In der Vergangenheit haben einheimische Züchter Ausbildungsställe im ganzen Bundesgebiet angelaufen, um dort ihre Pferde von erfahrenen Reitern im Springsport ausbilden zu lassen – und die erfolgreichen Braunschweiger Reiter sind in andere Regionen gefahren, um sich dort Nachwuchspferde für den Sport zu kaufen.“ Der erfolgreiche Springreiter bringt nun talentierte Reiter und talentierte Pferde zusammen. Einfach und bestechend. Mittlerweile stehen über 40 Pferde im Sportzentrum LC und über 17 Pferde sind in der Berittausbildung.

Die Sportförderung setzt früh ein. „Wir haben das Konzept extra in der Breite angelegt. Das heißt, wir holen sie im Prinzip an der Kindergartenpforte ab und bilden dann verschiedene Stufen: Für die Kindergartenkinder sind einfach nur Berührungen mit dem Pferd im Kidsclub wichig.“ Dort wird der Umgang mit den Pony in spielerischer Form geschult und das Verantwortungsgefühl gestärkt, um einfach erst einmal Lebewesen zu spüren. „Das bauen wir auf in einem Mehrstufensystem, angelehnt am Breitensport, wie Tennis, wo es auch schon teilweise praktiziert wird. Um dann in verschiedenen Stufen die Kinder bis in den Leistungssport zu führen“, erzählt Milkau. „Wir versuchen alles: von frei laufenden Ponys in der Halle bis zu spielerischen Querverbindungen zwischen Sack hüpfen und Eier laufen, aber immer mit Anwesenheit von Ponys. Das Sportkonzept von Löwen Classics ist das einzige System in Deutschland, das Kindern, die nicht auf das große Budget der Eltern zurückgreifen können, trotzdem einen Zugang zum Leistungssport verschafft. Talente brauchen einen adäquaten Untersatz, sprich ein Partnerpferd. Diese Tiere kosten meist viel Geld, dazu kommt noch das entsprechende Equipment..Das können nicht alle Eltern bezahlen. „Hier kommt wieder unser Förder- bzw. Besitzerpool ins Rennen, den wir daran angegliedert haben“, so Axel Milkau. „Damit übernehmen wir das Vollmanagement und die Kosten. Das ist wirklich einmalig in Deutschland.“

Die Finanzierung wird einerseits von Sponsoren sichergestellt, andererseits von den Züchtern. „Viele Sponsoren wollen heute mehr, als nur den einen Auftritt bei einer Veranstaltung. Sie möchten sich klar positionieren und engagieren“, ist Axel Milkau überzeugt. Förderpool und Besitzerpool sind eng eingebunden. Züchter und Besitzer müssen für die Ausbildung ihrer Pferde erhebliche Mittel aufwänden. „Da wir konsequent Junioren ausbilden, sparen wir als Zentrum die ganzen Personalkosten ein, die wir sonst in teure Bereiter stecken würden. Wenn dadurch nur ca. 50 Prozent der Ausbildungsgebühr bezahlt werden muss, ist das natürlich sehr interessant für Besitzer und Züchter. Wenn dann auch noch das große Netzwerk unserer Löwen-Classics dahinter steht und wir auch bei der Vermarktung der Pferde hilfreich sein können, dann hat das wieder einen positiven Effekt für alle Seiten.“

Herzstück des ganzheitlichen und nachhaltigen Konzeptes ist ein modernes Sportzentrum, das keine Wünsche offen lässt. Dafür wurde die Reitanlage in Alt-Lehndorf gekauft, saniert und nach den neuesten Erkenntnissen ausgebaut. Internationale Topp-Partner wie Helena Weinberg oder Hugo Simon arbeiten eng mit den Braunschweigern zusammen. „Dadurch bekommen wir auch Pferde für die Junioren, weil wir einen Mehrwert schaffen: Die Pferde werden bei uns top gemanagt und werden weiter an den Spitzensport gebracht. Es ist für internationale Reiter interessant, wenn wir Nachwuchspferde bekommen, die in guten Juniorenprüfungen geritten werden – eine sehr gute Wechselwirkung mit vielen Vorteilen.“

Zur Ausstattung des Sportzentrums gehören auch Solarien. „Damit werden die Blutwerte angereichert. Fußballer, die ihre Füße vermessen bekommen und Einlagen für ihre Schuhe bekommen, können dadurch besser rennen. Das kennen wir im Reitsport schon seit zig Jahren. Wir haben aber einen Partner an der Hand, der nicht sprechen kann. Und wir müssen mit diesem Partner kommunizieren, wir müssen diesen Partner studieren. Die Abnahme von Lacktatwerten machen wir schon länger.“

Schon nach kurzer Zeit hat sich das „Braunschweiger Modell“ bewährt. Das lässt sich in den Ergebnislisten der bundesweiten Turniere nachlesen – ob in nationalen und internationalen Springprüfungen oder auf dem begehrten Bundeschampionat in Warendorf (die Deutsche Meisterschaft der Nachwuchspferde). Seit kurzer Zeit sind fünf Schimmel aus Braunschweiger Aufzucht in der Ausbildung – sie sollen zukünftig die Braunschweiger Farben auf den Turnierplätzen im ganzen Bundesgebiet vertreten.

Kategorie:Reitsport

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